Der türkische Verteidigungsminister İsmet Yılmaz hat die Türken dazu eingeladen, dem historischen osmanischen Grabmal des Süleyman Şah, das in der Nacht zum Sonntag an die türkisch-syrische Grenze verlegt worden war, einen Besuch abzustatten.

„Das neue Grabmal wird von unserem Land aus gut zu Fuß zu erreichen sein“, äußerte Yılmaz am gestrigen Montag gegenüber dem Parlament, als er diesem hinsichtlich der Evakuierungsaktion Rede und Antwort stand.

„Wir laden alle ein, die dort eine Fatiha [islamisches Totengebet] für ihre Vorfahren abhalten wollen“, äußerte der Minister. „Sie werden die türkische Flagge dort wehen sehen.“

IS hatte das Grabmal bedroht

In einer gemeinsamen Aktion durch die türkischen Streitkräfte und die Nationale Geheimdienstorganisation (MİT) wurden in der Nacht zum Sonntag zum einen die Soldaten evakuiert, die am 40 Kilometer von der Grenze entfernten Grabmal des Großvaters des Osmanischen Reichsgründers Osman I. Dienst getan hatten, zum anderen wurden die im Mausoleum befindlichen Artefakte in Sicherheit gebracht.

Der Schrein war in der Vergangenheit kurzzeitig von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) belagert worden und die Terroristen drohten, ihn zu zerstören. Die türkische Regierung machte daraufhin deutlich, dass jeder Angriff als Kriegserklärung betrachtet und entsprechend beantwortet werden würde. Nachdem die Terroristen sich zurückgezogen hatten, entschloss man sich in Ankara jedoch zur Umbettung der Überreste Süleyman Şahs, da die Versorgung der dort stationierten Soldaten einen hohen Aufwand und eine stetige Gefahr bedeutete, in den syrischen Bürgerkrieg mit hineingezogen zu werden.

„Kein Quadratmeter Staatsgebiets wurde aufgegeben“

Zeitgleich zur Evakuierung des Grabmals nahmen türkische Einheiten ein neues Territorium unter ihre Kontrolle, etwa 180 Meter von der türkischen Grenze entfernt auf dem Gebiet der nordsyrischen Gemeinde Ashme, um dort den Schrein wieder aufzubauen.

Bis zum Abschluss der Arbeiten am neuen Standort wird der Sarg Süleyman Şahs symbolisch in einer vorübergehenden und von zwei Soldaten bewachten Grabstätte in Şanlıurfa aufbewahrt, wo am Montag auch eine Zeremonie stattfand.

İsmet Yılmaz trat im Parlament Vorwürfen aus den Reihen der Opposition entgegen, die Türkei habe auf diese Weise dem „Verlust türkischen Staatsgebietes“ zugestimmt. „Kein Territorium des Landes wurde aufgegeben. Die Türkei hat keine Souveränitätsrechte aufgegeben.“ Das neu requirierte Territorium ist mit 20 Hektar doppelt so groß wie die bisher genutzte Exklave.

Auch Premierminister Ahmet Davutoğlu warf der Opposition in diesem Zusammenhang „Arroganz“ vor, ihre Kritik werde als „schwarzer Fleck in der Geschichte verschwinden“.

Von Beginn an sei die regierende Adalet ve Kalkınma Partisi (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung; AKP) für die Staatsbürger, Soldaten und Diplomaten im Ausland da gewesen und darauf sei die Regierung „am meisten stolz“, so Davutoğlu.

„Leider erkennt die Opposition dies nicht an, sondern schlägt die gleiche Rhetorik an wie externe Akteure, die sich vom Aufstieg der Türkei gestört fühlen und wie das syrische Regime“, ergänzte der Premierminister.

Damaskus spricht von „Aggression“

Die Regierung in Damaskus hat die Operation der türkischen Armee auf syrischem, aber nicht von syrischer Staatsgewalt kontrolliertem Gebiet, in harschen Worten verurteilt und das Eindringen der Armee als „einen Akt offensichtlicher Aggression“ verurteilt. Man werde Ankara für die Folgen verantwortlich machen.

Der syrische Staatssekretär für nationale Versöhnung, Ali Haidar, hat angekündigt, es werde eine „strategische“ Antwort auf die Offensive geben. „Die direkte Intervention der Türkei auf syrischem Staatsgebiet zeigt ihr wahres Gesicht und die feindseligen Ziele der Türkei gegenüber Syrien“, äußerte sich Haidar gegenüber der irakisch-kurdischen Online-Newsseite Rudaw.

In einer Pressekonferenz wies der türkische Regierungssprecher İbrahim Kalın die Aussagen der syrischen Regierung zurück. Syrische Behörden der Assad-Administration hätten alle Legitimität verloren, äußerte Kalın. Der Zweck der Aktion sei es gewesen, angesichts steigender Spannungen in der Region und anhaltender Kämpfe zwischen syrisch-kurdischen Kämpfern und jenen der Terrormiliz IS potenzielle Angriffe zu vermeiden.