U.S. President Barack Obama (R) meets with Russia's President Vladimir Putin in Los Cabos, Mexico, in this June 18, 2012 file photo.

Das US-Verteidigungsministerium versucht offenbar seit Jahren, anhand der Körpersprache von Staats- und Regierungschefs zu erkennen, was diese im Schilde führen könnten. Nach Angaben von Ministeriumssprecher John Kirby gibt das Pentagon seit 2009 jedes Jahr 300 000 Dollar für Verhaltensanalysen ausländischer Spitzenpolitiker aus. „Es ist ein Forschungsprogramm, das die Bewegungen und die Körpersprache verschiedener Akteure der Weltpolitik untersucht, um besser zu verstehen, wie sie ihre Entscheidungen treffen“, wird Kirby von Spiegel Online zitiert.

Das Office of Net Assessments sein, eine Art pentagoninterne Ideenschmiede, soll für die Durchführung des Programms verantwortlich sein. Kirby betonte, dass das „Profiling“ keineswegs dazu diene, konkrete politische oder militärische Entscheidungen vorzubereiten.

Besonders, um aus dem Präsidenten der Russischen Föderation, Vladimir Putin sowie Ministerpräsident Dmitri Medwedew, schlau zu werden, scheint es umfangreiche Bemühungen dieser Analyseprogramme zu geben.

„Tarnen und Täuschen“ auch bei der Körpersprache?

Brenda Conners, die leitende Analystin vom Naval War College in Rhode Island, hatte den als schwer durchschaubar geltenden Putin  zuletzt 2004 analysiert und ihn dort „Mann, der sich scheut, voranzugehen“, charakterisiert. Seine Körpersprache sei ein Hinweis darauf, dass Putin „risikoscheu“ sei und „extrem empfindlich auf Kritik“ reagiere. Ob diese Einschätzung infolge des zielstrebigen Vorgehens Putins im Zusammenhang mit der Sezession der Krim mittlerweile relativiert wurde, ist bis dato unklar.

Möglicherweise müssen die Analysten bei ihren Einschätzungen im Falle Putins auch einkalkulieren, dass dieser als langjähriger Geheimdienstmann selbst bestens über die Tücken der Körpersprache und ihrer Analyse im Bilde ist und bewusst versuchen könnte, seine Beobachter in die Irre zu führen.

Aber auch andere Staatenlenker wecken das Interesse des Office of Net Assessments. So wird beispielsweise der letzte Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oval Office in die Breite wie in die Tiefe analysiert, um einen Rückschluss auf den Stand des deutsch-amerikanischen Verhältnisses auf Regierungschefebene zu gewinnen.

Jede Geste, jede Berührung des Arms oder des Rückens im Sitzungssaal wie beim zwanglosen Treffen im Gemüsegarten wird ebenso gedeutet wie die Gestaltung des Ambientes.

Eklat zwischen Israel und der Türkei

Besonders begnadete Taktiker sollen es verstanden haben, sogar in ihrer Körpersprache zu lügen – und damit Weltgeschichte zu schreiben. So wie Napoleon, der am Vorabend der Schlacht von Austerlitz die siegesgewissen Russen zum fatalen Angriff verleiten wollte. Bei seiner Begegnung mit einem Adjutanten des Zaren stellte sich der französische Kaiser absichtlich in den Straßengraben, damit der stolze Gesandte auf ihn herabblicken konnte und den Eindruck gewinnen musste, dem Franzosen überlegen zu sein. 2010 kam es zu einem Eklat, als israelische Beamte dem türkischen Botschafter ein niedrigeres Sofa angeboten hatten.

Bisweilen entpuppt sich diese Form der Fernanalyse, vor allem wenn sich Klatschspaltenreporter daran versuchen, auch als Kaffeesudleserei. So hatte eine niederländische Zeitung aus Begegnungen auf den Stufen des Élysée eine Fotoserie kompiliert hat, die den Eindruck erwecken sollte, dem französischen Präsidenten François Hollande wolle mehr die Hand reichen. Tatsächlich kam es in jedem der genannten Fälle jedoch zum Händedruck – nur eben ein Blitzlicht später.