An keinem anderen Bundesligisten scheiden sich derzeit die Geister so sehr wie am Hamburger SV. Der HSV befindet sich nicht nur im Abstiegskampf, ihm droht sogar mittlerweile der Gang in Liga zwei. Für die einen sollte der Klub aus der Hansestadt endlich mal absteigen, um den Ernst der Lage zu begreifen, die anderen würden nur zu ungern das Aussterben des Bundesliga-Dino hinnehmen. Es scheint so, als sei auch der Trainerwechsel im Herbst längst verpufft. Im Laufe der Hinrunde trat Bert van Maarwijk die Nachfolge von Thorsten Fink an, als sich das Team auf Platz 17 befand. Nach einem kurzweiligen Hoch sind die Hamburger aber auch mit dem ehemaligen Bondscoach erneut auf den selben Tabellenplatz abgestürzt.

In dieser Phase geben die Hamburger die vorzeitige Vertragsverlängerung mit dem türkischen Nationalspieler Hakan Çalhanoğlu bekannt. Das neue Arbeitspapier des Youngsters läuft bis 2018. Çalhanoğlu erhofft sich mit dem neuen Deal auch ein Zeichen bei seinem krisenerschütterten Arbeitgeber zu setzen.

Keine Ausstiegsklausel

Besonders interessant: Der Kontrakt beinhaltet keine Ausstiegsklausel. Zudem gilt der Vertrag auch für die zweite Liga. Die verlängerte Zusammenarbeit mit Çalhanoğlu könnte daher sogar als eine kleine Vorsichtsmaßnahme interpretiert werden. Denn die Zeichen auf die Zweitklassigkeit ab der neuen Saison verdichten sich. Die Hansestädter sind Bundesliga-Vorletzter und haben nun die letzten fünf Spiele allesamt verloren. „Ich wollte ein Zeichen setzen. Ein Zeichen, dass mir der Verein viel bedeutet und dass ich dem Verein viel geben kann“, so das Mittelfeld-Juwel, auf dessen Fähigkeiten der HSV im Abstiegskampf angewiesen ist.

Es bleibt aber abzuwarten, ob der Mann für die gefährlichen Standartsituationen im Fall eines Abstiegs überhaupt den Traditionsverein in die zweite Bundesliga begleiten würde. Denn er wäre wohl nur sehr schwer zu halten. Schon kurz vor der Winterpause flirtete er mit seinem Lieblingsklub und Kindheitstraum Galatasaray. In Folge dessen wurde ihm vom Sportchef Oliver Kreuzer ein Maulkorb aufgesetzt, der ihm weitere Interviews untersagte.

„Junger Spieler mit großer Perspektive“

Am heutigen Mittwoch erklärte der talentierte Spielmacher: „Ich habe immer gesagt, dass ich mich in Hamburg und beim HSV wohlfühle.“ Kreuzer betonte im Vorfeld immer wieder, dass man sich mit Çalhanoğlu zusammensetzen werde, um ihn länger für bessere Konditionen an den Verein zu binden. Der gebürtige Mannheimer gehört zweifelsohne zu den Aufsteigern dieser Bundesliga-Spielzeit und gab auch schon sein Debüt in der türkischen Nationalmannschaft. 18 Mal lief er nun schon für den HSV auf und erarbeitete sich an der Seite von Kapitän Rafael van der Vaart mit nun schon fünf Toren und zwei Vorlagen einen Stammplatz. Für seinen Sportchef steht fest, dass man ihn trotz finanziellen Engpässen nicht gleich bei einem guten Angebot verkaufen werde: „Wir wollen Hakan nicht zu Geld machen.“ Ganz im Gegenteil: „Wir freuen uns, mit Hakan einen jungen Spieler mit großer Perspektive langfristig an den Verein gebunden zu haben. Die vorzeitige Verlängerung unterstützt und bestätigt unsere Ausrichtung für die kommenden Jahre.“

„Bin davon überzeugt, dass wir die Klasse halten“

Der neue Hoffnungsträger unterschrieb 2012 einen Vertrag beim Bundesliga-Dino, wurde aber noch für ein Jahr an den abgebenden Verein zurückverliehen. Den Karlsruher SC führte er in der Vorsaison dann eindrucksvoll mit 17 Toren und elf Assists in die 2. Bundesliga zurück. Dort könnte der Hamburger SV zur neuen Saison auf seinen Ex-Klub treffen. An dieses Horrorszenario möchte Çalhanoğlu, dessen Eltern aus der türkischen Provinz Bayburt stammen, jedoch nicht denken: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen, weil die Mannschaft heiß ist und auch vom Kopf her klar ist.“ Nach einem gelungenen Klassenerhalt möchte er sich mittelfristig auch schon höheren Zielen widmen: „Ich will es mit dem HSV in die Europa League schaffen.“

Mit den „Rothosen“ empfängt er am Samstag Hertha BSC in der Imtech Arena und trifft dort möglicherweise auf seinen Landsmann Tolga Ciğerci. Auch die Berliner sind bislang punktlos in das Jahr 2014 gestartet und hoffen mit der Rückkehr Ciğercis an der Elbe zu bestehen.