Knapp ein Jahr nach dem jüngsten Gaza-Krieg mit über 2.100 Toten will die Hälfte der rund 1,8 Millionen Einwohner den Gazastreifen verlassen. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die das Palästinensische Zentrum für Politik- und Meinungsforschung am Dienstag veröffentlichte. 50 Prozent der befragten Palästinenser sagten, sie suchten nach einer Möglichkeit, um in andere Länder auszuwandern.

Der schmale Küstenstreifen ist praktisch abgeriegelt. Die Grenzen werden von Israelis und Ägypten kontrolliert. Ohne die Erlaubnis der beiden Staaten können keine Waren in den Gazastreifen eingeführt oder von dort ausgeführt werden.

In einer weiteren Studie kam man zu dem Ergebnis, dass eine Friedensregelung in Nahost Israelis und Palästinensern Milliardengewinne bringen würde. Eine Zwei-Staaten-Lösung würde der israelischen Wirtschaft binnen eines Jahrzehnts Gewinne von mehr als 120 Milliarden Dollar (knapp 108 Milliarden Euro) bescheren, hieß es in der am Montag veröffentlichten Studie der US-Denkfabrik Rand Corporation. Den Palästinensern würde eine Normalisierung im selben Zeitraum 50 Milliarden Dollar (knapp 45 Milliarden Euro) bringen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte während des Wahlkampfs im März der Idee eines unabhängigen Palästinenserstaats eine Absage erteilt. Seit seinem Wahlsieg beteuert er jedoch immer wieder, er sei weiterhin an einer Zwei-Staaten-Lösung interessiert. Diese scheint vor allem wegen des massiven Siedlungsbaus in den besetzten Gebieten in weite Ferne gerückt zu sein. Ein zusammenhängender überlebensfähiger Staat wäre ohne die Aufgabe der israelischen Siedlungen unmöglich.

Israels Verteidigungsminister Moshe Yaalon glaubt nicht an einen Friedensvertrag mit den Palästinensern. „Ich sehe keine stabile Abmachung in meiner Lebenszeit. Und ich habe vor, ein bisschen länger zu leben“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters das israelische Kabinettsmitglied. (dtj/dpa)