Handelsvolumen mit Afrika soll bis 2015 auf  50 Mrd. USD steigen

Die Türkei plant bis 2015 ihr Handelsvolumen mit afrikanischen Staaten auf 50 Milliarden US-Dollar erhöhen. Bei seiner Reise wird Erdoğan von 250 türkischen Unternehmern begleitet. Afrika stand lange Zeit nicht auf der politischen Agenda der vor zehn Jahren an die Macht gekommenen AKP. Doch der riesige, rohstoffreiche Kontinent erhält in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit seitens der türkischen Regierung.

So wurden allein in den letzten drei Jahren 19 türkische Botschaften in afrikanischen Staaten eingeweiht und die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines fliegt mittlerweile viele afrikanische Großstädte an. Die Reise ist Teil der Bestrebungen der Regierung, den wirtschaftlichen und politischen Einfluss der Türkei in Afrika zu erweitern.

Business Councils als Sprungbretter für Unternehmen

Die erste Station Erdoğans, der von Vizeministerpräsident Bekir Bozdağ und Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan begleitet wird, war am Sonntag Libreville, die Hauptstadt Gabuns. Die Türkei beabsichtige, eine rechtliche Infrastruktur für Unternehmer und Investitionsanreize zu schaffen. Mögliche Wirtschaftsabkommen zwischen Gabun und der Türkei würden von Ankara stets begrüßt werden. Der Handel zwischen beiden Ländern habe 2011 begonnen, sich von der weltweiten Rezession zu erholen: „In den ersten elf Monaten des Jahres 2012 betrug das Handelsvolumen 41 Millionen Dollar. Wenn die Daten vom Dezember veröffentlicht werden, wird man sehen, dass die Zahlen im Jahr 2012 sogar höher waren als die Zahlen von 2007, dem Jahr vor der Wirtschaftskrise.“

Erdoğan erklärte, nach seinem Besuch werde die Gründung eines Wirtschaftsrates zwischen der Türkei und Gabun erfolgen: „Wir legen Wert auf die Bildung eines (türkisch-gabunischen) Business Councils. In Afrika haben wir bereits 16 solcher Wirtschaftsräte eingerichtet.” Am Montag unterzeichneten der türkische Regierungschef und der gabunische Präsident Ondimba bereits mehrere Kooperationsabkommen. Ondimba besuchte die Türkei bereits im Juli, wo er von seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül empfangen wurde.

Ein Großteil der türkischen Afrikaexporte geht in die nordafrikanischen Staaten

Der türkische Wirtschaftsminister Çağlayan teilte in einer Pressemitteilung mit, dass die Gesamtsumme der türkischen Ausfuhren nach Afrika um 31,4 Prozent im Jahr 2012 gegenüber den Zahlen des Jahres davor gestiegen sei. 2011 seien Waren im Wert von 12,1 Mrd. Dollar nach Afrika exportiert worden. Der Marktanteil in Afrika, der auf türkische Waren und Dienstleistungen entfällt, stieg von 7,5 Prozent im Jahr 2011 auf etwa 8,7 Prozent im Jahr 2012.

Diese Zahlen beinhalten jedoch auch jene nordafrikanischen Länder, mit denen die Türkei traditionell bessere wirtschaftliche Beziehungen unterhält als mit den Ländern südlich des Maghreb. Mit Blick auf den Umfang türkischer Exporte nach Afrika von 12,1 Milliarden Dollar im Jahr 2012 müssen die nach Nordafrika exportierten Güter im Wert von knapp 8,6 Mrd. Dollar berücksichtigt werden.

Das Hotel, in dem die türkische Delegation untergebracht ist, liegt am Golf von Guinea, wo Gabun über große Ölfelder verfügt. Niger, die zweite Station auf Erdoğans Afrikareise, exportiert bereits jetzt Öl in die Türkei.

Auch mit Bildung und Diplomatie bringt sich die Türkei in Afrika ein

Der Senegal ist Erdoğans letzte Station. Das Land am Atlantik spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der politischen Machtverhältnisse in Westafrika. Der Besuch soll die Beziehungen der Türkei zu diesem einflussreichen Akteur in der Region stärken. Neben der Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen hat die Türkei im letzten Jahrzehnt sehr erfolgreich kulturelle und politische Beziehungen mit den afrikanischen Ländern entwickelt. So eröffnen beispielsweise türkische Unternehmer in vielen Ländern Schulen und Bildungseinrichtigungen.

Die Türkei kann in der Region zudem politische Erfolge vorweisen. Sie vermittelte 2005 etwa zwischen der sudanesischen Regierung und dem neu entstandenen Südsudan und auch zwischen den lange verfeindeten Staaten Äthiopien und Eritrea.