Zafer Çağlayan

Falsch deklarierte Lebensmittellieferungen und Geld in Schuhkartons: Der Prozess um Reza Zarrab hat das Zeug zum Spionage-Krimi. Vor Gericht in New York legt der Goldhändler dar, wie Sanktionen gegen den Iran mit mutmaßlich illegalen Geschäften umschifft wurden.  

Die Aussagen Zarrabs bestätigen den Wahrheitsgehalt der Korruptionsaffäre 2013, welche damals von der Regierungsseite für einen Putschversuch deklariert wurde.

Der türkisch-iranische Goldhändler Reza Zarrab hat zugegeben, den früheren türkischen Wirtschaftsminister Mehmet Zafer Caglayan mit Schmiergeldern in Millionenhöhe bestochen zu haben. Caglayan habe ihm dafür geholfen, über die staatliche türkische Halkbank «Gold-gegen-Öl-Deals» abzuhandeln und Sanktionen gegen den Iran zu umgehen, sagte Zarrab am Mittwoch vor einem Gericht in New York aus. Caglayan habe 50 Prozent der Profite bekommen.

Im Gerichtssaal zeigte die Staatsanwaltschaft Tabellen, die laut Zarrab die an Caglayan gezahlten Bestechungsgelder dokumentieren. Insgesamt zahlte Zarrab dem früheren Minister demnach 21,6 Millionen Euro, sieben Millionen Dollar und 2,5 Millionen türkische Lira, was umgerechnet insgesamt etwa 28 Millionen Euro entspricht. Einem Bericht der «Washington Post» zufolge sagte Zarrab aus, Caglayan rund 50 Millionen Euro gezahlt zu haben.

Zuvor sei er von der Halkbank abgewiesen worden, sagte Zarrab, weil er «zu bekannt» sei. «Meine Frau ist eine berühmte Künstlerin in der Türkei, ich war ein Mensch, der die ganze Zeit in der Öffentlichkeit stand.» Caglayan habe ihm geholfen, mit der Bank zusammenzuarbeiten.

Der 34-jährige Zarrab hatte bei dem brisanten Prozess eigentlich selbst auf der Anklagebank sitzen sollen, sich dann aber schuldig bekannt. Nun tritt er als Belastungszeuge auf. Auf der Anklagebank sitzt jetzt nur der frühere Vizechef der staatlichen türkischen Halkbank, Mehmet Hakan Atilla. Er hat die Anschuldigungen bislang zurückgewiesen.

Zarrab war im März 2016 während einer Reise nach Florida festgenommen worden, Atilla rund ein Jahr danach. Alle anderen Beschuldigten in dem Fall, darunter auch der ehemalige türkische Wirtschaftsminister Caglayan, sind im Ausland. Ihnen wird vorgeworfen, Transaktionen in Millionenhöhe über das US-Finanzsystem abgewickelt und damit gegen Iran-Sanktionen verstoßen zu haben.

Die Beteiligten arbeiteten dabei offenbar nach einem ausgeklügelten System: Lieferungen von Lebensmitteln und Medizin wurden laut Staatsanwaltschaft vorgetäuscht, um Geldzahlungen an den Iran zu ermöglichen. Gold wurde in Koffern und Bargeld in Schuhkartons versteckt, um türkische Beamte zu schmieren, sagte Staatsanwalt David Denton. Hochrangige Mitarbeiter der Behörden und Banken aus dem Iran und der Türkei sollen von den Geschäften gewusst haben, auch türkische Kabinettsmitglieder wurden laut Anklage bestochen.

Der Prozess, der für Spannungen zwischen den USA und der Türkei gesorgt hat, könnte Beobachtern zufolge drei bis vier Wochen dauern.

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