Ein Gläubiger betet in einer Moschee in Singapur

Wer als Muslim um den Globus reist, hat es nicht immer leicht: Viele Hotels und Fluggesellschaften bieten Speisen an, die für Muslime verboten sind. Dafür ist Alkohol oft allgegenwärtig. Geschäftsmann Fazal Bahardeen hat sich oft über diese Dinge geärgert. Nachdem er seinen Job bei einem globalen Telekommunikationskonzern aufgegeben hatte, beschloss der 50 Jahre alte Singapurer, etwas dagegen zu tun – und gründete 2009 „Crescent Rating“, ein Online-Ratgeberportal rund um Halal-Reisen. „Halal“ bedeutet nach der islamischen Reinheitslehre „erlaubt“.

Bahardeens Portal bewertet Hotels, Restaurants, Reiseveranstalter und andere Dienstleistungen für Muslime auf Reisen. Dabei fließen Faktoren wie das Bereitstellen von Gebetsräumen und islamkompatiblem Essen ein, ebenso wie Dinge, die Muslime ablehnen und daher vielleicht nicht sehen wollen: Alkohol und Glücksspiel zum Beispiel. Fazal gehört zu einer wachsenden Zahl von Muslimen in Singapur, die neue Technik und Trends nutzen, um ihre Religion im Alltag besser ausüben zu können. „Gerade das Internet hilft Muslimen, ihren Glauben wiederzufinden und zu stärken“, sagt er.

Im Sommer brachte seine Firma eine Mekka-App auf den Markt, die Nutzer über Zeitzonen hinweg informiert, wann und in welche Richtung sie beten sollen, wenn sie im Flugzeug sitzen. Airlines wie Etihad oder Emirates zeigen von sich aus auf ihren Bordschirmen an, ob der Flieger gerade gen Mekka steuert.

Smartphone-Apps für Muslime sind nicht neu. Längst gibt es Anwendungen wie etwa „iPray“, die täglich kurze Gebete schickt, oder „iQuran“, die Suren aus dem Arabischen übersetzt. Auch der Islamische Religionsrat in Singapur hat schon mehrere Apps veröffentlicht, die Nutzern zum Beispiel aktuelle Predigten und Fatwas liefern oder anzeigen, wo in der Gegend die nächste Moschee oder das nächste Halal-Restaurant liegt.

„Der Islam ist etwas für alle Zeiten“

Die islamische Glaubensgemeinschaft im multi-ethnischen Singapur macht rund 15 Prozent der 5,4 Millionen Einwohner aus. In die Sultan-Moschee im Herzen des Kampong-Glam-Bezirks strömen die Männer lässig bekleidet in Jeans und T-Shirt, bevor sie anschließend zum Arbeiten in die umliegenden Cafés, Bars und Geschäfte zurückkehren.

In der Nähe des Gebetshauses hat eine kleine Boutique eröffnet, die Sportbekleidung und aktuelle Mode für muslimische Frauen anbietet. Kundinnen finden Hijabs aus Seide, Burkinis in den Trendfarben des Jahres und Spezial-Kopftücher zum Joggen. „Manche Leute denken, der Islam halte nicht Schritt mit der Moderne“, sagt Thalha Mohamed, die 29 Jahre alte Besitzerin des Geschäfts.

„Dabei ist er tatsächlich etwas für alle Zeiten.“ Thalha, deren Ehemann zum Islam konvertiert ist, sieht in der Multinationalität Singapurs und in dem guten Schulsystem die Gründe dafür, dass der Islam in dem Land so fortschrittlich ist.

Bildung ermöglicht höheren Lebensstandard und bewussteres religiöses Leben

Die 34-jährige Fauzah Danila, die in der Boutique gerade einen Burkini gekauft hat, meint: „Als muslimische Frau trage ich Verantwortung dafür, ein lebendiges Bild des Islam zu repräsentieren – und nicht, altbacken zu wirken.“ In Singapur ist auch „Aquila Style“ beheimatet, ein Online-Magazin für „kosmopolitische muslimische Frauen“. Es bietet Tipps rund um Mode, Shopping, Schönheit und Reisen. Chefredakteurin Liana Rosnita sagt, Muslime in Singapur hätten eine bessere Bildung und einen höheren Lebensstandard als in anderen Ländern. „Das erlaubt uns, kritisch und kreativ zu denken.“

Der Islam sei aber ohnehin stark mit der Moderne verbunden. „Wir Muslime können uns glücklich schätzen, dass unser Glaube und unsere Sitten sich in unser Leben integrieren lassen – auch im Informationszeitalter.“ Das ermögliche ein müheloses Leben, das altertümliche Weisheit mit Zeitgenössischem verbinde – „solange wir die Lehren des Islam korrekt anwenden“.