Die terroristische Gruppierung „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ (ISIS) hat am gestrigen Sonntag auch die hauptsächlich von Turkmenen bewohnte Stadt Telafer im Nordwesten des Irak eingenommen. Damit verstärkten die Extremisten ihren Griff auf den Norden des Landes, der eine Zerstückelung des Irak immer wahrscheinlicher macht.

„Die Stadt wurde von den Kämpfern überrannt. Es gab heftige Kämpfe und viele Menschen wurden getötet. Schiitische Familien flohen in den Westen, sunnitische in den Osten“, gab ein nicht genannt werden wollender Offizieller der Stadt gegenüber der Hürriyet an.

Telafer liegt westlich von Mossul, jener Millionenstadt, über welche ISIS in der Vorwoche die Kontrolle übernommen hatte. Die meisten Kämpfer der regulären irakischen Armee waren geflohen. Die Türkei hatte bereits im Laufe der Vorwoche Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der turkmenischen Bevölkerung im Irak geäußert. Premierminister Erdoğan wiederholte seine Auffassung, wonach die Gefahr für diese turksprachige Bevölkerungsgruppe „nicht unterschätzt“ werden dürfe.

Unterdessen veröffentlichten die Terroristen Bildaufnahmen von Massenhinrichtungen gefangen genommener irakischer Soldaten. Schätzungen über die Zahl der Opfer reichen von 170, die Experten zufolge anhand der Aufnahmen verifizieren können, bis zu möglichen 1700, von denen in einer Erklärung der Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, die Rede war. Auch habe es grausame Kriegsverbrechen gegen Zivilisten gegeben. Bestätigt sind diese Angaben allerdings nicht.