Applaus aus Protest: Die Mitarbeiter von "Olay TV" kommentieren die Einstellung des Sendebetriebs auf ihre Art. Foto: Screenshot/Youtube

In der Türkei hat ein Fernsehsender nach nicht einmal einen Monat den Betrieb eingestellt. Grund sei der „große Druck“ der Regierung auf den Eigner, wie der Chefredakteur, Süleyman Sarılar, von „Olay TV“ sagte.

„Uns ist klar geworden, dass wir unser Programm nicht länger aufrechterhalten können“, so Sarılar. Auch der Eigner des Senders, Cavit Çağlar, sagte, dass die andauernde staatliche Einmischung einer Fortsetzung des Sendebetriebs im Weg gestanden habe.

Der Unternehmer und frühere Minister Çağlar hatte den Sender 1994 gegründet und betrieben – bis zur ersten Schließung 2019. Die Wiedereröffnung mit zahlreichen regierungskritischen Journalisten an Bord währte nun weniger als einen Monat.

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Die Tageszeitungen „Evrensel“ und „Birgün“ mutmaßten, Grund könnte unter anderem eine Übertragung einer Fraktionssitzung der pro-kurdischen HDP gewesen sein. Der Partei unterstellt die Regierung Verbindungen zur Terrororganisation PKK. Die HDP, eine legale Partei, bestreitet dies. Trotz des Schlusspunkts am Freitag versicherte Chefredakteur Süleyman Sarılar, man werde weitermachen. „Wir werden auf jeden Fall weiter freien Journalismus betreiben mit unseren 180 Kollegen.“

Interne Querelen als weiterer Grund?

Aussagen des Eigners deuten aber auch auf interne Meinungsverschiedenheiten hin. „Ich bin jemand, der Mitte-Rechts-Politik gemacht und diesem Land gedient hat. Die Sendungen des Olay TV-Sendeteams haben mich gestört. Insbesondere die Nähe zur HDP“, beklagte Çağlar in der Zeitung „Cumhuriyet“. Er habe weitere Medienmacher zum Team hinzufügen wollen, die wiederum habe das Team nicht akzeptiert. Daraufhin habe er schließlich das Handtuch geworfen.

Er könne sich ebenfalls vorstellen, den Sendebetrieb wieder aufzunehmen. Dann womöglich mit einem anderen Team.

dtj/dpa