Es vergeht kein Tag, an dem wir keinen Bericht über Flüchtlinge lesen. In der Masse sind mir zwei Aussagen zweier Politikerinnen besonders nahe gegangen.

Einmal die Forderung Julia Klöckners (CDU), die Integrationspflicht einzuführen, und die Aussage von Hannelore Kraft (SPD), die sagte, dass die Flüchtlinge doch bitte unsere Werte anerkennen mögen.

Liebe Frau Klöckner, sie hacken in letzter Zeit so auf den Flüchtlingen herum und sprechen von einer Integrationspflicht. Dann sollten sie aber wissen, dass wir Neo-Nazis haben, die in den Städten patrouillieren und nach „Ausländern“ Ausschau halten.

Wie wäre es denn, wenn Sie bei solchen Pappenheimern vorbeischauen und dort mit der Integrationspflicht anfangen?! Wenn Sie das schaffen, dann bin ich mir auch sicher, dass der Imam über seinen Schatten springt und Ihnen die Hand geben wird.

Oder fangen wir bei Necla Kelek mit der Integrationspflicht an!

Frau Kelek kapiert einfach nicht, dass in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft Vielfältigkeit herrscht. Demnach müssen nicht alle Werte miteinander übereinstimmen. Die Orientierung ist in diesem Zusammenhang die Verfassung.

Wenn die Verfassung besagt, dass es Religionsfreiheit gibt, dann sind alle Religionen im Sinne der Verfassung gemeint. Der Gesetzgeber hat sich hierbei schon etwas gedacht. Folglich hat nicht jeder die gleiche Religion und Kultur.

Somit sind auch die Flüchtlinge unterschiedlich. Man kann nicht fordern, dass sie sich von heute auf morgen ändern sollen. Man sollte ihnen die Zeit geben, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden.

Daher Frau Kelek, nicht die Flüchtlinge müssen sich ändern, sondern Sie müssen ihre Kompetenzen überdenken, denn zwischen dem, was Sie in Ihrer Dissertation geschrieben haben und dem was Sie jetzt von sich geben, sind Berge.

Hannelore Kraft: „Die Flüchtlinge müssen unsere Werte anerkennen“

Zu guter Letzt muss ich noch meinen Senf zu Frau Kraft abgeben. In einem Bericht in der WAZ lese ich, dass Hannelore Kraft unsere Werte mit aller Härte bei Gewaltbereiten Flüchtlingen durchsetzen möchte. Da frage ich mich, wie viel Härte müssen diese Menschen noch durchmachen?

Dahin kommen wir noch, dass sie unsere Werte schnell lernen. Aber bis dahin müssen die Flüchtlinge sich von den Traumata aus ihrer Heimat erholen. Von daher darf die Stimmung der Willkommenskultur nicht durch solche Aussagen der Politiker kippen. Durch solche Aussagen wird der Prozess der Akklimatisierung extrem verlangsamt. Unser Land hat die Integration bei den so genannten „Gastarbeitern“ schon vermasselt. Aus diesen Fehlern sollten wir doch inzwischen gelernt haben. Also, packen wir es an! (Foto: dpa)