Hertha-Trainer Jos Luhukay

Zu Saisonbeginn gab Hertha BSC den Klassenerhalt als Devise aus, doch nach einer überragenden Hinrunde dürfen sich die Berliner nun sogar leise Hoffnungen auf eine Europapokalteilnahme in der kommenden Spielzeit machen. Der überraschende 2:1-Auswärtssieg in Dortmund noch vor der Jahreswende dürfte eine Bestätigung dafür sein, dass mit den Herthanern auch in der Rückrunde zu rechnen ist.

Doch nach den ersten beiden Bundesliga-Spielen im Jahr 2014 setzte die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay noch kein Ausrufezeichen. In Frankfurt (0:1) und zuhause gegen den 1. FC Nürnberg (1:3) hatte man bisher jeweils immer das Nachsehen und rutschte vom Europa League-Platz ins Tabellenmittelfeld ab.

Zwar sehen sich die Hauptstädter nicht zwangsläufig als einen Europapokalanwärter, möchten aber dennoch bei der nächsten Partie in Hamburg an die starken Leistungen aus der Hinrunde wieder anknüpfen. Zum richtigen Zeitpunkt meldete sich in dieser Woche nun Mittelfeldmann Tolga Ciğerci im Training zurück und schuftet an seinem Comeback, nachdem er in den beiden Begegnungen zuvor verletzungsbedingt ausfiel. Seinem holländischen Trainer zauberte er mit dem Einstieg in das Mannschaftstraining zumindest ein Lächeln ins Gesicht.

Der türkische Mittelfeldspieler, der im Sommer vom VfL Wolfsburg für ein Jahr an den Aufsteiger ausgeliehen wurde, legte nach seinem ersten Training sogar eine Extraschicht ein und übte gemeinsam mit Hany Mukhtar und Torhüter Sascha Burchert auf dem Trainingsplatz am Berliner Olympiastadion weiter. Die Wartenszeit hat für Ciğerci nun ein Ende. Mit Achillessehnenbeschwerden im Gepäck war er aus dem Wintertrainingslager in Belek in die Bundeshauptstadt zurückgekehrt und musste zunächst fast drei Wochen auf das runde Leder verzichten.

„Er hat unser Spiel in beide Richtungen gelenkt“

Umso ehrgeiziger ging er dann zum Wochenstart zu Werke und erfreute damit auch seinen Coach, der sehnsüchtig der Rückkehr des 21-Jährigen entgegenfiebert. „Wir haben Tolga in den letzten beiden Spielen sehr vermisst“, gab Luhukay zu und erhofft sich mit ihm die Kehrtwende beim HSV. Der Türke ist zwar niemand, der mit großen Kunststücken die Fans verzaubert, dafür aber ein wertvoller Teamplayer. In der Hinrunde entwickelte er sich mit seiner intelligenten und unkomplizierten Spielweise zu einer der Säulen beim derzeitigen Tabellenachten. „Er hat sich von Woche zu Woche gesteigert“, bestätigt auch sein Trainer.

Das liegt vielleicht auch etwas an der Erwartungshaltung. Ciğerci kam kurz vor Transferschluss gemeinsam mit Per Skjelbred als Baumjohann-Ersatz, nachdem dieser sich am vierten Spieltag in Wolfsburg einen Kreuzbandriss zuzog. Nicht viele hätten damit gerechnet, dass die Leihgabe der „Wölfe“ eine bedeutende Rolle bei der „alten Dame“ spielen würde.

Doch Luhukay bescheinigt ihm: „Er ist unser Denker und Lenker.“ Ciğerci beschränkt sich jedoch nicht nur darauf, im Mittelfeld die Fäden zu ziehen, er gehört auch zu den laufstärksten Akteuren in Berlin und verfügt über eine gute Antizipationsgabe. Gefahren erkennt er schon in deren Entstehung und verleiht seiner Mannschaft damit erheblich viel Sicherheit.

Luhukay stuft ihn sogar als einen vielseitigen Spieler ein, der weiß, wie das moderne Spiel funktioniert: „Er hat unser Spiel in beide Richtungen gelenkt. Von der Abwehr in den Angriff und vom Angriff in die Abwehr.“

Ciğerci trainiert fast schon schmerzfrei

Speziell im Umschaltspiel hatte die Hertha in den letzten beiden Spielen so ihre Schwierigkeiten und hofft daher mit der Rückkehr Ciğercis diese Probleme abzustellen. Ginge es nach Luhukay, steht der potenzielle Rückkehrer am Samstagabend sofort in der Startelf: „Wir arbeiten darauf hin, dass es Richtung HSV klappt.“ Grünes Licht für einen Einsatz beim Gastspiel in der Hansestadt scheint es auch von Ciğerci selbst zu geben. „Ich habe fast keine Schmerzen mehr“, sagte er nach seiner ersten gemeinsamen Einheit mit den Mannschaftskollegen.

Um diese Schmerzen abzuschwächen, wurde selbst an seinem rechten Schuh operiert, wo an der Ferse ein Stück herausgeschnitten wurde. Der Schriftzug „Insallah“ ziert diesen Schuh und bedeutet übersetzt „So Gott will“. So Gott will, hofft auch Cigerci am kommenden Wochenende in der Imtech Arena für Hertha BSC auflaufen zu können. Dann gastiert der Klub, der mit einer Geldspritze vom US-Finanzinvestor KKR in Höhe von etwa 60 Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden soll, beim Bundesliga-Dino und gleichzeitigen „Krisenkind der Liga“.

Mit einem Erfolg über den Hamburger SV könnte sich die Hertha – eine der Überraschungsmannschaften dieser Spielzeit – wieder auf leisen Sohlen an die Europa League-Plätze heranschleichen.