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Alevitische Religionslehre wird akademisches Studienfach

Innenansicht eines alevitischen Cem-Hauses.

Seit 2006 sind Aleviten nach dem Grundgesetz als Religionsgemeinschaft anerkannt und dürfen dementsprechend in Deutschland an staatlichen Grundschulen und weiterführenden Schulen einen eigenen bekenntnisorientierten Religionsunterricht anbieten. Schätzungen gehen von 600 000 bis 800 000 Personen, die sich zur alevitischen Glaubensgemeinschaft in Deutschland zählen. 

Das Alevitentum gilt als islamische Glaubensrichtung, es wird vereinzelt aber auch als eine eigene Religion aufgefasst.

In Baden-Württemberg wird seit diesem Jahr auch der Alevitische Religionsunterricht (ARU) angeboten, ohne dass deutschlandweit Einrichtungen zur wissenschaftlichen Ausbildung von Religionslehrern und Theologen existierten. Bislang erfolgt die Ausbildung der Lehrkräfte für diesen bekenntnisorientierten Religionsunterricht durch Zusatzausbildungen bereits im Schuldienst tätiger Lehrkräfte alevitischen Glaubens.

Dies wird sich künftig ändern. An der Pädagogischen Hochschule Weingarten wird mit der Errichtung des Erweiterungsstudiengangs Alevitische Religionslehre/Religionspädagogik ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Institutionalisierung der alevitentumsbezogenen Forschung an deutschen Hochschulen geschlossen.

Am 16. Mai 2014 wird die ganztägige offizielle Eröffnungsfeier zu diesem deutschlandweit ersten Erweiterungsstudiengang abgehalten. Den Auftakt bildet dabei von 9.00 Uhr bis 10.00 Uhr ein Festakt im Beisein der Ministerin für Wirtschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, Theresia Bauer. Von 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter der Alevitischen Gemeinde Deutschland in einem Symposium über alevitische Identität und das Alevitentum in Deutschland und Europa diskutieren. Den Abschluss bildet ab 18 Uhr eine Feier der Alevitischen Gemeinden in der Aula der PH Weingarten.

Redebeiträge, Diskussionsrunden und ein musikalisches Rahmenprogramm

Es werden im Rahmen dieser Feier unter anderem Redebeiträge von Prof. Dr. Werner Knapp (PH Weingarten), Ministerin Theresia Bauer MdL (Ministerium für Wirtschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg) und Prof. Dr. Martin Sökefeld (LMU München) erwartet. Grußworte werden der Weingartener OB Markus Ewald und Stefan Goller-Martin von der Stadt Ravensburg beisteuern.

Als Diskussionsteilnehmer werden unter anderem Ismail Kaplan (ehem. Bildungsbeauftragter der Alevitischen Gemeinde Deutschland – AABF), Melek Yıldız (Studienrätin, Weiterbildungskolleg Unna, Mitglied des Vorstandes der Alevitischen Gemeinde Deutschland – AABF), Dr. Handan Aksünger (Ethnologin, Lehrbeauftragte Universität Innsbruck und PH Weingarten), Dr. Robert Langer (Akademischer Mitarbeiter an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg/ Universität Bayreuth), Yılmaz Kahraman (Islamwissenschaftler M.A., Bildungsbeauftragter der Alevitischen Gemeinde Deutschland – AABF) und Hasan Öğütcü (ehem. Bildungsbeauftragter der Alevitischen Gemeinde Baden-Württemberg) fungieren. Musikalische Darbietungen und Folkloretänze werden das Programm abrunden. 

Hinsichtlich eines islamischen Religionsunterrichts in Schulen und Universitäten wurden in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit, vor allem in Nordrhein-Westfalen, ebenfalls Fortschritte gemacht, eine bundesweite Einführung kam allerdings bislang nicht zustande, da der Islam in Deutschland immer noch nicht als offizielle Religionsgemeinschaft anerkannt ist.


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