Öcalan möchte Machtzuwachs Barzanis verhindern

Als die Spannungen auf der syrischen Seite der Grenze eskalierten, wurde Ahmet Gündüz (16) aus Ceylanpınar, einer Stadt in der Provinz Şanlıurfa, durch verirrte Kugeln in den Kopf getroffen und starb am Dienstag, dem 16. Juli, im Krankenhaus der Hacettepe Universität Ankara. Die Anzahl der jüngsten Todesfälle dieser Art erhöhte sich auf zwei und illustrieren, wie sehr das Sicherheitsbedürfnis des Landes gestiegen ist.

Auch am vergangenen Mittwoch wurde Ceylanpınar durch drei Mörsergranaten angegriffen, welche von der syrischen Seite der Grenze aus abgefeuert worden waren. Dieser Vorfall war der jüngste von vielen anderen, im Zuge derer türkisches Territorium in den vergangenen Wochen mit Kugeln und Granaten angegriffen worden war – nachdem Al-Qaida nahe stehende, radikale Gruppen anfingen, eine neue Offensive zur Rückeroberung der Grenzstadt Ras Al-Ain in Syrien zu starten.

Kolumnisten diskutierten nun über die Internationale Kurdische Konferenz, welche in Arbil stattfinden und als eine sehr wichtige Konferenz mit Blick auf den Friedensprozess mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die türkische Außenpolitik angesehen wird. Zudem kann sie ebenfalls Einfluss auf die Sicherheitssituation des Landes haben.

Adem Yavuz von der Zeitung „Bugün“ erklärte, dass die Internationale Kurdische Konferenz erstmals im Jahre 1967 von der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) im Irak organisiert wurde. Er schrieb, dass beide, sowohl Masud Barzani, der Führer der Kurdischen Regionalregierung (KRG), als auch die PKK mit unterschiedlichen Zielen an der Konferenz teilnehmen und dass deren Führer Abdullah Öcalan sich von der Tatsache gestört fühle, dass Barzani als der Vertreter der Kurden angesehen wird. Er möchte nicht, dass Barzani noch mächtiger wird. Die PKK betrachte die Konferenz als eine Gelegenheit, legitim, gesetzlich und leistungsfähiger zu werden.

Interventions- oder Umarmungsstrategie?

Ferhat Arslan zufolge bestehe die Möglichkeit, dass die Türkei mit einer komplizierten Situation konfrontiert werden könnte und die PKK sich auch nach der Konferenz nicht wie erwartet entwaffnen lassen werde.

Milliyet-Kolumnist Sami Kohen vertritt die Auffassung, dass die Türkei eher langfristige Strategien in der Außenpolitik setzen solle. Er glaubt, dass das, was die Regierung stört und beschäftigt, weniger die Sicherheitsbedenken an der Grenze oder die Möglichkeit des Verlustes von Territorien seien – sondern die Möglichkeit, dass die Partei der Demokratischen Union (PYD) ihre Autonomie erklärt. Gemäß Kohen hätte die Türkei einige Optionen, um die PYD davon abzuhalten, eine autonome Region zu erlangen. Die eine wäre eine militärische Intervention, die andere eine Unterstützung der Führung der PYD mithilfe der Freien Syrischen Armee (FSA) und der Al-Nusra Front.