160 335 Menschen sind auf Grund der jüngsten Offensive des IS aus der Region Ain Al-Arab (kurdisch: Kobani) in die Türkei geflohen.

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei steigt rasant an. Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu sagte am Freitag, seit Beginn der Grenzöffnung eine Woche zuvor seien 160 335 Menschen aus der Region Ain Al-Arab (kurdisch: Kobani) in die Türkei geflohen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte am Donnerstag noch von 144 000 Flüchtlingen gesprochen, die aus Angst vor dem Vormarsch der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in die Türkei gekommen seien. Die Kämpfe in der Region waren vor gut zwei Wochen eskaliert, nachdem der Islamische Staat Truppen zusammenzog und mit schweren Waffen auf die hauptsächlich von Kurden bewohnte Stadt vorrückte. Kurzzeitig war der IS von Süden kommend bis zu fünf Kilometer an Kobani herangerückt, konnte aber anscheinend von kurdischen Einheiten zurückgedrängt werden.

Nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan haben seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien mehr als 1,5 Millionen Menschen Zuflucht in der Türkei gesucht. Erdogan hatte bei der UN-Vollversammlung am Mittwoch in New York mehr internationale Unterstützung in der Flüchtlingskrise gefordert.

Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Barack Obama habe mit Erdoğan über das Vorgehen gegen IS gesprochen. Erdoğan hatte vor der UN-Vollversammlung eine Unterstützung der Türkei für eine internationale Militäroperation gegen IS nicht mehr ausgeschlossen. Er wollte nach seiner Rückkehr in die Türkei mit der Regierung beraten. Am kommenden Donnerstag beschäftigt sich das Parlament nach Ankara mit dem weiteren Vorgehen gegen den IS.

Die große Zahl der Flüchtlinge birgt gerade im Süden bzw. Südosten der Türkei ein wachsendes Konfliktpotential. So kommt es immer öfter zu sozialen Spannungen zwischen Einheimischen und syrischen Flüchtlingen, zuletzt in der Provinz Gaziantep. (dpa/dtj)