Gesellschaft

In U-Haft ermordeter Gökhan Açıkkollu bekommt Job zurück
Nach dem Putschversuch in der Türkei vor rund zwei Jahren brach das Chaos aus. Zahlreiche Menschen verloren ihre Jobs, zu Tausenden wurden Zivilisten verhaftet und sitzen zum Teil bis heute hinter Gittern. Ein Foto sorgte für besondere Aufregung. Der Lehrer Gökhan Açıkkollu, wurde zunächst vom Staat
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Von dtj-online28. Februar 2018
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Nach dem Putschversuch in der Türkei vor rund zwei Jahren brach das Chaos aus. Zahlreiche Menschen verloren ihre Jobs, zu Tausenden wurden Zivilisten verhaftet und sitzen zum Teil bis heute hinter Gittern. Ein Foto sorgte für besondere Aufregung. Der Lehrer Gökhan Açıkkollu, wurde zunächst vom Staatsdienst suspendiert und anschließend inhaftiert. Später starb Gökhan Açıkkollu unter mysteriösen Voraussetzungen in Untersuchungshaft. Nun, knapp zwei Jahre nach seinem Tod wurde der verstorbene Lehrer nun wieder zu seinem Dienst zugelassen. Gökhan Açıkkollu. Einer der ersten Todesfälle in türkischer Untersuchungshaft nach dem Putschversuch, war mit dem jungen Lehrer eingetreten. Dabei wurde stets behauptet, dass der Lehrer an Diabetes litt und seine Medikamente nicht rechtzeitig erhalten habe. Bereits der trauernde Vater des jungen Lehrers bezweifelte in einem TV-Interview die Todesursache seines Sohnes und beteuerte, dass er kein Landesverräter gewesen ist. Doch während der schmerzerfüllte Vater des verstorbenen Lehrers noch um seinen Sohn trauerte, wurde er nochmal erschüttert. Es wurde ihm mitgeteilt, dass sein Sohn einer der ersten sein werde, der im sogenannten Friedhof für Verräter verscharrt werden solle. Nur heftige Kritik aus dem Ausland konnte dieses abscheuliche Vorhaben in letzter Sekunde verhindern. Der Leichnam von Gökhan Açıkkollu wurde in seinem Heimatdorf beerdigt. Die türkische Religionsbehörde verweigerte in diesem Prozess die Dienste. Üblicherweise übernimmt die türkische Religionsbehörde Diyanet in solchen Fällen die Formalitäten um die Beerdigung. Für Gökhan Açıkkollu wurde der Dienst rigoros verweigert. DTJ-Recherchen vom November 2017 haben schließlich ergeben, dass die an die Öffentlichkeit kommunizierte Todesursache von Gökhan Açıkkollu nicht stimmt. Der Lehrer verstarb vielmehr an den Folgen schwerer Folter durch Beamte der Polizei in Untersuchungshaft. Wir konnten einen Mitinsassen und Augenzeugen interviewen. Aus Sicherheitsgründen kann die Redaktion den Namen des Mitinsassen nicht verraten. Nennen wir ihn Sinasi. "Gökhan Açıkkollu starb wegen den Schlägen auf seinen Kopf" Sinasi erzählte dem DTJ, dass Gökhan Açıkkollu kurz vor seinem Todeszeitpunkt von zwei Beamten in seine Zelle geschleppt worden sein. Dabei war er bereits so angeschlagen, dass sie ihn unter den Armen zerrten und seine Beine am Boden schliffen. "Sie haben ihn wie ein Stück Fleisch vom Metzger auf den Boden gelegt. Es kam dabei ein dumpfes Geräusch. Sehr unangenehm." Anschließend habe der ohnmächtige Gökhan Açıkkollu angefangen zu zittern. "Er kollabierte vor unseren Augen. In der Zelle direkt neben unserer Zelle war offensichtlich ein Arzt von dem Militärkrankenhaus GATA eingesperrt. Die Polizisten haben voller Panik den Arzt in unsere Zelle geholt und ihm befohlen den Kollaps zu stoppen." Der Arzt hätte gesagt, dass jede Hilfe zu spät kommt, vor allem ohne irgendwelches Instrumentarium. "So starb Gökhan Açıkkollu. Vor unseren Augen. Der Arzt sagte, dass es wegen den Schlägen auf seinen Kopf passiert sein muss. Es hatte nichts mit seiner Medizin zu tun. Vielleicht hat das seinen Zustand nur noch zusätzlich verschlechtert. Das kann sein." Tod, aber begnadigt. War Gökhan Açıkkollu also unschuldig? Die 13-tägige Leidenszeit bis zu seinem Tod beschreiben Familienangehörige von Açıkkollu: „Bei den ärztlichen Gesundheitskontrollen wurde er hunderte Male geschlagen. Gökhan war ständig physischer und psychischer Folter ausgesetzt. Sie drückten ihn gegen die Wand. Am 26. Juli, zwei Tage nach seiner Festnahme, haben die Wächter ihn in die Rippen getreten. Dieser Schmerz ließ nicht mehr nach. Seine Verletzungen sind in den Autopsieberichten dokumentiert: Sein Körper wies unzählige Blutergüsse sowie einen Bruch im Brustkorb auf.“
Dennoch ist der per Dekret vom Staatsdienst suspendierte und verstorbene Gökhan Açıkkollu, mit einem amtlichen Schreiben vom 20. Februar 2018 zu seinem Dienst als Lehrer wieder zugelassen worden. So wie bei Dutzenden anderen Fällen auch, konnte sich kein Verdacht erhärten, dass eine Beteiligung am Putschversuch belegen würde. Auch wurden die weiteren Anklagepunkte wie Mitgleidschaft in einer Terrororganisation und der finanziellen Unterstützung einer solchen Organisation nachgewiesen werden. Unter diesen Gesichtspunkten ist der Lehrer Gökhan Açıkkollu grundlos und schuldlos gestorben. Gökhan Açıkkollu war also unschuldig. Für mehr Hintergründe und exklusive Recherchen zum Thema Folter und Vergewaltigung in der Türkei können Sie die exklusive DTJ-Serie "Die Stimme der Folter" lesen. https://www.youtube.com/watch?v=j2N-tot9UHw [paypal_donation_button]
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