In der Türkei ist die Anzahl der Morde im Jahr 2015 gestiegen. Im Durchschnitt werden im Land jeden Tag vier Menschen getötet.

Einem Bericht der Zeitung Hürriyet zufolge stieg die Anzahl um zwei Prozent auf 1542 Mord- und Totschlagsfälle im Jahr 2015. Darunter befanden sich 193  Kinder und 369 Frauen. 267 der Frauen wurden bei innerfamiliären Auseinandersetzungen getötet. Die Täter waren überwiegend nahe Familienangehörige wie Vater, Ehemann, Sohn oder Bruder.

Als Gründe für die Tötungsfälle rangierten Auseinandersetzungen um Geld und Raub an erster Stelle. An zweiter Stelle kamen Eifersucht und Morde, für die verletzte Ehre vorgeschoben wird. Weitere Gründe waren innerfamiliäre Gewalt, Feindschaft, Neid, sexuelle Belästigungen, plötzliche Wutexplosionen, Verkehrsstreitigkeiten, Glücksspiele, Alkohol und Streitigkeiten wegen Grundstücks- und Erbverteilungen.

Als Mordinstrumente dienten in 67 Prozent der Fälle Pistolen und Gewehre. Auf die folgten Gegenstände wie Messer oder Schraubenzieher.

Die Mordfälle stiegen nicht überall gleich. Während besonders in Gebieten mit großer Bevölkerungsdichte und starker unkontrollierter Zuwanderung die Tötungsfälle stiegen, sanken sie in Gebieten mit kleineren Ortschaften und wenig Zuwanderung. Die Aufklärungsquote liegt in der Türkei bei 94 Prozent. Lediglich 6 Prozent der Tötungsfälle bleiben unaufgeklärt.

Zum Vergleich: Für Deutschland liegen für das Jahr 2015 noch keine offiziellen Statistiken vor, aber 2014 gab es laut dem Statistischem Bundesamt insgesamt 591 Fälle von Mord- und Totschlag. 156 davon waren Mord-, 435 Totschlagsfälle, wobei Totschlag juristisch als Tötung ohne Absicht definiert wird. Berechnet man ein, dass die Bevölkerungszahl der Türkei etwas geringer ist als die Deutschlands, ergibt sich pro Kopf eine fast drei mal so hohe Anzahl von Tötungsdelikten in der Türkei.

Eine gesellschaftliche Debatte über das Thema Gewalt und speziell Sexualdelikte mit Todesfolge gegen Frauen entzündete sich Anfang 2015 aufgrund des Falls von Özgecan Aslan. Die 20-jährige Psychologie-Studentin wurde in der Provinz Mersin von einem Dolmuş-Fahrer brutal getötet. Vor allem, dass der Vater des Täters sich bei der versuchten Vertuschung des Mordes der Komplizenschaft schuldig machte, löste eine Diskussion über gesellschaftliche Moralvorstellungen aus.