Entführungen, Folter und Exekution

Heute ist der „Internationale Tag der Verschwundenen“. Dieser Tag, der jährlich am 30. August begangen wird, soll an die Schicksale von plötzlich Verschwundenen Menschen erinnern. Auch in der Türkei sind solche Fälle bekannt. Die Familien der Vermissten wissen meist nicht, was mit ihnen geschehen ist. 

So beispielsweise auch Turgay Karaman. Der Schulleiter einer Gülen-Nahen Schule in Malaysia soll vor wenigen Monaten plötzlich verschwunden sein. Die verzweifelte Ehefrau Karamans bat bei den zuständigen Behörden vergeblich um Hilfe. Doch erst einige Tage später tauchte ein Video auf, in dem Karaman von nicht identifizierten Männern in Zivil auf einem Parkplatz in Kuala Lumpur umringt und dann in einem nicht gekennzeichneten Fahrzeug abtransportiert wird. Später stellt sich heraus, dass die staatlichen Behörden von Malaysia hinter den vermeintlichen Entführungen stecken. Karaman und zwei weitere türkische Männer sollten an die Türkei ausgeliefert werden. Die drei Männer sollen der Gülen-Bewegung nahestehen. 

Entführungen auch in der Türkei

Ähnliche Fälle gibt es auch aus der Türkei. Einige der Entführten Personen tauchten später bei der Polizei auf. Was steckt aber hinter diesen Entführungen?

Darüber will Human Rights Watch (HRW) nun Aufklärung. Der HRW fordert von der Türkei die Untersuchung von Entführungen, bei denen nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation womöglich Behörden die Betroffenen haben verschwinden lassen. Seit März seien mindestens vier ehemalige Staatsbedienstete in der Hauptstadt Ankara verschleppt worden, teilte HRW am Donnerstag in London mit. Einer davon – ein früherer Lehrer – sei 42 Tage nach seinem Verschwinden in Polizeigewahrsam aufgetaucht. Gegen ihn sei wegen Terrorverdachts Untersuchungshaft verhängt worden. Von drei weiteren Entführten fehle jede Spur.

Waren Sicherheitskräfte an Entführungen beteiligt?

Die Ähnlichkeiten der Entführungen und die Tatsache, dass einer der Männer anschließend in Polizeigewahrsam gefunden wurde, gäben Anlass zu der Vermutung, dass Sicherheitskräfte beteiligt gewesen seien, teilte HRW mit. Ein Zeuge habe gesagt, dass Männer, die sich als Polizisten ausgegeben hätten, den früheren Lehrer aus einem Taxi heraus- und in einen Transporter gezwungen hätten. Der Betroffene habe in seiner Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft angegeben, dass er nach seiner Entführung an einem geheimen Ort festgehalten und gefoltert worden sei. Erst danach sei er zu einer Polizeiwache gebracht worden, wo er einen Anwalt habe sprechen können.

Die Menschenrechtsorganisation teilte mit, auch bei mindestens zwei der drei weiteren Fälle gebe es Zeugenaussagen und Aufnahmen von Überwachungskameras, wonach die Betroffenen in Transporter gezwungen worden seien. Zusätzlich zu den vier Entführten fehle seit März von einem fünften Mann in Ankara jede Spur. Er sei zuletzt von einer Überwachungskamera an einer Metro-Station aufgezeichnet worden, nachdem er seine Familie zum Busbahnhof gebracht habe. 

 

 

[paypal_donation_button]