Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU, M.), der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, Bekir Alboga (l), und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek (r), verabschieden sich am 24.03.2014 in Berlin nach einer Pressekonferenz.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière kam am heutigen Mittwoch in Berlin mit mehreren islamischen Verbänden zusammen, um das neue Format der Deutschen Islam Konferenz (DIK) zu bestimmen. Die neuen Ergebnisse seien im Dialog mit den Verbänden zustande gekommen, erklärte de Maizière auf der gemeinsamen Pressekonferenz im Anschluss an das Gespräch.

„Wir haben im Format einige Änderungen vorgenommen“, betonte der Minister. „Die Arbeit wird koordiniert und gelenkt durch einen Lenkungsausschuss. Der Lenkungsausschuss besteht aus der staatlichen Seite, also dem Bundesministerium des Innern, dem Integrationsbeauftragten der Bundesregierung und den Kommunen. Und auf der anderen Seite die Verbände. Und zwar neun Verbände, die in ihrer Unterschiedlichkeit, in ihrer Größe, in ihrer Vielfalt und in ihrer regionalen Verankerung das ganze breite muslimische Leben in Deutschland repräsentieren.“

Islamrat kehrt zurück, Ahmadiyya ist erstmals dabei

Wieder in den Kreis der Teilnehmer zurückgekehrt ist dabei der Islamrat. Der Islamrat war im Jahr 2010, während der ersten Amtszeit de Maizières als Innenminister, aus der Islamkonferenz ausgeschlossen worden. Damals war gegen die Organisation Milli Görüş ermittelt worden, die dominierendes Mitglied im Islamrat ist. Mit dem Rücktritt von Üçünçü sei kein Beschuldigter der damaligen Strafverfahren mehr im Vorstand von Milli Görüş, hieß es.

Neu in der Runde ist die Ahmadiyya-Gemeinschaft, der als bundesweit erster muslimischer Verband 2013 in Hessen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt wurde. Zu den weiteren Teilnehmern gehören der Zentralrat der Muslime, die Alevitische Gemeinde, die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Verband der Islamischen Kulturzentren, der Zentralrat der Marokkaner und als säkulare Organisation die Türkische Gemeinde in Deutschland.

De Maizière wies darüber hinaus auch auf die Bedeutung hin, die soziale Belange im Rahmen der künftigen Runde der Islamkonferenz aufweisen werden. „Der Kreis der über 65-Jährigen ist der am größten wachsende Anteil von Muslimen in unserer Gesellschaft und deswegen wollen wir uns deren Belangen, etwa einer Pflege, die auf religiöse Bedürfnisse Rücksicht nimmt, widmen und ähnliches auch im Blick auf die Kinderbetreuung. Und wir wollen uns damit beschäftigen, wie wir einen islamischen Wohlfahrtsverband gründen, ähnlich wie die Diakonie, ähnlich wie die Caritas, ähnlich wie die Awo.“ Neben der Wohlfahrtspflege soll zudem auch die Seelsorge eine bedeutende Rolle spielen.

Kein Kommandosystem mehr zu Lasten der Muslime

Insgesamt sollen die islamischen Verbände an den Entscheidungen der Bundesregierung bezüglich des islamischen Lebens in Deutschland stärker involviert werden. Das sei ein großer Unterschied zu den vorherigen Islamkonferenzen, betonte Bekir Alboğa von der DITIB, der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion“. Im Rahmen der ersten Islamkonferenz seien die Themen vorgegeben worden. „Die Muslime wurden eingeladen, sollten teilnehmen und sollten dankbar sein, dass sie teilnehmen dürfen.“

Die Zukunft von Musliminnen und Muslimen in Deutschland könne nur durch solch eine Zusammenarbeit aufgebaut werden, bekräftigte Alboğa: „Die Botschaft der Islamkonferenz ist, […] dass der Islam mittlerweile in Deutschland angekommen ist und dass wir […] so wie wir die wirtschaftliche Zukunft gemeinsam aufgebaut haben, auch die friedliche Zukunft zusammen mit dem Bundesinnenministerium aufbauen werden.“

Auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, zeigte sich zufrieden: „Wir haben tatsächlich in den letzten Monaten auf Augenhöhe gearbeitet, was die Themenstellung, was die Zusammenstellung angeht, […] das ganze Agendasetting wird abgestimmt und dies auch in den nächsten Jahren.“

In Deutschland ist der Islam nach dem Christentum die Religion mit den meisten Anhängern. Zurzeit bekennen sich etwa 5 Prozent der Bevölkerung zu ihm, was etwa 4 Millionen Menschen entspricht.