Start-ups boomen in der Türkei. Foto: Unsplash

Die türkische Gründerszene ist vielversprechend. Viele Jungunternehmer nehmen ihr Glück selbst in die Hand. Die Bandbreite ist groß, Investoren sind indes skeptisch. Kann die Start-up-Szene in dem unsicheren Umfeld bestehen?

Hinter der Fassade aus autoritärer Politik, Inflation und Pandemie gedeiht in der Türkei ein aussichtsreiches Start-up-Ökosystem. Im Land gibt es viele technik-versessene Ingenieure. Häufig sind sie vergleichsweise jung und gut ausgebildet. Zugleich gibt es aber nur wenige Jobs mit stabilem Einkommen.

Ertan Can, der mit seiner Investmentfirma Multiple Capital in der Türkei investiert, sagte dem Handelsblatt: Deshalb sei der Wunsch in der Türkei viel größer, „als Gründer etwas aufzubauen“.

Stabile Verhältnisse?

Aus Mitarbeitersicht seien Start-ups ebenso verlockend: Bei 16 Prozent Inflation böten international finanzierte Firmen vergleichsweise stabile Verhältnisse. Talent ist da leicht zu finden. Hinzu komme: Istanbuler Start-ups erhöhen die Gehälter ihrer Mitarbeiter pro Jahr um bis zu 30 Prozent.

Und dass mit türkischen Start-ups gutes Geld zu verdienen ist, bewies der Verkauf der Istanbuler Spielefirma Peak Games. Sie ging für 1,8 Milliarden Dollar an die US-Firma Zynga. Dem deutschen Investor Earlybird spülte der Deal dem Handelsblatt zufolge eine Rekordrendite in die Kassen.

Junge, internetaffine Bevölkerung

Gut für die Gründerszene ist eine weitere türkische Besonderheit: Die Bevölkerung ist jung und digitalaffin. Sie probiert gern Neues aus und ist offen für Innovationen. Dass die beiden Techriesen Amazon und Google in der Türkei nicht wie anderswo erfolgreich Fuß fassen konnten, erhöht die Chancen für türkische Gründer, mit digitalen Dienstleistungen zu glänzen.

Für die Gründer bleibt der inländische Markt aber aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und der undurchsichtigen Wirtschaftspolitik des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan (DTJ-Online berichtete) mit Risiken behaftet. Die logische Konsequenz: Viele Gründer beschränken sich nicht auf die Türkei, sondern beabsichtigen, ein globales Produkt an den Start zu bringen.

Die boomende Gründerszene in der Türkei muss aber noch beweisen, dass sie dem Gegenwind aus Ankara und der Skepsis der Investoren trotzen kann. Die Bedingungen dafür sind gut.