Hintermänner des Terrors

Wie künstlich einige „nationalistische“ Inszenierungen wirken und Teil des schrecklichen Plans sind, ist für unsere Generation offensichtlich. Diejenigen, die seinerzeit dem -Führer Öcalan Blumen überreichten, spielen heute plötzlich den nationalistischen Scharfmacher. Unsere Menschen kennen jene Zombies, die vor Jahren Jugendliche mit ihren „Leute, unser Land wird uns genommen!“-Parolen anstachelten und plötzlich verschwanden. Haben sich die, die früher auf unsere Soldaten geschossen haben, denn wirklich so gewandelt, dass sie heute die Begräbnisse gefallener Soldaten für einen Protestmarsch gegen die Regierung nutzen, weil diese den Staatsfeinden gegenüber zu milde sei oder ist dies bloß ein anderes Kampagnengesicht der Matrjoschka?

Die heutigen Jugendlichen kennen diese Matrjoschka nicht; aber meine Generation kennt sie ganz gut. Sie achteten auf ein gepflegtes Aussehen, rauchten ihre Zigarren und spielten den intellektuellen Journalisten. Aber wir kennen sie nur zu gut und erkennen sie (überall) wieder. Wir haben nicht vergessen, wie sie in Moscheehöfen Aufstände anzettelten, wie sie nachts alevitische Häuser markierten und am nächsten Morgen die ersten waren, die ihr Beileid bekundeten, wie sie jegliche Wertvorstellungen der Bevölkerung für ihre schändlichen Ziele missbrauchten, wie sie im Namen der Terrorabwehr willkürlich Zivilisten umbrachten, wie sie Jugendliche anstachelten, ganze Straßen und Viertel zu überfallen…

Wir kennen dich, du Provokateur! Wir kennen dich, du Matrjoschka! Und wir werden dich überall wiedererkennen! Es gab Zeiten, in denen du mit deinen eleganten Parolen zahlreiche Gräueltaten begangen hast. Doch diesmal wirst du dieses verlogene Spiel nicht spielen können. Denn die Menschen Anatoliens haben die schmerzvollen Erfahrungen nicht vergessen und werden alles daran setzen, dein falsches und heuchlerisches Spiel zu beenden. Weder dein Ethnizismus, noch dein Konfessionalismus werden dich weiterbringen. Die Lichter sind angegangen und du wurdest mit einem Strumpf über dem Kopf und einer Taschenlampe in der Hand mitten im Haus auf frischer Tat ertappt. Du kannst dich nicht mehr hinter unserer Flagge verstecken.

Solange die KCK existiert, wird auch die PKK fortbestehen

Kritiker der KCK-Verhaftungen bestanden bis zuletzt darauf, die KCK als den zivilen Arm der PKK darzustellen. Gegen die KCK vorzugehen komme, so der Vorwurf, einer Beraubung der demokratischen Partizipationsrechte der Kurden gleich. Doch die Realität sieht anders aus. Die KCK ist keineswegs der zivile und demokratische Arm der Organisation. Die KCK versucht nichts anderes, als einen Parallelstaat zu errichten und sieht die PKK als ihre Streitmacht an. Wenn die KCK der zivile Arm der PKK wäre, welche Funktion hat dann die BDP? Warum bedarf es bei der offenkundigen Nähe der BDP zur PKK einer weiteren Organisation?

Das schreckliche Attentat in Gaziantep, bei dem 9 Zivilisten, darunter 4 Kinder, ums Leben kamen, hat erneut verdeutlicht, welch brutale die PKK ist. Gleichzeitig hat sie uns auch vor Augen geführt, dass die KCK eine höchst kriminelle Vereinigung ist. Drahtzieher des Attentats war Murat Filiz – ein Leibwächter Murat Karayılans, der offen zugibt, die Führung über die KCK inne zu haben. Im gleichen Zuge sagt er aber auch, dass die KCK ein „Konstrukt“ sei – für einige Kolumnisten ein willkommener Grund, sich eingehender mit dieser Thematik zu befassen. Sie kritisieren vehement die KCK-Verhaftungen und machen den „Sicherheitsflügel“ des Staates dafür verantwortlich. Sie behaupten, der Staat habe einen Sicherheits- und einen Freiheitsflügel. Das klingt für mich zu weit hergeholt. Die PKK ist eine . Die KCK ebenso. Die PKK verschanzt sich in den Bergen und tötet Soldaten und Zivilisten (sogar überwiegend kurdische Bürger, die sich der PKK widersetzen); die KCK unterstützt die PKK, indem sie in den Städten Kämpfer und Anhänger rekrutiert, gezielt provoziert und versucht, Chaos herbeizuführen.

Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben. Wie haben andere Länder ihr Terrorproblem gelöst? An ihnen müssen wir uns ein Beispiel nehmen. Die Geldquellen der Organisation müssen trockengelegt, ihr Waffen- und Munitionsnachschub verhindert, der organisierte Drogenschmuggel ausgerottet werden. Diese Maßnahmen wird diese schreckliche Organisation unheilbar gelähmt werden. Parallel dazu dürfen die demokratischen Wünsche des Volkes nicht ignoriert werden. Kein Bürger darf das Gefühl haben, dass er zweitklassig behandelt wird. Der Staat musst also zweigleisig fahren: Einerseits muss er im Bereich der Sicherheit entschieden vorgehen, andererseits seinen Bürgern die Freiheiten gewähren, die ihnen rechtmäßig zustehen.

Das Attentat in Gaziantep hat die PKK endgültig entblößt. Schon die vorherigen Anschläge hatten verdeutlicht, dass sie zu einer Marionette des globalen Terrorismus geworden ist. Sie ist weder unabhängig noch hat sie einen eigenen Willen; sie hat weder ein Gewissen, noch kennt sie Erbarmen… Und sie wurde in Gaziantep auf frischer Tat ertappt. Ein Blick auf den Attentäter reicht: Was hat ein Angestellter des Öffentlichen Dienstes dort zu suchen? Der springende Punkt ist Folgender: Wäre er als PKK-Militant in den Bergen geblieben, hätte er nicht die Möglichkeit gehabt, unbemerkt in der Stadt zu leben und seine Pläne in die Tat umzusetzen. Doch als KCK-Mitglied kann er ohne Probleme als Lehrer arbeiten, sich als Gewerkschafter ausgeben oder für die Stadtwerke tätig; das kommt auch der Organisation gelegen. Ohne die bisherigen KCK-Festnahmen hätte es wohl noch mehr brutalere Anschläge gegeben. Der Anschlag von Gaziantep ist der Beweis dafür. Eines ist klar geworden: Solange die KCK existiert, wird auch die PKK fortbestehen.
Ekrem Dumanlı ist ein bekannter türkischer Journalist und Chefredakteur der Tageszeitung Zaman. Er hat die Ereignisse der 70er Jahre hautnah miterlebt, wurde während des Putsches 1980 festgenommen und ein Jahr später freigelassen. Er gilt als Experte für die jüngeren Putsche in der und hat dazu mehrere Bücher veröffentlicht (u.a. „Üç Mesele: İktidar Medya “ – „Drei Themen: Herrschaft Medien “).