In den Medien sind mittlerweile Netzwerke erkennbar, die es erlauben, mit hoher Präzision das Zusammenspiel einer Handvoll von Aktivisten zu identifizieren, die sich bei ihrer Kritik an der Hizmet-Bewegung in Deutschland auf einige wenige „Kronzeugen“ berufen – und fast immer sind es die gleichen. Der bekannteste von ihnen dürfte Friedmann Eißler sein, wissenschaftlicher Referent an der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin. Kaum jemand kennt den promovierten Theologen, der sich als Islamexperte bezeichnet und sich seit einigen Jahren speziell mit der Hizmet-Bewegung befasst.

Bei Veranstaltungen oder in den Dialogkreisen der Bewegung ist Eißler bislang genauso wenig in Erscheinung getreten wie in Schulen oder an anderer Stelle, an denen sich die Chance bieten würde, aus erster Hand Näheres über den Kreis der Anhänger Gülens in Erfahrung zu bringen. Dafür taucht Eißler in beinahe jedem kritischen Zeitungsartikel und als Interviewpartner in Hörfunksendungen der ARD über die Hizmet-Bewegung auf.

Hessischer Rundfunk: Journalismus nach „Klassenauftrag“

Mancher freie Journalist hat übrigens die Gülen-Thematik als sichere Einnahmequelle entdeckt. Kritische Beiträge über die Bewegung, angebliche oder tatsächliche Vorkommnisse an Schulen, die als Beleg für die vermeintliche „Unterwanderung“ der deutschen Gesellschaft dienen, verkaufen sich immer. Dabei tut sich besonders der Hessische Rundfunk hervor. Im Gegensatz zu anderen ARD-Anstalten, die auf Einwände von dritter Seite über kritikwürdige Sendungen immerhin freundlich reagieren, halten es der Intendant und Chefredakteur der Anstalt in der Frankfurter Bertramstraße nicht einmal für nötig, auf Kritik von außen zu reagieren. Diese Arroganz passt nicht zur sonst so gerne zur Schau gestellten Pseudo-Bereitschaft, das Publikum „ernst zu nehmen“ und genauso wenig zum öffentlich-rechtlichen Auftrag, den Job fair und „hörernah“ auszuüben. Wo bleibt der Rundfunkrat des HR?

Eißler zieht mit „konstanter Bosheit“, wie mein alter Deutschlehrer es formuliert hätte, durch die Lande und verbreitet schlichtweg Unzutreffendes. Gülen hat nie seine Aufgabe als Prediger aufgegeben, er hat auch keine Bewegung aufgebaut, sondern einer existierenden Grassroots-Bewegung Richtung und Orientierung verliehen. Entgegen Eißlers Behauptung floh Gülen auch nicht in die USA, sondern blieb dort nach einer medizinischen Behandlung. Der gegen ihn in der Heimat angestrebte Prozess endete mit einem Freispruch. Ein sehr bekannter amerikanischer Bürgerrechtsanwalt studierte die Prozessunterlagen und schrieb ein Buch, das Eißler zur Kenntnis nehmen sollte.

Eißler, so ein weiterer gravierender Einwand, ist mit sprachlichen Unterschieden zwischen der türkischen und arabischen Sprache nicht hinreichend vertraut, dadurch unterlaufen ihm erhebliche Interpretationsfehler. „Dava“ z.B ist im Arabischen ein Begriff für „Einladung“, im Türkischen ist es das „Ziel“ – ein erheblicher Unterschied! Eißler meint offenkundig „davet“, wenn er den Begriff verwendet. Völlig auf dem Irrweg befindet sich Eißler zudem mit seinen Angriffen auf die sogenannten „Lichthäuser“, die er als Kern des Gülen-Netzwerkes bezeichnet. Mehrere TV-Sender stellten somit diese „geheimnisvollen“ Objekte in den Mittelpunkt von Beiträgen und versuchten, sogenannte „Abtrünnige“ zu Aussagen zu bewegen. Die Beweisführung ist nie gelungen, weil es sich in Wirklichkeit um Wohngemeinschaften handelt, in den Gleichgesinnte zusammenleben – wie auch in einem evangelischen oder katholischen Studentenheim. Weil man in die Hizmet-Bewegung nicht „eintreten“ kann – den Mehrheitsdeutschen ist eine Bewegung ohne hohen Organisationsgrad nur schwer zu vermitteln –, kann man aus ihr auch nicht „austreten“. Man kann nur seine Beziehung zu Akteuren abbrechen, mit denen man zuvor zu tun hatte.

Fehlende Ahnung durch ein Mehr an Meinung kompensiert

Gravierende Unkenntnis ist Eißler im Bildungsbereich zu bescheinigen, wo er die Hizmet-Bewegung dabei sieht, eine türkischstämmige Elite heranzubilden. In den Schulen, die von Aktivisten betrieben werden, die der Bewegung nahestehen, wird allerdings nach den Lehrplänen des jeweiligen Bundeslandes unterrichtet. Es gibt keine Gebetsräume, Türkisch ist zweite Sprache wie Englisch, mitunter sogar nur Arbeitsgemeinschaft. Und der Anteil der Kinder, die nicht türkischer Abstammung sind, steigt. Warum hält Eißler es nicht für nötig, sich einmal solche Schulen anzuschauen, und mit den Schulträgern, Direktoren, Lehrern, Kindern  und ihren Eltern zu sprechen?

Niemand wird auf die Idee kommen, Eißler einen „Maulkorb“ verhängen zu wollen. Aber die Gefahr ist groß, dass er als „Sprecher“ einer der beiden großen Kirchen des Landes angesehen wird und seine Ansichten und Vorurteile auf ein besonderes Interesse stoßen, weil er das ausspricht, woran manche Leute einfach glauben wollen. Zumindest sollte Eißler nicht länger einen echten Dialog mit der Hizmet-Bewegung verweigern, den diese ihm seit geraumer Zeit anbietet. Es sei denn, er will sich die mühsam zusammengezimmerten Vorurteile nicht durch eine ehrliche Recherche verderben lassen.