Der Chefökonom der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu in Doha, dass die Nuklearenergie für ein Land wie die Türkei unverzichtbar sei, da der Energiebedarf dort stärker wachse als in jedem anderen europäischen Land.

„Nuklearenergie ist eine der wenigen CO2-freien Energieformen überhaupt und mit Blick auf die regionale und globale Bedeutung des Landes ist sie eine unverzichtbare Option“, so Birol. „Sie ist ein Muss für die Türkei.“

Derzeit ist die Türkei, um im eigenen Land in ausreichender Weise mit Energie versorgt zu sein, in hohem Maße von teuren Erdgasimporten aus der Russischen Föderation und dem Iran abhängig. Um ihr Energieportfolio zu diversifizieren und ihre Abhängigkeit zu verringern, setzt Ankara vermehrt auf den Ausbau erneuerbarer Energien und plant zudem auch den Bau mindestens dreier Atomkraftwerke.

Birol unterstrich auch die Wichtigkeit erneuerbarer Energien, die zusätzlich zum Atomstrom forciert werden müssten, um dauerhaft den eigenen Bedarf decken zu können. „Die Türkei erlebt den größten Zuwachs hinsichtlich des Energiebedarfes unter allen europäischen Ländern“, so der Ökonom, „deshalb müssen wir nicht nur erneuerbare Energien, sondern auch Atomenergie fördern. Wir müssen sie alle verwenden und die jeweiligen Kosten für die Volkswirtschaft berücksichtigen.“

Spatenstiche für erste Atomkraft-Projekte 2016 und 2017

Auf Grund der zunehmenden Industrialisierung, des Bevölkerungszuwachses und der generell massiv wachsenden Wirtschaft steige der türkische Energiebedarf von Tag zu Tag. Der Energiesektor hat bislang massiv in neue Anlagen investiert. So habe man die installierten Kapazitäten seit 2001 verdoppelt. Alleine im Jahr 2014 habe das Land insgesamt 255 Milliarden Kilowattstunden an Elektrizität verbraucht, die installierte Kapazität lag bei mehr als 70 000 Megawatt.

Im Jahre 2016 soll nun mit dem Bau des ersten türkischen Atomkraftwerkes, Akkuyu NPP, an der Mittelmeerküste des Landes begonnen werden. Russlands staatlicher Energieversorger Rosatom will das 22 Mrd. US-Dollar teure Kraftwerk, das eine Lebensdauer von 60 Jahren haben soll, finanzieren, bauen und betreiben.

Für das zweite geplante Atomprojekt in der Nordtürkei will man mit Japan und Frankreich zusammenarbeiten. 2017 soll eine weitere, aus vier Reaktoren bestehende Anlage errichtet werden und später jährlich 40 Mrd. Kilowattstunden an Elektrizität produzieren.