iflc 2016 in Düsseldorf

Jamala heißt die Siegerin des Eurovision Song Contest. Mit ihrer zum Nachdenken anregenden Hymne über die Krimtataren holte sie sich den ersten Platz beim diesjährigen Finale des ESC in Stockholm. Am Samstag trat sie im Düsseldorfer ISS Dome vor knapp 10.000 Zuschauern auf. „It’s a big honor to be on this stage, for such amazing, extremely talented children! I think that creating the future, we should remember about our routes, where we came from and if you respect and venerate your culture, your language, your history, you learn how to respect other culture!”, waren Jamalas Worte nach ihrem atemberaubenden Auftritt.

Dennoch, an diesem Abend war nicht Jamala die Hauptakteurin, sondern Kinder und Jugendliche aus knapp 40 Ländern. Über 600 waren es an der Zahl und jedes einzelne von ihnen war ein Star, der das aus ganz Europa angereiste Saalpublikum mit auf die Reise nahm. Eine knapp dreistündige Reise, in der traditionelle Klänge mit modernen verschmolzen und Folklore-Darbietungen aus Europa, Asien, Afrika und Amerika in einer harmonischen Mischung auf der riesengroßen Bühne vorgetragen wurden. Sie alle traten im Rahmen des „14. Internationalen Sprach-und Kulturfestivals (iflc)“ auf.

Das Event fand dieses Jahr bereits zum dritten Mal in Folge in Nordrhein-Westfalen statt. Die größte Veranstaltung der Hizmet-Bewegung, welche seit 2013 in ihrem Urpsrungsland politisch verfolgt wird, wurde praktisch aus der Türkei verbannt. Bis 2013 nahmen selbst hohe Politiker von Regierungs- und Oppositionsparteien an der Veranstaltung teil – inklusive des damaligen Premierministers Recep Tayyip Erdoğan, der bei seiner letzten Teilnahme im Istanbuler Atatürk Olympiastadion eine Rede vor knapp 100.000 Menschen hielt und dabei den Prediger Fethullah Gülen, um dessen Aktivitäten und Ideen die Bewegung entstanden ist, wieder zurück in die “Heimat” einlud. Gülen lehnte damals freundlich ab, wohl ahnend, was auf seine Unterstützer in der Türkei zukommt – während der zeitgleich stattfindenden Gezi-Proteste hatten sich bereits erste Risse zwischen ihm und der AKP-Regierung gezeigt. 

Nach der Verbannung aus der Türkei hat sich das Programm des iflc sowohl inhaltlich als auch organisatorisch internationalisiert. Nach Auffassung von Uğur Ünal von Academy e.V. – einer der beiden Veranstalter – haben die Kinder der Welt in Deutschland einen neuen Gastgeber gefunden. Der andere Veranstalter ist der „Verband engagierte Zivilgesellschaft NRW“.  Nicht nur, dass in diesem Jahr das nordrhein-westfälische Ministerium für Arbeit und Integration die Schirmherrschaft übernahm, Delegationen teilnehmen Kinder und Jugendliochen wurden von mehr als 10 Kommunen in NRW sowie Parlamentsabgeordneten offiziell empfangen und willkommen geheißen. Die iflc-Veranstaltung in Washington D.C erhielt Grußbotschaften selbst von US-Präsident Barack Obama UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

“The iflc is a miracle”

Das Programm der Bühnenshow war gut gefüllt, ein Höhepunkt reihte sich an den anderen. Dabei trugen die Kinder bunte, traditionelle Trachten aus den unterschiedlichsten Kulturregionen und ebenso vielfältig waren die Lieder und Gesänge. Ohnehin war das Motto des diesjährigen iflc „Farben dieser Welt“. Diese Vielfalt zeigte sich sowohl in den Aufführungen von Gruppen als auch bei Auftritten einzelner Talente und brachte Momente hervor, die den Ansatz der Völkerverständigung, der dem iflc zugrunde liegt, verdeutlichen. Einer dieser Momente war der Auftritt des russischen Jungtalents Maria. Nachdem sie die Zuschauer mit einem Lied in ihrer Muttersprache begeisterte sprach ein ukrainischer Politiker, der ihre Performance und den Ansatz der Verständigung in höchsten Tönen lobte. The iflc is a miracle“, ließ er verlautbaren. 

Einer der vielen treuen iflc-Besucher der Veranstaltung ist Oberst Reinhold Janke von der Bundeswehr. Dieses Jahr war er zum dritten Mal dabei. In das von Moderator Marco Ströhlein gehaltene Mikrofon sagte er: „Wenn auf der Welt so viel Harmonie wie hier wäre, dann bräuchte es meinen Beruf gar nicht!” Daraufhin tobt der Saal vor Pfiffen und Applaus. Offensichtlich erfreut es die Zuschauer, von denen viele die Bildungs- und Dialogarbeit der Hizmet-Bewegung tatkräftig unterstützen, dass ihre Intention, dem Weltfrieden einen Dienst zu erweisen, gewürdigt wird. Ein weiterer hoher Gast war der stellvertretende pakistanische Parlamentspräsident Murteza Javad Abbasi.

Die beiden Moderatoren Marco Ströhlein und Katja Burkard versuchten ihre Begeisterung auf der Bühne gar nicht erst zu verbergen. Katja Burkard tanzte neben der Bühne mit den Kindern, die harmonische Stimmung unter ihnen begeisterte sie: „Ich hab heute schon mehrfach Tränchen bekommen.“   

Und was hatte nun Jamala mit der Veranstaltung zu tun? Jamala, die sich mit ihrem Lied beim Eurovision Song Contest für den Frieden einsetzen wollte, ist eine der Unterstützerinnen des internationalen Events, bei dem es um Frieden, Toleranz und freundschaftliches Zusammenleben geht. Den Kindern und den Veranstaltern ist es gelungen, dem Publikum diese Botschaft zu vermitteln. Einer der Besucher war der stellvertretende Bürgermeister von Leverkusen, der im Vorfeld eine Delegation der „Kinder der Welt“ empfangen hat. Auf seiner Facebook-Seite lässt er seine Follower wissen: „Das war eine tolle Veranstaltung. Junge Menschen aus aller Welt präsentierten Können, Freundschaft, Herzlichkeit, Lebensfreude in mitreißenden Darbietungen. Kultur eben. So sieht friedliches Miteinander aus. Ihr Großen der Welt: Nehmt euch ein Beispiel.“