Symbolfoto: An- und abreisende Gastarbeiter in der alten Bundesrepublik

DTJ berichtete bereits in einem Artikel aus dem Jahre 2013 über den zunehmend schweren Stand der türkischen Sprache in Deutschland. Sechs Jahre später dürfte das Interesse am Erlernen von Türkisch unter hiesigen Deutschtürken nicht besonders zugenommen haben.

Eher Deutsch in Migrantenhaushalten

Bei der Betrachtung aller Haushalte mit Migrationsgeschichte ergibt sich ein ähnliches Bild. Dabei gehen aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes neue Daten hervor. So spricht man im Großteil der Mehrpersonenhaushalte (63 Prozent), in denen mindestens ein Mensch einen Migrationshintergrund hat, überwiegend Deutsch. In sieben Prozent der Haushalte war Türkisch die überwiegend gesprochene Sprache. Russisch folgt mit 5 Prozent und Polnisch sowie Arabisch mit jeweils drei Prozent.

Welche Sprache die Haushaltsmitglieder hauptsächlich sprechen, hängt laut dem Bundesamt vor allem davon ab, wie viele Menschen mit ausländischen Wurzeln in dem Haushalt leben. Lebt im Haushalt nur ein Mitglied mit ausländischen Wurzeln, ist die meistgesprochene Sprache in 95 Prozent der Fälle Deutsch. Aber in Haushalten, in denen ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund leben, wird nur noch in 44 Prozent der Fälle überwiegend Deutsch gesprochen.

Generationenunterschiede bei Türken

Einzelne Deutsche Politiker kritisierten in der Vergangenheit oft türkische Haushalte. Begriffe wie Integrationsverweigerer machten dabei häufig die Runde. Die Situation ist jedoch differenzierter zu betrachten. Ob in Haushalten mit türkischen Einflüssen eher Deutsch oder Türkisch gesprochen wird, ist im Wesentlichen eine Generationenfrage. Die hier geborenen wuchsen bilingual auf. Gleiches gilt für Deutschlandtürken, die einst als Kinder von Gastarbeitern einwanderten, aber ihre Kindheit größtenteils hier verbrachten. Die erste Einwanderergeneration weist deutlich bescheidenere Deutschkenntnisse auf.

Aufschlüsse hierzu gibt eine vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge herausgegebene Untersuchung. So gab in ihr über 96 Prozent der Befragten aus der zweiten Generation an, gut oder sehr gut Deutsch zu sprechen. Bei der ersten Generation traf dies hingegen nur auf jeden Zweiten zu. Wenig überraschend zeigte die Untersuchung ebenfalls, dass die Deutschkenntnisse in der Regel mit zunehmender Aufenthaltsdauer steigen. Jedoch werden wohl viele Leser auch 60 Jahre nach Inkrafttreten des Anwerbeabkommens noch Menschen kennen, die trotz langer Aufenthaltsdauer eher wenig Deutsch sprechen.

Damit ein Bürger einen Migrationshintergrund hat, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Entweder muss er selbst oder aber mindestens ein Elternteil bei der Geburt eine ausländische Staatsangehörigkeit bessesen haben. Das Statistische Bundesamt gab die Zahlen anlässlich des Tags der deutschen Sprache bekannt.

dpa/dtj