Gülen wird mit Manhae-Friedenspreis ausgezeichnet

Die südkoreanische Manhae Foundation, eine Gesellschaft für die Pflege und Verbreitung des Gedankenguts Manhaes, gab Anfang März die Gewinner des diesjährigen Manhae-Preises in den drei Kategorien Frieden, Projektarbeit und Kultur bekannt. Aus rund 300 Bewerbern aus aller Welt wurden drei Gewinner für jede Kategorie gekürt und neun weitere Auszeichnungen vorgenommen. Die Auszeichnungen in der Kategorie Frieden wurden dabei an Fethullah Gülen, 72, Kim Sung-soo, 82, den Erzbischof der Anglikanischen Kirche von Korea, und die Organisation „World Fellowship of Buddhists“ (WBF) verliehen.

Die Manhae-Preise in der Kategorie Projektarbeit gingen an Abderrahim el Allam, 50, einen marokkanischen Schriftsteller, an den koreanischen buddhistischen Mönch Whang Il-Myeon, 66, sowie an Dagon Taryuar, 93, einen Dichter und Schriftsteller aus Myanmar.

Die Preisträger der Kategorie Kultur sind Ahn Sook-sun, 64, eine koreanische Pansori-Meistersängerin, Ingo Schelze, 51, der deutsche Schriftsteller Ingo Schulze, 50, und Konstantin Kedrov, 70, ein griechischer Philosoph und Dichter.

Neben Gülen wurde auch ein anglikanischer Erzbischof in Korea ausgezeichnet

Unter den diesjährigen Preisträgern ist auch Fethullah Gülen, auf den die sogenannte Hizmet- oder Gülen-Bewegung zurückgeht. Gülen lehrt den islamischen Glauben und steht für die Ermutigung zu Bildung, zum interreligiösen Dialog und zur pluralistisch-demokratischen Gesellschaftsordnung. Weiterhin wird er von der Manhae Foundation ausgezeichnet, weil er sich an gesellschaftlichen Debatten über die Zukunft der Türkei und des Islam in der modernen Welt beteiligt hat. Der in den USA lebende muslimische Gelehrte wird in vielen Medien und Publikationen als einer der weltweit wichtigsten muslimischen Persönlichkeiten eingestuft.

Kim Sung-soo, Erzbischof der anglikanischen Kirche, ist einer der ältesten religiösen Führer in Korea und widmete sich vor allem der Bildungsarbeit für Menschen mit körperlichen oder seelischen Behinderungen. Er füllte zahlreiche gemeinnützige Funktionen aus, einschließlich jener des Präsidenten des Nationalen Rates der Kirchen in Korea (National Council of Churches in Korea). Er war Vorsitzender des Purme Foundation und Präsident der Universität der anglikanischen Kirche in Korea.

Der WFB ist eine internationale buddhistische Organisation, die im Jahre 1950 in Colombo, Sri Lanka, von Vertretern aus 27 Nationen gegründet wurde. Sie arbeitet seither an der Förderung der strikten Einhaltung und Praxis der Lehren Buddhas, Einheit, Solidarität, Brüderlichkeit unter Buddhisten zu sichern und die erhabene Lehre des Buddhas zu pflegen und zu verbreiten.

Der WFB organisiert Aktivitäten im Bereich sozialer, bildungsbezogener, kultureller und humanitärer Dienstleistungen. Der derzeitige Präsident der WFB, Phan Wannamethee aus Thailand, dient in dieser Funktion bereits seit 1999, während der chinesische Hsing Yun als Ehrenpräsident dient.

Abderrahim El Allam ist einer der aktiven Kolumnisten für The Asian. Der Schriftsteller und Literaturkritiker aus Marokko war eine Zeitlang Präsident der Union der Schriftsteller Marokkos (Union of Writers of Morocco). Er veröffentlichte und übersetzte mehrere Bücher, darunter literarische Werke von Hanna Mina, einer syrischen Schriftstellerin. Er organisierte zudem ein Sozialprogramm namens „Reading Train“, bei dem Menschen ehrenamtlich an Bahnhöfen in ganz Marokko kostenlos Bücher an die Öffentlichkeit verteilen.

Whang Il-Myeon dient seit 2005 als Vorsitzender der Life Sharing Practice Society and trug auf diese Weise wesentlich zur Förderung der Organspende und Suizidprävention bei.

2012 bekam Augsburg den Manhae-Friedenspreis

Im vergangenen Jahr wurde unter anderem die Stadt Augsburg ausgezeichnet. Vor rund 1.000 geladenen Gästen – darunter eine Vielzahl buddhistischer Mönche, sowie Vertreter der südkoreanischen Regierung – erhielt Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl (Foto, l.) den 16. Friedenspreis der Manhae-Stiftung.

„Der Manhae-Preis ist eine Auszeichnung, bei der man spürt, dass sie auch in der Bevölkerung Südkoreas in hohem Maß beachtet und anerkannt wird“, zeigte sich OB Dr. Kurt Gribl beeindruckt von der Atmosphäre der Preisverleihung im fernen Korea. Augsburg erhielt den Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, für die vorbildliche Gestaltung des interreligiösen Dialogs und das damit verbundene beispielhafte Engagement für ein friedliches Zusammenleben der Augsburger Bevölkerung in ihrer vielkulturellen Stadt. „Es ist ein Preis, der den Einsatz der Augsburger Bürger für Frieden und Ausgleich zwischen den Religionen würdigt. Augsburg kann auf diesen Preis und alle damit verbundenen Werte wirklich stolz sein“, sagte Gribl im Anschluss an die Verleihungszeremonie.

Manhae – Mönch, Freiheitskämpfer und Poet

Die Manhae Foundation, eine Organisation, die im Gedenken an den Dichter Han Yong-un (1879-1944), auch bekannt als Reverend Manhae, gegründet wurde, ist Gastgeber der jährlichen Manhae-Preisverleihungen und ehrt Menschen, die den Frieden auf der Welt fördern. Manhae (1879-1944) wurde mit 26 Jahren im Baekdamsa-Tempel (Provinz Gangwon) zum buddhistischen Mönch geweiht und nahm den Namen Han Young-un an. Den Namen Manhae verwendete er als Künstlername und literarisches Pseudonym. Han ist bekannt für sein Werk „Love‘s Silence“ (Die Stille der Liebe) und seine patriotischen Aktivitäten. Manhae ist ein Pseudonym für Han Young-un, der gegen die japanische Besatzung in Korea (1905-1945) kämpfte. Er wurde 1905 buddhistischer Mönch im Tempel Baektams, seine Gedichte betonen Phänomene wie Freiheit, Gleichheit und Harmonie.

Zu den internationalen Preisträgern zählen unter anderem der koreanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung (2003), der ehemalige südafrikanische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela (2004), der Dalai Lama (2005) und der kanadische Schriftsteller und Präsident von PEN International John Ralston Saul (2010).

Die diesjährige Preisverleihung wird am 12. August im Baekdamsa-Tempel in Kangwon in Südkorea stattfinden.