Oft wird die Zeit am Ende der vierten Grundschulklasse zum Horrortrip für Eltern, Schüler und Lehrer. In den Köpfen vieler Eltern kommt es immer noch einer Stigmatisierung gleich, wenn die Kinder nicht aufs Gymnasium gehen.

Zahlreiche Eltern möchten, dass ihr Kind auf das Gymnasium geht. Das Gymnasium steht für einen qualitativen Bildungsweg, über welchen es „einfacher“ sei, an die Universität zu kommen und eine freie Berufswahl zu haben. Der Zeitraum des Übertritts zum Gymnasium ist sowohl für Eltern als auch für die Schülerinnen und Schüler, nicht selten auch für die Lehrkräfte der Grundschulen selbst, der Horror. In vielen Bundesländern fällt nach dem vierten Schuljahr eine Entscheidung, die zumindest in den Köpfen der Eltern immer noch als schicksalhaft für den künftigen Lebensweg angesehen wird.

Tipps und Tricks, um doch noch auf das Gymnasium zu kommen

Die Grundschullehrerin Annette Holl teilt mit, welche Verhaltensweisen neben den guten Noten in den Fächern Deutsch und Mathematik und der Motivation des Kindes, Hausaufgaben sorgfältig und gewissenhaft ohne große Hilfe zu bewältigen, außerdem noch ausschlaggebend für eine gymnasiale Empfehlung sind. Dazu gehören Aspekte wie Pünktlichkeit, Hausaufgaben, Vollständigkeit der Arbeitsmaterialien, Mitarbeit, freiwillige Zusatzarbeiten, freiwilliges Wiederholen des Stoffes zu Hause und freiwillige Buchvorstellungen.

Selbstverständlich steht ein Übertritt auf das Gymnasium bei Beachtung eben genannter Aspekte außer Frage. Die Frage ist nun: Was machen Schülerinnen und Schüler, die nicht alles, was auf der Liste eines vorbildhaften Schülers steht, erfüllen?

Manipulation durch vor allem Lehrer

Wichtig ist es – egal ob als Eltern, Lernender oder Lehrperson – im Hinterkopf zu behalten, dass es viele Wege zur Universität gibt. Nicht nur der Weg über das Gymnasium ebnet den Weg zur Fachhochschule, Hochschule oder Universität bzw. ist dieses Ziel auch nicht unbedingt jedermanns Sache. Das forcierte Streben von Eltern, ihr Kind auf dem Gymnasium zu sehen, existiert aber auch nicht ohne Grund. Dadurch, dass Lehrer gerne einmal Sätze wie „So kommst du auf die Baumschule“, „So kommst du nur auf die Hauptschule“, oder „ So schaffst du‘s niemals aufs Gymnasium“ fallen lassen, vermitteln sie Schülern sowie Eltern das Gefühl, als kämen nur die Klugen dahin. Auf diese Weise verlieren Eltern die Hoffnung, dass das Kind jemals eine Universität besuchen könnte. Doch es darf nicht vergessen werden, dass es mittlerweile die unterschiedlichsten Wege gibt, um zum Studium zu kommen.

Alle Wege führen nach Rom

Es gibt nicht wenige Personen, die „sogar“ von der Hauptschule zum Studium an einer FH, Hochschule oder Universität schaffen. Eigentlich sollten Beispiele für solche Wege überall stärker ins Bewusstsein von Eltern und Schülern dringen können. Es gibt mittlerweile auch die unterschiedlichsten Aufstellungen darüber, welche Wege es zum Studium gibt. Je nach Bundesland und Einzelfall gibt es auch die unterschiedlichsten Beratungsstellen.

Es gibt verschiedene Wege, auf die Universität zu kommen – sobald bzw. solange der Schüler das auch möchte. Selbst Links, die darüber informieren, welche Wege zum Studium es ohne Abitur gibt, existieren. Eine der vielen Websites, auf denen Sie Hilfestellung bekommen können, ist „Wege ins Studium“.

Aber auch wenn eine Schülerin bzw. ein Schüler überhaupt nicht studieren möchte, ist das und muss das in Ordnung sein. Ansonsten entstehen ein immenser Druck und eine große Belastung auch für diejenigen, denen das lange Sitzen und Lesen, Hausaufgaben machen, wissenschaftliche Arbeiten und was ein Studium sonst noch alles mit sich bringt, absolut nicht gefällt. Hier ist dann die gleiche Anerkennung und Wertschätzung nötig, die Gymnasiasten nicht selten zu Unrecht vermehrt genießen.

Entstehung von den drei Schularten

Der Entstehungsgrund der drei Schularten wurzelt darin, dass Schüler je nach Begabung separiert werden und nicht nach Grad der Intelligenz, welche jedoch mit Sicherheit nicht präzise genug zu diagnostizieren ist. Vor allem nicht, wenn diagnostische Kompetenzen von Lehrkräften nicht erworben werden bzw. keine große Sorgfalt gezeigt wird, diese auch bei der Urteilsbildung umzusetzen.

Gemeinschaftsschule und Waldorfschule als Alternative

Im deutschen Schulsystem gibt es aber nicht nur Alternativen zum Gymnasium, sondern auch zur vierjährigen Grundschulzeit. Gemeinschaftsschulen, in welchen die Schülerinnen und Schüler für ganze zehn Jahre die gemeinsame Klasse teilen, oder Privatschulen wie die Waldorfschule, bei welcher die Lernenden in der zehnten Klasse selbst entscheiden dürfen, ob sie die Mittlere Reife erwerben möchten oder die Hochschulreife anstreben möchten, erfreuen sich bei vielen Eltern großer Beliebtheit.