Die prächtige Hagia-Sophia prägt das Bild Istanbuls. Das Bild zeigt die Metropole am Bosporus bei Sonnenaufgang, die Hagia-Sophia erstrahlt in gelb-orange.
Die fast 1500 Jahre alte Hagia Sophia war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit, dann wurde sie zur Moschee.

Die Hagia Sophia (türkisch Ayasofya) in Istanbul wird für die Dauer des islamischen Fastenmonats Ramadan zu einem Teil wieder zur Moschee. Der Gebetsruf zum Frühmahl vor dem Abstinenzbeginn mit Sonnenaufgang erfolgt seit Montag und wird bis 5. Juli im staatlichen Sender TRT-Diyanet landesweit ausgestrahlt. Dazu wird jeden Morgen ein Programm ausgestrahlt.

Über Jahrhunderte die größte Kirche der christlichen Welt und nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 Moschee, ist die Hagia Sophia seit der Gründung der laizistischen Türkei heute ein Museum. Religiöse Zeremonien und Zeichen waren dort bislang strikt untersagt.

Şamil Tayyar, Abgeordneter der konservativen Regierungspartei AKP, wertet die Maßnahme auch als Vergeltung für die vermeintliche „Genozid“-Lüge der Deutschen und anderer Abendländer. Der regierungstreuen Morgenzeitung „Sabah“ sagte er, die Hagia Sophia müsse auch über den Ramadan hinaus Moschee bleiben. Die westlichen Christen seien keine Freunde der Türken mehr; man brauche daher auf sie keine Rücksicht zu nehmen.

Das griechische Außenministerium reagierte empört und kritisierte die Maßnahme von TRT. Sie zeuge von „wenig Verständnis und Respekt“ gegenüber den orthodoxen Christen und einem welthistorischen Gebäude.

900 Jahre Kirche, 500 Jahre Moschee

Die Hagia Sophia (griechisch: „Heilige Weisheit“) ist eines der berühmtesten Gebäude der christlichen und auch der islamischen Religionsgeschichte. Unter Kaiser Justinian wurde sie von 532 bis 537 erbaut. Das Werk der Architekten Isidoros von Milet und Anthemios von Tralleis wurde zum grundlegenden Modell späterer religiöser Bauwerke.

Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 wandelte Sultan Mehmet II. die damalige Hauptkirche des orthodoxen Christentums in eine Moschee um. Im Innenraum ersetzten muslimische Insignien die christlichen; Ikonen wurden entfernt und Mosaike mit Putz bedeckt. Diese wurden erst im 20. Jahrhundert wieder freigelegt. Nach dem Ende des Osmanischen Reiches und der Ausrufung der Türkischen Republik wandelte der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk die Moschee 1934 in ein Museum um. Vielen Muslimen in der Türkei ist das heute noch ein Dorn im Auge.

Die 55 Meter hohe Hauptkuppel der Hagia Sophia prägt das Erscheinungsbild im Zentrum Istanbuls mit. Die frühere Krönungskirche byzantinischer Kaiser wird durch mehrere Halb- und Nebenkuppeln abgestützt; vier Minarette bilden die Eckpunkte. Fensterreihen am Fuß lassen den Eindruck eines schwebenden Daches entstehen. (kna/dtj)