Der Leipziger Alexander Sorloth (M) feiert mit seinen Mannschaftskameraden den vierten Treffer seiner Mannschaft. Foto: Uncredited/AP/dpa

Başakşehir Istanbul musste gewinnen, um noch eine realistische Chance aufs Weiterkommen in der Champions League zu haben. Das klappte gegen RB Leipzig nicht, dafür gab es ein 7-Tore-Spektakel mit einem in der Türkei nicht ganz unbekannten Matchwinner.

Mit seinem ersten Treffer überhaupt für RB Leipzig hat Alexander Sörloth sein Team im Champions-League-Rennen gehalten. Der Norweger traf am Mittwoch in der Nachspielzeit zum wichtigen 4:3 (2:1)-Sieg bei Istanbul Başakşehir. Damit hat das Team von Trainer Julian Nagelsmann am kommenden Dienstag sein Endspiel gegen Manchester United um den Einzug ins Achtelfinale. Der türkische Meister ist hingegen ausgeschieden.

Yussuf Poulsen (26. Minute) und Nordi Mukiele (43.) brachten die dominanten Sachsen verdient in Führung. Başakşehir verkürzte durch Irfan Can Kahveci (45.+3) nach einer Ecke. In einer Drangphase der Türken erhöhte Dani Olmo (66.), ehe erneut Kahveci in der 73. erst zum Anschluss und in der 85. Minute sehenswert zum Ausgleich traf. Dann kam der Auftritt von Sörloth.

Stärkste Elf auf dem Feld

Zwischen den beiden Highlights in der Königsklasse muss Leipzig am Samstag bei Bayern München antreten. Drei Tage vor dem Bundesliga-Gipfel schickte Nagelsmann seine derzeit stärkste Elf aufs Feld des Fatih-Terim-Stadions. Poulsen, Emil Forsberg, Dayot Upamecano und Kapitän Marcel Sabitzer kehrten alle in die Startelf zurück. Dorthin hätte es sicherlich auch Christopher Nkunku geschafft, doch der im Hinspiel noch erfolgreiche Franzose fehlte aus privaten Gründen.

„Unsere Aufgabe ist hier, richtig Druck zu machen“, sagte Nagelsmann kurz vor dem Anpfiff. Und seine Spieler gehorchten. Forsberg (3.) hätte mit seinem Versuch aus elf Metern treffen müssen, schoss aber vorbei. Eine Minute später zeichnete sich Istanbuls Torwart Mert Günok bei einem Kopfball von Mukiele aus. Auch Poulsens (12.) Volley entschärfte der türkische Nationalkeeper.

Demba Ba scheitert knapp

Nach weiteren vergebenen Chancen war die Leipziger Führung ein Zufallsprodukt. Der Schuss von Sabitzer aus gut 20 Metern flipperte zwischen Istanbuls Abwehrchef Martin Skrtel und Poulsen hin und her und ging vom dänischen Nationalspieler schließlich unhaltbar ins Tor. Leipzig bestimmte mit viel Ballbesitz und aggressivem Gegenpressing weiter das Spiel, doch langsam kam die Offensive der Türken in den Rhythmus. So zwang der Ex-Hoffenheimer Demba Ba (37.) RB-Keeper Peter Gulacsi mit einem Schuss aus spitzem Winkel zu einer Glanztat.

Diesen Rhythmus brach RB mit dem zweiten Tor. Forsberg legte den Ball im Strafraum quer, Mukiele schob etwas unkonventionell aber überlegt gegen die Laufrichtung des Torwarts ein. Die starke Halbzeit vermasselte sich Leipzig mit einer Schlafeinlage in der Nachspielzeit. Nach einer Ecke stand Kahveci am Strafraumrand völlig frei und traf mit einem platzierten Schuss zum Anschluss.

Hattrick von Irfan

Nagelsmann reagierte in der Pause, brachte in Tyler Adams für Kevin Kampl einen defensivstärkeren Spieler. Zunächst setzte es jedoch den nächsten Rückschlag. Upamecano (53.) sah nach einem Foul die Gelbe Karte und fehlt damit gegen Manchester. RB wurde zunehmend passiver, meldete sich erst mit Forsbergs (61.) Top-Chance wieder zurück, als der Spielmacher aus fünf Meter vorbei schoss.

Olmo machte es schließlich besser. Nach Pass von Angelino tanzte der spanische Nationalspieler seinen Gegenspieler im Strafraum aus und vollstreckte mit einem satten Schuss in die kurze Ecke. Istanbul gab dennoch nicht auf – und wieder bekam Kahveci zu viel Platz. Bei seinem Schlenzer aus 18 Metern war Gulacsi chancenlos.

Poulsen (79.) hatte das vierte Tor schließlich auf dem Fuß, traf jedoch nur den Pfosten. Dann schien Kahveci mit seinem dritten Treffer per Freistoß alle RB-Hoffnungen zunichte zu machen. Er ist damit übrigens der dritte türkische Spieler überhaupt, dem in einem europäischen Wettbewerb für einen türkischen Klub drei Tore in einem Spiel gelangen. Zuvor schafften das Tuncay Şanlı für Fenerbahçe und Burak Yılmaz für Galatasaray. Außerdem bemerkenswert: Alle drei Treffer erzielte der Mittelfeldspieler von außerhalb des Strafraums.

Doch es sollte nicht zu einem Punktgewinn reichen: In der 90. Minute hatte Leipzig erst Pech, als der Ball von Sörloths Kopf gegen die Latte flog. Wenig später machte er es besser. Es war sein allererster Treffer für die Sachsen überhaupt. Auf türkischem Boden scheint sich der norwegische Nationalspieler hingegen wohlzufühlen: In Trabzon wurde der in der Kritik stehende Stürmer letzte Saison schließlich Torschützenkönig. „Ich habe die Türkei vermisst, ich hatte hier eine schöne Zeit. Aber ich spiele jetzt in Deutschland. Das Tor hat mir den Druck von den Schultern genommen“, gab er nach Schlusspfiff erleichtert zu.

Keine Chance mehr aufs Weiterkommen

Der türkische Meister, der in dieser Saison zum ersten Mal an der Champions League teilnimmt, muss nach der Niederlage und nur 3 Punkten aus den ersten fünf Gruppenspielen die Segel streichen. Auch Platz 3 und damit die Europa League ist nicht mehr zu erreichen.

Zum Abschluss gastiert das Team von Okan Buruk am kommenden Dienstag bei Paris Saint-Germain, das sich mit Leipzig und Manchester United ein Duell um das Erreichen der K.O.-Runde liefern wird. Alle drei Teams haben 9 Punkte auf dem Konto.

dpa/dtj