Isis-Terroristen

Die Organisation „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ (ISIS) sorgte in der Vergangenheit durch ihr äußerst brutales Vorgehen in Syrien und zuletzt auch im Irak weltweit für Aufsehen. Nachdem ISIS durch die Entsendung eigener Kampfeinheiten und durch eine gut funktionierende Medienstrategie ihren Operationsbereich auf den Irak ausdehnte und beansprucht, federführend bei der Eroberung von Städten wie Mossul und Tikrit gewesen zu sein, ist der Terrorgruppe nun erneut ein Schritt gelungen, um in den internationalen Medien Erwähnung zu finden.

In einer Audiobotschaft vom Sonntag hat ISIS ein Kalifat ausgerufen. Der Sprecher der Terrorgruppe, Abu Mohammed al-Adnani, erklärte, der ISIS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi würde fortan als Kalif fungieren, dem alle Muslime Gefolgschaft schwören müssten. Doch ob das nun von ISIS eigenmächtig ausgerufene und von ISIS-Anführer al-Baghdadi geführte Kalifat in der islamischen Welt positive Resonanz auslösen wird, ist unwahrscheinlich.

Denn ISIS ist auf Grund seines radikalen Vorgehens und seiner Grausamkeit in der islamischen Welt äußerst umstritten und wird von den Muslimen heftig kritisiert. In Syrien kämpfen seit Anfang 2014 selbst als „islamistisch“ einzuordnende Oppositionsgruppen, wie etwa die „Armee der Mujahideen“, die „Islamische Front“ und der al-Qaida Ableger „al-Nusra-Front“ gegen ISIS.

Ausrufung des Kalifats als Propaganda-Strategie  

Auch im Irak ist ISIS heftig umstritten und unter vielen sunnitischen Arabern sogar verhasst. Zwar profitiert auch ISIS von der massiven Unzufriedenheit großer Teile der sunnitischen Bevölkerung, die sich durch die Politik der irakischen Zentralregierung unter Ministerpräsident Nouri al-Maliki marginalisiert fühlen. Doch viele der sunnitischen Milizen und Stämme, die aktuell im Irak gegen die Zentralregierung kämpfen, sind sowohl ideologische als auch militärische Gegner von ISIS.

Anscheinend ist es ISIS – zumindest kurzfristig – dennoch gelungen, ein Zweckbündnis mit einflussreichen irakischen Milizen, wie etwa sunnitischen Stämmen und militärischen Netzwerken ehemaliger Baath-Kader zu schließen. Obwohl ISIS bei den aktuellen Kampfhandlungen Beobachtern zufolge nur einen Bruchteil der Kampfhandlungen selbst trägt, schlachtet die Gruppierung den militärischen Widerstand gegen die von Schiiten dominierte Zentralregierung propagandistisch für die eigenen Zwecke aus.

„Kalifatstaat“ in Deutschland

Mit der Veröffentlichung der Botschaft zu Beginn des Fastenmonats Ramadan zielt ISIS gerade auf religiöse Gefühle von Muslimen und versucht ihr Image als grausame Bürgerkriegs-Miliz zu überdecken. Laut der Audiobotschaft al-Adnanis hat sich ISIS zudem in „Islamischer Staat“ umbenannt. Das letzte Kalifat hatte die türkische Regierung 1924 nach dem Ende des Osmanischen Reiches abgeschafft. Seitdem nutzen viele radikale und marginale Gruppen das Fehlen einer politischen Einheit in der islamischen Welt für ihre Zwecke und erklären die Gründung eines Kalifats zu ihrem Ziel. So hatte 1994, der in den Medien als „Khomeini von Köln“ berühmt gewordene türkische Ex-Mufti Cemalettin Kaplan in Deutschland einen Kalifatsstaat ausgerufen.

Wie hemmungslos ISIS in von ihnen eroberten Gebieten wütet, lassen Berichte aus Syrien erahnen. Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien berichtete am Sonntag, dass ISIS-Kämpfer nahe Aleppo im Norden Syriens acht Männer öffentlich hinrichteten und ihre Leichen anschließend kreuzigten. Die Opfer seien in dem Ort Deir Hafir getötet worden, weil sie für andere Rebellengruppen gekämpft haben sollen. Die Leichen der Männer wurden demnach auf einem zentralen Platz gekreuzigt und sollen dort drei Tage lagen bleiben. (dpa/dtj)