Der Innenraum einer Moschee.
Fuat Kurt, Vorsitzender des DITIB-Landesverbandes in Hessen, wurde aus seinem Amt weggemobbt. Auch der Religionsattaché im Frankfurter Generalkonsulat soll seine Finger im Spiel gehabt haben. Behalten diejenigen doch Recht, die immer wieder sagten, DITIB sei nicht unabhängig?

Der DITIB Landesverband Hessen ist eines der erfolgreichsten Projekten des DITIB, dem größten Religionsverband türkischer Muslime in Deutschland. Gegründet im März 2009 erlangte er kaum drei Jahre später das Recht auf Erteilung bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen. Somit konnte im Schuljahr 2013/14 dieser Unterricht zum ersten Mal in Deutschland starten. Damit ist Hessen das erste Bundesland, das den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht auf der Grundlage von Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes eingeführt hat. An der Spitze des Landesverbandes stand Fuat Kurt, ein Maschinenbauingenieur aus Darmstadt.

Fuat Kurt hat diese Aufgabe auf Anregung des Frankfurter Generalkonsulats der Türkei2009 übernommen. Seit dem 19. Juli 2015 aber ist er nicht mehr der Vorsitzende des Landesverbandes. Es gab eine Wahl, zu der er aber nicht antrat, sodass Salih Özkan sein Amt übernahm. Warum aber trat Fuat Kurt nicht an?

Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Nach Kurts Darstellung ist er einer Diffamierungs- und Desinformationskampagne zum Opfer gefallen. Als ’militanter Linker’ soll er vor der Wahl aus den eigenen Reihen diskreditiert worden sein. Auf die Frage, wer ihn weghaben wollte, nennt Fuat Kurt die Namen Selçuk Doğruer, Landeskoordinator bei DITIB Hessen, und Ramazan Dağlı, den Religionsattaché im Frankfurter Konsulat. Selçuk Doğruer soll gegen ihn eine Schmutzkampagne gestartet haben.

Deshalb habe er sich nicht zur Wahl gestellt. In einer Pressemitteilung, in der er zu den Vorwürfen gegen seine Person Stellung nimmt, sagt er: „Selbst wenn ich nach all den koordinierten und systematischen Verleumdungen und trotz des Drucks, der im Vorfeld von Seiten des Religionsattachés auf die wahlberechtigten Religionsbeauftragen ausgeübt worden ist, dennoch bei der Wahl Erfolg gehabt hätte, wären die Diffamierungen unvermindert weiter gegangen. Wie kann man unter solchen Voraussetzungen noch gute Arbeit leisten?“

Konsulat entscheidet über Kommen und Gehen

Wie Kurt in seiner Pressemitteilung behauptet, soll Doğruer auch Lehrkräfte diffamiert haben. Dazu Kurt: „Der DITIB-Landeskoordinator Doğruer hat allen Ernstes die Qualifikation eines Großteils der Lehrkräfte infrage gestellt, weil sie seiner Meinung nach Ungläubige und, so seine Wortwahl, einer sogar jüdischer Abstammung sei.“ Kurt nennt dies beschämend und der größten muslimischen Organisation in Deutschland nicht würdig.

Auf die Frage, worauf er diese Vorwürfe stütze, sagt Fuat Kurt, dass er diesbezügliche E-Mails von Doğruer habe. Auch der Religionsattaché Ramazan Dağlı soll über die Imame gegen die Wahl beziehungsweise gegen das erneute Antreten Fuat Kurts als Vorsitzender gearbeitet haben.

Warum er zur persona non grata wurde, weiß Fuat Kurt nicht. Er sagt aber auch, dass die Zentrale in Köln nicht mehr hinter ihm gestanden habe. Bei einer telefonischen Anfrage beim Religionsattache im Frankfurter Generalkonsulat war Ramazan Dağlı für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er soll sich im Urlaub befinden, heißt es aus dem Haus. Ein Mitarbeiter des Konsulats meinte, dass sie keine Einwirkung auf die Wahl gehabt hätten, da sie nicht bei ihnen stattgefunden hätte und sie nicht da gewesen wären. Bezüglich der Vorwürfe erwiderte er, „Wer einen Vorwurf erhebt, der sollte ihn beweisen.“

Es gibt keine kontinuierliche Ansammlung von Erfahrung

Ein Mitwirkender des DITIB-Landesverbandes Hessen, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte DTJ, dass es durchaus eine Einmischung des Religionsattachés gegeben habe. Er meinte, dass Herr Kurt diese Behandlung nicht verdient habe und führt die Schwierigkeiten auf die unterschiedlichen Systeme in Deutschland und der Türkei zurück. Er sagt: „In der Türkei gibt es ein zentralistisches System. Hier in Deutschland gibt es ein föderales System. Wenn sich Mitarbeiter der Konsulate wechseln, dann kann es sein, dass auch die Haltung sich ändert. Deshalb gibt es ja auch bei den Imamen und den Attachés keine kontinuierliche Anhäufung von Erfahrung.“ Dem Religionsattaché bescheinigt er oberlehrerhaftes Benehmen, das sich darin äußere, dass der Attache meine, alles besser zu wissen als die langjährigen Mitarbeiter des Landesverbandes und sie zu bevormunden versuche.

Auf die Frage nach einer Einmischung meint er: „Ja, diese Einmischung gibt es. Als wir die Satzung von DITIB Landesverband Hessen erarbeitet hatten, hatten wir uns eine Einmischung in diesem Ausmaß nicht vorstellen können. Das haben auch die Wissenschaftler, die mit ihrem Gutachten für DITIB diesen Weg freigemacht haben sich nicht vorstellen können.“