27.10.2019, Syrien, Idlib: Kinder untersuchen ein zerstörtes Auto. Medienberichten zufolge soll der IS-Anführer in Idlib Al-Bagdadi angeblich von US-Sondereinheiten getötet worden sein. Der Sondereinsatz habe am 26.10.2019 stattgefunden, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf hochrangige Vertreter des Verteidigungsministeriums. Eine endgültige Bestätigung durch DNA-Tests und biometrische Überprüfungen stehe allerdings noch aus, berichtete CNN mit Verweis auf geheime Quellen. Foto: Mustafa Dahnon/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Abu Bakr Al-Baghdadi, der Anführer der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS), ist tot. Seine Anhänger sind aber noch lange nicht am Ende. Im Gegenteil. Der IS bleibt eine tödliche Gefahr.

Explosionen erschüttern ein einsames Gehöft am Dorfrand von Barisha, einer Siedlung in der nordsyrischen Provinz Idlib. Die mitternächtliche Aktion erlangt schnell weltweites Aufsehen. Kurz darauf ist klar: US-Spezialkräfte waren am Werk. Sie töteten in dieser Nacht den gefährlichsten Terroristen der Welt Abu Bakr Al-Baghdadi, den Anführer der „Islamischen Staates“ (IS), jener Terrororganisation, die Millionen in ihren Bann zog und weltweit für Tod und Schrecken sorgte.

Dass US-Präsident Donald Trump am Folgetag triumphierend vor die Presse trat, war ebenso erwartbar, wie die Tatsache, dass der IS schon bald eine neue Führungsfigur präsentieren würde. Zwei Tage später war es soweit: Am Freitag kürte sie den bislang unbekannten Abu Ibrahim al-Haschimi al-Kuraischi zu ihrem neuen Anführer. Prompt schwor er den USA Rache und kündigte „Vergeltung gegen ihre Nation und ihre Brüder von Ungläubigen und Abtrünnigen“ an.

Kampf gegen IS noch nicht vorbei

Dass der IS, der 2017 weite Teile Syriens und des Iraks besetzt hielt, weiterhin als Bedrohung für die Region und die gesamte Welt angesehen werden muss, beweisen die vergangenen Wochen: Jüngst konnten mehrere hundert IS-Kämpfer aus kurdischer Haft entkommen. Für die Terrororganisation ist die Flucht ihrer Anhänger ein Segen. In den Wirren der türkischen Offensive formieren sich ihre Kämpfer neu.

Hinzu kommt: In den Weiten Syriens operieren weiterhin IS-nahe Kämpfer, die den Ausbrechern Unterstützung in Form von Unterschlupf und Kampfausrüstung zukommen lassen können. Ob eine Renaissance der berüchtigten Terrorgruppe tatsächlich bevorsteht, ist indes ungewiss. Klar ist aber, die Aktivitäten der Dschihadisten nehmen in ihrer Frequenz zu. Seit dem Tod von Baghdadi hat der IS Dutzende Anschläge im Irak, Syrien, Afghanistan und andernorts für sich reklamiert.

„Wir müssen wachsam bleiben“

Experten warnen folgerichtig, der IS sei noch lange nicht besiegt. Die ehemalige Sicherheitsberaterin Obamas Susan Rice versuchte die Euphorie in den USA im Interview mit dem TV-Sender CBS zu bremsen: „Das (der Tod Baghdadis, Anm. d. Redaktion) ist ein großer Meilenstein, aber das heißt nicht, dass der Kampf gegen den IS vorbei ist.“

Was wir in diesem Teil der Welt ihr zufolge immer wieder sehen: „Sobald der Druck auf Terrororganisationen wie al-Qaida oder den IS nachlässt, können sie sich wieder aufbauen. Wir müssen wachsam bleiben und vor Ort zumindest eine kleine Präsenz erhalten, um sicherzustellen, dass der IS nicht mit Gebrüll zurückkommt.“