Der Patriarch der chaldäischen Katholiken im Irak hat die Muslime zum gemeinsamen Fasten eingeladen. Die Beteiligung an der christlichen Fastenzeit solle dazu beitragen, „schnellstmöglich das Geschenk des Friedens, der Stabilität und eines würdevollen Lebens in unserem Land und im gesamten Nahen Osten“ zu erfahren, zitiert die Wiener Stiftung „Pro Oriente“ (Montag) aus einer Botschaft des in Bagdad residierenden Patriarchen Louis Raphael I. Sako an die „muslimischen Mitbürgerinnen und -bürger“.

Die Fastenzeit sei eine „Gelegenheit zu Reue, Umkehr und Aussöhnung mit sich selbst, mit Gott und den anderen“. Sie könne auch der Wiederherstellung der Harmonie im Irak dienen. Die heutige Spaltung des Landes sei „Sünde“, so der Patriarch. Sako ermahnte alle Iraker, die Einheit in der Verschiedenheit „und nicht im Sektierertum“ zu stärken. Denn Verschiedenheit sei „selbst ein Teil von Gottes Plan“.

Chaldäische Gemeinde besonders von Auswanderung betroffen

Die mit Rom unierte chaldäisch-katholische Kirche leidet unter einer fortschreitenden Auswanderung von Priestern, Ordensleuten und Gläubigen aus dem Irak. Im Januar wurde der Erzbischof von Mossul, Emil Shimoun Nona, von Papst Franziskus zum Leiter der chaldäischen Ortskirche in Sydney bestellt. Die Benennung eines Nachfolgers für Mossul steht noch aus. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hatte im Sommer 2014 die Stadt erobert und Tausende Christen in die Flucht getrieben.

Nach Angaben von Pro Oriente hat die chaldäische Kirche aktuell rund 480 000 Mitglieder, davon mehr als 150 000 in den USA und 30 000 in Australien. Insgesamt gibt es 22 chaldäische (Erz-)Diözesen, davon zehn im Irak, sechs weitere im Nahen Osten, zwei in den USA und eine in Australien.

Keine einheitlichen Regeln für die christliche Fastenzeit

Im Unterschied zum Ramadan im Islam sind die Fastenregeln im Christentum wenig einheitlich und können von Konfession zu Konfession variieren. Die katholische Kirche legt ihren Gläubigen in der Fastenzeit als äußeres Zeichen von Buße und Besinnung nahe, auf Dinge zu verzichten, die ihnen angenehm und lieb sind – das können Schokolade oder Alkohol ebenso sein wie Fleisch oder das Autofahren. Zudem sollen sie nur eine volle Mahlzeit am Tag und darüber hinaus zwei kleinere Stärkungen zu sich nehmen. Traditionell galt früher in katholischen Familien an allen Freitagen das Abstinenzgebot, was nach dem Verzicht auf Fleisch verlangte. Aschermittwoch und Karfreitag sind Fasten- und Abstinenztage in einem und gelten als strenge Fasttage.

In der orthodoxen Tradition beginnt nach der Milchwoche (in Russland „Maslenitsa“) eine siebenwöchige Fastenzeit, in der an den Wochentagen ein streng veganes Fasten vorgeschrieben ist, bei der Verzehr tierischer Produkte (außer Honig), Öls und Alkohols untersagt ist. An Samstagen und Sonntagen dürfen Wein, Öl und Weichtiere, bisweilen auch Fisch verzehrt werden.

Im Protestantismus hingegen ist die Fastenzeit weniger bedeutend, da Luther darin „Werkgerechtigkeit“ witterte. Lediglich am Karfreitag wird dort bis 15 Uhr – nach christlicher Überzeugung die Todesstunde Jesu Christi – gefastet. (KNA/dtj)