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Ermittlungen gegen Süleymancılar-Bewegung in der Türkei: Anführer und weitere Personen festgenommen
Quelle: Diken (Archiv)

Ermittlungen gegen Süleymancılar-Bewegung in der Türkei: Anführer und weitere Personen festgenommen

Die türkischen Behörden gehen mit einer groß angelegten Operation gegen die religiöse Bewegung der "Süleymancılar" vor. In 17 Provinzen wurden Durchsuchungen durchgeführt. Auch der als Anführer der Bewegung geltende Alihan Kuriş wurde festgenommen.

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Von dtj-online18. August 2026
4 Min. Lesezeit
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Die türkische Justiz hat eine umfangreiche Untersuchung gegen die als Süleymancılar bekannte religiöse Bewegung eingeleitet. Die Generalstaatsanwaltschaft in Ankara ermittelt gegen insgesamt 49 Personen. Ihnen werden unter anderem die Bildung und Leitung einer kriminellen Vereinigung, Mitgliedschaft in einer solchen Organisation sowie Geldwäsche und Steuerdelikte vorgeworfen.


Die Ermittlungen führten am vergangenen Donnerstag zu einer landesweiten Operation. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden in 17 Provinzen insgesamt 123 Adressen durchsucht. Unter den Beschuldigten befindet sich auch Alihan Kuriş, der seit 2016 als führender Vertreter der Bewegung gilt.


Von den zunächst festgenommenen Verdächtigen wurden nach Angaben türkischer Medien insgesamt 32 Personen in Untersuchungshaft genommen. Sechs weitere Beschuldigte kamen unter Auflagen frei. Die Ermittlungen dauern an.


Finanzielle Aktivitäten im Fokus


Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen offenbar vor allem die finanziellen Aktivitäten des Umfelds der Bewegung. Grundlage der Ermittlungen ist unter anderem ein Bericht der türkischen Finanzermittlungsbehörde MASAK.


Demnach sollen bei zahlreichen Unternehmen seit dem Jahr 2020 auffällige Veränderungen bei Finanztransaktionen und beim Umfang von An- und Verkäufen festgestellt worden sein. Die Ermittler untersuchen unter anderem die Gründung neuer Unternehmen mit hohen Kapitalbeträgen sowie Verbindungen und umfangreiche Geldtransfers zwischen verschiedenen Firmen.


Auch größere Bargeldbewegungen und Geldzuflüsse, deren Herkunft nach Einschätzung der Ermittler nicht ausreichend nachvollziehbar sei, sind Gegenstand der Untersuchung. Die Staatsanwaltschaft prüft zudem den Verdacht, dass in einigen Fällen Rechnungen manipuliert worden sein könnten, um Finanzströme zu verschleiern.

Neben der Bildung und Leitung einer kriminellen Vereinigung stehen deshalb auch Geldwäsche, Betrug zulasten öffentlicher Einrichtungen und Verstöße gegen das türkische Steuerrecht im Raum.


Bereits vor rund zwei Jahren gab es erste Gerüchte, wonach die Bewegung, die als regierungskritisch gilt, ins Visier der Behörden geraten könnte. Bei den Kommunalwahlen 2024, die die CHP gewann, soll ein Großteil der Anhänger für die CHP gestimmt haben. Auch Ekrem İmamoğlu soll bei seiner Wahl zum Istanbuler Oberbürgermeister unterstützt worden sein.


Alihan Kuriş unter den Festgenommenen


Besondere Aufmerksamkeit erregte die Festnahme von Alihan Kuriş. Der 1982 geborene Kuriş steht seit Jahren an der Spitze der Süleymancılar, einer in der Türkei einflussreichen religiösen Gemeinschaft, die insbesondere durch ihre Studentenwohnheime und Bildungsangebote bekannt ist. Kuriş ist ein Enkel von Süleyman Hilmi Tunahan, der die Bewegung im 20. Jahrhundert gründete und 1959 verstarb.


Kuriş wurde nach seiner Festnahme einem Gericht vorgeführt und anschließend in Untersuchungshaft genommen. Insgesamt wurden 32 Verdächtige festgesetzt. Die Vorwürfe sind allerdings noch nicht rechtskräftig festgestellt. Die Betroffenen gelten bis zu einer entsprechenden gerichtlichen Entscheidung als unschuldig. Auch ist derzeit offen, welche konkreten Konsequenzen die Ermittlungen für die weitere Struktur und die wirtschaftlichen Aktivitäten der Bewegung haben werden. Die medienwirksame Operation allerdings sorgt dafür, dass ein gewisses Bild von der Bewegung entsteht und vermittelt wird.


Der Fall könnte zugleich eine breitere Debatte über die wirtschaftlichen Strukturen religiöser Gemeinschaften in der Türkei und deren Verhältnis zu Unternehmen und staatlichen Institutionen auslösen. Entscheidend wird sein, welche Ergebnisse die laufenden Ermittlungen und das anschließende Gerichtsverfahren hervorbringen.


Auch in Deutschland stark vertreten


Die Bewegung ist nicht auf die Türkei beschränkt. In Deutschland sind Anhänger der Lehre von Süleyman Hilmi Tunahan vor allem im Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) organisiert. Der 1973 gegründete Verband hat seinen Sitz in Köln und zählt nach eigenen Angaben mehrere hundert Moschee- und Bildungsvereine.


In Köln selbst baut der Verband seine Strukturen seit Jahren aus. In Köln-Müngersdorf entsteht derzeit eine neue multifunktionale Verbandszentrale. Die Pläne für das Großprojekt wurden bereits 2018 vorgestellt; damals war von einem Investitionsvolumen von rund 70 Millionen Euro die Rede. Die Finanzierung sollte nach Angaben des Verbands unter anderem über Bankkredite, Mitgliedsbeiträge und Spenden erfolgen.


Das Projekt unterstreicht die Bedeutung Kölns als Zentrum der Organisation in Deutschland. Während die türkischen Behörden nun gegen Strukturen der Süleymancılar ermitteln, gibt es bislang keinen Hinweis darauf, dass die aktuellen türkischen Ermittlungen automatisch auch den VIKZ in Deutschland betreffen.

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