Hamed Abdel-Samad - dpa

Hamed Abdel-Samad, der seit 21 Jahren in Deutschland lebt und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, soll am Sonntag während eines Besuchs in Kairo entführt worden sein. Der Bruder des Autors, Mahmud Abdel-Samad, berichtet dies in der ägyptischen Zeitung „Youm7“.

Nach Angaben der Zeitung soll Abdel-Samad am Sonntag sein Hotel in der Kairoer Innenstadt auf eigenen Wunsch ohne seine Leibwächter verlassen haben. Später soll er vom Azhar-Park in Kairo seinen Bodyguard angerufen und von einer Verfolgung berichtet haben. Seitdem fehlt jede Spur des Deutsch-Ägypters.

Salafisten bedrohten Abdel-Samad seit Sommer

Über die Hintergründe der mutmaßlichen Entführung gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. In vielen Fällen werden in bürgerkriegsgefährdeten Ländern Touristen entführt, um Lösegeld zu erpressen. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass selbst ernannte „Djihadisten“ für das Verschwinden Abdel-Samads verantwortlich sind.

Salafisten hatten im Sommer zum Mord an Abdel-Samad aufgerufen, als er sich in abfälliger Weise gegenüber dem politischen Islam geäußert hatte. Die Muslimbruderschaft soll er als „religiöse Faschisten“ bezeichnet und das gewaltsame Vorgehen der Militärs gegen deren Anhänger gerechtfertigt haben.  Der gewählte Präsident Ägyptens, der dieser nahe steht, wird seit dem – von Abdel-Samad begrüßten – Putsch vom 3. Juli 2013 ohne Gesetzesgrundlage vom Militär gefangen gehalten.

Im Internet ist daraufhin eine regelrechte Hetzkampagne gegen Abdel-Samad ausgebrochen. Auf seiner Facebook-Seite erschienen Fotos mit ihm und dem Schriftzug „Wanted Dead“. Der Salafisten-Führer Scheich Assem Abdel-Maged, bekannt für seine Ausfälle gegen Andersdenkende, rief im ägyptischen Fernsehen gar zur Ermordung des Deutsch-Ägypters auf.

Abdel-Samad, der sagt, er sei „vom Islam zum Wissen konvertiert“, nahm die Drohungen ernst. Das ägyptische Innenministerium stellt ihn während seiner Aufenthalte in Kairo unter Personenschutz. Zuvor tauchten Adressen seiner Aufenthaltsorte in Kairo im Internet auf.

Auswärtiges Amt fordert Aufklärung

Mittlerweile fordert die Bundesregierung die „schnellstmögliche Aufklärung“ über das Schicksal von Abdel-Samad. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes nahm Michael Bock, der deutsche Botschafter in Kairo, dazu bereits Kontakt mit der ägyptischen Regierung auf. Ein Krisenstab soll eingeschaltet worden sein.

In Deutschland ist Hamed Abdel-Samad ein gern gesehener Talkshowgast und, seit er als Stichwortgeber für Henryk M. Broder für dessen „Deutschland-Safari“ vor der Kamera stand, landesweit bekannt. Der gebürtige Ägypter sitzt auf Einladung des Innenministers auch in der Islamkonferenz und gilt als Nahost-Experte.

Seit Aufkommen des Arabischen Frühlings erklärte Abdel-Samad in Fernsehshows die Unruhen in seiner Heimat und warum diese ein Glücksfall für die Entwicklung der Demokratie in der arabischen Welt seien. Auch nach den letzten chaotischen Unruhen um die Absetzung des demokratisch gewählten Staatspräsidenten Mohammed Mursi zeigte er sich hoffnungsvoll.

Möglicherweise ist das Chaos in seiner Heimat, das er stets zu erklären versuchte, nun ihm selbst zum Verhängnis geworden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes gibt es allerdings bislang keine Bestätigung, dass Abdel-Samad tatsächlich entführt wurde.