Der türkisch-muslimische Prediger Fethullah Gülen hat in einem Gastbeitrag in der New York Times Stellung zu der aktuellen politischen Situation in der Türkei bezogen.

Gülen, der als Mentor der weltweit aktiven Hizmet-Bewegung gilt, die derzeit von der AKP-Regierung und Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan bekämpft wird, äußert darin seine Hoffnung, dass die Politiker, die die Türkei derzeit regieren, von ihrem autoritären Kurs abrücken. Die Türkei sei dabei, eine „historische Chance“ zu verpassen.

„Die AKP-Führer stellen inzwischen jede demokratische Kritik an ihnen als Angriff auf den Staat dar“, schreibt Gülen in dem am Dienstag veröffentlichten Meinungsbeitrag. „Indem sie jede kritische Stimme als Feind betrachten – oder noch schlimmer als Verräter – führen sie das Land in den Totalitarismus.“

Erdoğan hatte als Premierminister im vergangenen Jahr die Hizmet-Bewegung durchgehend öffentlich mit teils beleidigenden Worten attackiert. Die Wortwahl reichte von „Assassinen“ bis hin zu „Blutegeln“. Mittlerweile hat sich in der türkischen Politik der Begriff „Parallelstruktur“ festgesetzt. Gülen soll sich angeblich an der Spitze dieser Organisation befinden, die es sich zum Ziel gesetzt habe, die Regierung zu stürzen. Beweise für diese Anschuldigung hat die Regierung bis jetzt jedoch nicht vorlegen können.

Die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), als dessen Kandidat Erdoğan im August zum Präsidenten gewählt wurde, habe durch ihr Vorgehen gegen Kritiker in den Medien und der Zivilgesellschaft die Chance auf eine Aufnahme der Türkei in die Europäische Union vertan, kritisiert Gülen in dem Beitrag. Der 73-jährige Prediger, der seit 1999 im Exil in den USA lebt, hatte lange die AKP unterstützt.

Man habe die Reformpolitik der AKP mitgetragen, da sie die Demokratisierung des Landes vorangetrieben habe. Davon sei heute nicht mehr viel übrig geblieben.

Auch sei die Hizmet-Bewegung nicht das einzige Opfer des derzeitigen Regierungskurses. Er treffe alle, die eine andere Meinung als die Regierungspartei vertreten würden.

Hier geht es zum gesamten Beitrag in der NYT.