Je höher das Minarett, desto besser integriert

Wenn man heute über den Islam spricht, assoziiert man mit der jüngsten der drei Weltreligionen Hass, Gewalt, Unterdrückung und Ehrenmorde. Kriminelle Taten werden ethnisiert, Schuld ist an allem partout der Islam. Hetzseiten haben Hochkonjunktur, Stimmen, die gegenteiliger Meinung sind, finden in den Medien wenig Beachtung, genauso wie ernsthafte Dialogbemühungen.

Der Interkulturelle Rat ist eine Plattform, der sich um einen Dialog zwischen den Religionen und Kulturen bemüht. Bereits 2007 führte die Zeitschrift „Zukunft” ein Interview mit dem Vorsitzenden Dr. Jürgen Mitsch durch. Dabei könnte es auch aus diesem Jahr stammen.

Herr Miksch, wann ist der Interkulturelle Rat gegründet worden und aus welchem Anlass? Was sind die Schwerpunkte seiner Arbeit?

Der Interkulturelle Rat wurde im August 1994 gegründet. Wir sahen damals, dass Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Deutschland zunahmen. Durch einen Zusammenschluss von einheimischen und zugewanderten Multiplikatoren wollten wir wissen, welche Entwicklungen sich abspielen, wo wir tätig werden müssen.

Bis 2001 waren Ihre Tätigkeiten eher auf Rassismus konzentriert. Haben sich die rassistischen Vorwürfe oder Angriffe seitdem reduziert oder bedrohen sie weiterhin ein gutes Zusammenleben in Deutschland?

Rassismus ist ein Themenfeld, das hier leider immer präsent ist, sich aber in unterschiedliche Bereiche entwickelt. So habe ich zum Beispiel Mitte der 80er Jahre beobachtet, dass sich Rassismus vor allem gegen Asylsuchende richtete. Ich hatte schon vorher die Sorge, dass der Rassismus sich vor allem gegen schwarze Menschen richten wird. Da hat die deutsche Bevölkerung dazugelernt. Schwarze Menschen werden jetzt wesentlich besser akzeptiert, auch wenn es immer noch Tätlichkeiten gibt. In der Zwischenzeit hat sich eine andere Form von Rassismus besonders stark herausgebildet, nämlich die islamfeindliche Einstellung. Das ist momentan die aktuellste Form des Rassismus.

Kommt dieser Rassismus in allen Schichten vor?

Grundsätzlich ist Rassismus unabhängig von sozialen Schichten. Nur die spezifischen Formen sind unterschiedlich. Sie haben zum Beispiel in ländlichen Regionen, wo man keine Erfahrung mit Fremden hat, eine andere Form von Ablehnung als in den städtischen Gebieten. Natürlich auch in Bezug auf die Bildung. Rassismus gibt es in allen Altersgruppen und Berufsgruppen. Er ist ein Krebsgeschwür, das in Deutschland, in Europa und weltweit höchst problematisch ist.

Präventive Rassismusbekämpfung

Worauf legen Sie Wert, wenn es um den Kampf gegen den Rassismus geht? Welche Aktivitäten führen Sie als Interkultureller Rat durch?

Das Besondere an unserer Arbeit ist, dass wir erst einmal präventiv zu erkennen versuchen, wo sich neue Formen von Rassismus herausbilden. Im Vorfeld versuchen wir dann, aktiv zu werden. Deswegen ist der Interkulturelle Rat zusammengesetzt aus Verantwortlichen aus allen Lebensbereichen. Der Ausgangspunkt ist, dass Rassismus breit angelegt ist und alle gesellschaftlichen Gruppen betrifft. Deswegen sind alle Verantwortlichen der Gesellschaft herausgefordert, aktiv zu werden. Das Besondere am Interkulturellen Rat ist es, dass wir immer in Zusammenarbeit mit zugewanderten Menschen handeln. Deswegen auch das Konzept, dass die Hälfte der Mitglieder Zuwanderer sind, weil wir nur gemeinsam die Situation verbessern können. Es gibt ja Rassismus nicht nur bei den Deutschen, sondern auch bei Migranten.

Erfolgt diese Zusammenarbeit mit einzelnen Persönlichkeiten oder auch mit Institutionen?

Im Interkulturellen Rat arbeiten wir mit Persönlichkeiten zusammen, die in großen Einrichtungen arbeiten, in Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, Bildungseinrichtungen, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Sportvereinen usw. Aber Mitglieder sind nur Personen, sonst wären wir nicht handlungsfähig und müssten für jeden Anlass bei den Institutionen um Erlaubnis fragen. Allerdings haben wir spezielle Arbeitsprojekte, wo Institutionen eine große Rolle spielen, zum Beispiel die Internationale Woche gegen den Rassismus. Etwa 40 Kooperationspartner aus wichtigen gesellschaftlichen Bereichen arbeiten da mit.

Haben Sie auch Kontakte zu ähnlichen Institutionen in den Nachbarländern? Wissen Sie, wie die Situation in diesen Ländern ist?

Die Kontakte im europäischen Bereich waren in den Anfangsjahren sehr intensiv und sind jetzt eher zurückgegangen, denn unsere Arbeit in dieser Form gibt es in den anderen vergleichbaren Ländern nur bedingt. Wir haben die Kontakte, aber wir haben sie auch wegen unserer Finanzlage nicht mehr fortentwickelt.

Unterstützt die EU Aktionen gegen Rassismus weniger, seitdem die Islamophobie-Debatte eine solche Rolle spielt?

Europäische Aktivitäten sind in dem Bereich weniger gewichtig. 1997 fand „Das Europäische Jahr gegen Rassismus” statt. Da gab es intensive Kontakte innerhalb Europas, und vieles wurde auch durch die Europäische Kommission finanziert. Gegenwärtig stehen vor allem Fragen der Islamfeindlichkeit im Vordergrund, und in diesem Rahmen haben wir mehr europäische Kontakte als auf den anderen Gebieten. Wir haben natürlich auch in Bezug auf Asylfragen – ich bin ja auch der Vorsitzende von Pro Asyl – eine sehr intensive europäische Zusammenarbeit. Aber was den Rassismus gegenüber Schwarzen angeht, habe ich den Eindruck, dass dies im europäischen Umfeld momentan eine geringe Rolle spielt. Deswegen gibt es auch weniger Austausch. Zum Islam haben wir dagegen Veröffentlichungen herausgegeben über den „Islam in den europäischen Dörfern” und wir haben häufig Einladungen aus dem Ausland zum Thema des Zusammenlebens mit Muslimen und Juden. Da gibt es einen Austausch.

Wie hat sich der 11.September auf Ihre Arbeit im Bereich des interreligiösen Dialogs ausgewirkt?

Die interreligiösen Themen haben uns bereits wesentlich vor diesem Datum beschäftigt. Ich selbst habe schon 1976 die erste islamisch-christliche Arbeitsgemeinschaft in Deutschland auf Bundesebene eingerichtet, zusammen mit Muslimen. Der besondere Ansatz im Interkulturellen Rat sind nun die Abrahamischen Kooperationen mit Juden, Christen, Muslimen und neuerdings auch Bahais. Diese haben schon vor dem 11. September begonnen. Sie haben durch dieses Ereignis neue Anstöße bekommen. Insofern ist der 11. September, so entsetzlich er war, in mancher Hinsicht wichtig geworden, weil manches Positive dabei entstanden ist.

„Aber die Kinder haben Angst vor dem Islam”

Ich habe verschiedene Bücher zu Islamfragen geschrieben und bin nach dem 11. September immer wieder gebeten worden, Vorträge über den Islam zu halten. Mit dieser Bitte rief mich auch eine Lehrerin an einer katholischen Schule an. Ich sagte ihr, dass ich gerne einen Muslim bitten würde, den Vortrag an ihrer Schule zu halten, woraufhin sie antwortete: „Aber die Kinder haben Angst vor dem Islam und vor einem Krieg nach dem 11. September. Weder die Schüler noch die Eltern, noch die Lehrerschaft akzeptieren, dass ein Muslim an unsere Schule kommt.” Ich war schockiert. Dann fragte ich: „Was wäre denn, wenn ich mit einer jüdischen und muslimischen Persönlichkeit an die Schule komme?” Da sagte sie, dass sie das mit den Lehrern besprechen würde. Durch dieses Gespräch ist die Anregung entstanden, solche gemeinsamen Teams von Juden, Christen und Muslimen zusammenzustellen. Von dieser Lehrerin habe ich nie mehr etwas gehört, sie hat mein Angebot nicht angenommen. Ich sage das, weil solche Ängste da sind. Daher macht es Sinn, Abrahamische Teams in Schulen zu schicken, wo Juden, Christen, Muslime kurz ihre Position zu ihrer Religion darstellen und dann in ein Gespräch eintreten. In der Zwischenzeit haben wir über 150 Veranstaltungen durchgeführt. Das ist jetzt ganz konkret eine Folge des 11. Septembers.

Im November 2001 merkten wir, dass sich die Stimmung in Deutschland in Bezug auf Muslime unerträglich veränderte. Wir sahen die Notwendigkeit, andere Strukturen zu entwickeln und haben Islamforen aufgebaut, in denen zur Hälfte Muslime zur Hälfte Nichtmuslime zu regelmäßigen Gesprächen zusammenkommen und Fragen des Zusammenlebens erörtern.

Viele Menschen meinen, die Religion stelle ein Hindernis für die Integration dar. Was würden Sie sagen, wenn jemand dagegen darüber spricht, was die Religionen für die Integration leisten können?

Religionen waren in der Geschichte vielfach ein Hindernis für ein gutes Miteinander, ein Beispiel dafür ist unsere deutsche Geschichte. Aber sie können auch viel Positives bewegen. Beispiele dafür sind die vielen interreligiösen Arbeitsgruppen, die es gerade zwischen Juden und Christen, Christen und Muslimen und zwischen allen Religionen in ganz Deutschland gibt. Dort werden oft Vorurteile bearbeitet, abgebaut und neue Formen des Miteinanders eingeübt. Wir haben in Deutschland eine gute Atmosphäre zwischen den Religionen. Zwar haben theologische Dialoge nicht sehr viel gebracht, aber die themenbezogene Zusammenarbeit ist wichtig. Das Thema kann eine medizinische oder wissenschaftliche Frage sein, Fragen, die den Kindergarten oder die Schule betreffen. Es ist wichtig, einen Blick dafür zu haben, dass Menschen unterschiedlicher Religion zusammenarbeiten und ein Thema gemeinsam lösen können. Das trägt dazu bei, Spannungen zwischen Religionen zu überwinden. Aber momentan sind die Religionen weitgehend mit sich selbst beschäftigt und nehmen diese Aufgabe zu wenig wahr.

Was sind die den Dialog erschwerenden Faktoren sowohl auf christlicher als auch auf muslimischer Seite?

Ich fange beim Christentum an. Hier ist erschwerend, dass es einzelne missionarische Aktivitäten gibt. Erschwerend ist auch, dass viele Christen sagen, sie müssen erst ihre eigene Identität klar bekommen, um in Gespräche einzutreten. Das ist eine Position, die absolut nicht akzeptabel ist, weil wir in einem christlichen Land leben, in dem man erwarten kann, dass Christen eine gesprächsfähige Identität haben. Wenn Christen mit Juden und Muslimen zusammenkommen, dann sind sie häufig verunsichert und sagen: „Ich weiß nicht, wie ich die Fragen beantworten soll”. Bei jüdischen und muslimischen jungen Menschen ist es so, dass sie ständig über ihre Religion gefragt werden, und deswegen bilden sich bei ihnen Kenntnisse heraus.

„Das DITIB-System ist ein Problem”

Wie sind die Probleme auf der muslimischen Seite zu lösen? Was müssen die Muslime tun, damit sie mit den Problemen, mit denen sie konfrontiert werden, umgehen können?

Bei den Muslimen ist ein zentrales Problem die Sprache. Dazu gehört, dass die Imame in der Mehrheit nicht ausreichend Deutsch sprechen können. Das ganze DITIB-System mit dem ständigen Wechsel der Imame ist schwierig. Wir haben wenig ausgebildete Imame, die für einen qualifizierten Dialog befähigt sind. Und dann eben die Tatsache, dass wir hier keine Fakultäten, Universitäten haben, sodass Muslime sich nicht entsprechend qualifizieren können.

Die Muslime sind seit 50 Jahren hier, aber die Ergebnisse des Dialoges sind sehr gering. Hat man den Dialog auf die leichte Schulter genommen?

Der Dialog mit Muslimen hat Mitte der 70er Jahre begonnen, das ist nun schon 30 Jahre her. Es gibt sehr viele Gruppen, die sich seit dieser Zeit darum bemühen. Dort, wo sich gute Dialog-Gruppen gefunden haben, arbeitet man auch weiter.

Aber die EKD-Schrift zeigt ein anderes Bild.

Die bisherige Dialogarbeit fand eher im Stillen statt und ist erst in den letzten Jahren stärker öffentlich geworden. In der im vergangenen Jahr herausgekommenen Handreichung der Evangelischen Kirche in Deutschland „Klarheit und gute Nachbarschaft” gibt es viele Formulierungen, die Hindernisse für den Dialog darstellen. Die Schrift soll der Nachbarschaft und dem Dialog dienen, faktisch aber erschwert sie diesen. Theologisch stehen sich Juden und Muslime nahe, und deswegen sind mir abrahamische Dialogveranstaltungen wichtig, in denen Juden, Christen und Muslime zusammenarbeiten. Da hat die EKD leider noch Probleme.

Darüber haben Sie ein Buch geschrieben…

Ja, deswegen haben wir auch ein Buch des Abrahamischen Forums herausgegeben. Es ist zu bedauern, dass sich die Evangelische Kirche in Deutschland gegenüber abrahamischen Dialogen so zurückhaltend verhält. Der KRM hat in der Stellungnahme zu der EKD-Handreichung gesagt, dass er abrahamische Kooperationen befürwortet. Die EKD muss dazulernen. Sie sollte aus ihrer Geschichte und den Erfahrungen sensibler sein, als sie es gegenwärtig ist. Ich bin froh darüber, dass uns viele Juden dabei helfen, denn auch sie wollen Trialoge.

Die muslimische Seite wird beschuldigt, nicht kritisiert werden zu wollen und damit den Dialog zu verhindern.

Kritische Fragen sind nach meiner Erfahrung von der muslimischen Seite akzeptiert und gewollt. Die Frage ist nur, wie ich diese Fragen stelle. Die von der EKD gegen Muslime verwendeten Beispiele sind nicht aus Deutschland, sondern aus Bangladesch, Pakistan, Saudi-Arabien und anderen Ländern und haben nichts mit Deutschland zu tun. Muslimen werden Fragen gestellt, die für sie in Deutschland irrelevant sind. Wir haben einen Islam in Deutschland, der sich grundsätzlich positiv entwickelt. Das wird nicht zu Kenntnis genommen. In der EKD-Handreichung gibt es kaum theologische Argumentationen, sondern fast nur gesellschaftliche, politische. Die EKD informiert in einer Weise über den Islam, dass Muslime sagen, „Wir können uns darin nicht erkennen”. Man hat ihnen nicht die Möglichkeit gegeben, zu sagen: „Das ist falsch dargestellt”. Die Art und Weise, wie argumentiert wird, ist teilweise fundamentalistisch. In die Redaktionsgruppe wurden bewusst evangelikale Persönlichkeiten einbezogen.

Welche Stellung nehmen evangelikale Persönlichkeiten in der EKD ein?

In der evangelischen Kirche gibt es, wie auch im Islam, unterschiedliche Positionen und wir haben natürlich auch evangelikale Personen. Die soll es da auch geben. Aber eine Kirche muss überlegen, wen sie wofür beauftragt.

Wenn es um den Dialog geht, kann eine fundamentale Einstellung von Nachteil sein…

Bis jetzt hat man eher progressive, eher islamfreundliche Leute gebeten, sich um den Dialog zu kümmern. Jetzt hat man bewusst islamkritische Personen gebeten, einen anderen Akzent zu setzen. Das Ansehen der Kirche hat darunter bei vielen gelitten, doch die Haltung findet auch Zustimmung bei fundamentalistischen Christen und Politikern, die sich über solche ablehnenden Positionen freuen. Ich hörte, dass viele Politiker diese Handreichung benutzt haben, um ihre Vorurteile gegenüber dem Islam bestätigt zu bekommen. Das ist nicht Aufgabe der Kirche.

Es wird immer wieder vorgeworfen, der Islam schreibe den Europäern vor, wie sie sich zu verhalten haben. Dabei hat man seit 50 Jahren keine Muslime gesehen, die an Festtagen frei haben oder Pausen für Ihre Gebete wollten, niemand hat für die Einführung von muslimischen Feiertagen oder einen Gebetsruf mit Megafon demonstriert. Wovor hat man in Wirklichkeit Angst?

Wenn der Vatikan vor einer Islamisierung Europas warnt

Es gibt keinen Grund, vor der großen Mehrheit der Muslime in Deutschland Angst zu haben. Aber in den Köpfen spielen sich ganz andere Prozesse ab. Da wird zum Beispiel in einer CSU-Stellungnahme, vom Spiegel oder vom Vatikansprecher vor einer Islamisierung Deutschlands oder Europas gewarnt. Das heißt, es wird den Leuten gesagt: „Unsere kulturelle Identität wird sich verändern und wir werden hier zu Muslimen werden”.

Das ist absolut unsinnig, aber dadurch wird Menschen Angst gemacht. Die Zahl der Muslime wird weiterhin langsam ansteigen, aber auch künftig relativ gering sein. Ängste werden vor allem dadurch gespeist, dass man den Islam mit Terror und überholten Lebensweisen wie Frauenunterdrückung in Verbindung bringt. Deswegen sagen Menschen, dass sie Angst vor der Ausbreitung des Islams haben. Der Islam, der sich in Deutschland oder Europa ausgeprägt hat, hat damit nichts zu tun.

Ich brauche nicht zu sagen, dass wir auch in Deutschland mit terroristischen Anschlägen von Kriminellen rechnen müssen, die sich auf den Islam berufen, was sie eigentlich nicht können. Wir müssen sehen, dass die muslimischen Bürger in diesem Land ordentliche Menschen sind. Sie sind fleißige Arbeiter und es gibt natürlich genauso problematische Menschen darunter, wie bei den Deutschen.

Moscheebau und Minarette sind in aller Munde und man wirft den Muslimen vor, nicht integriert zu sein. Wie sieht es mit Migranten anderer Religionen aus?

Es ist ganz entscheidend festzuhalten, dass Moscheen und Kirchen Orte der Integration sind. Ich war 13 Jahre lang in der Evangelischen Kirche in Deutschland zuständig für die Beziehung zu den orthodoxen Kirchen. Die orthodoxen Kirchen haben als erste ihre Kirchen aufgebaut und diese stellen Orte dar, von denen die Menschen sagen, sie hätten dort ihre Heimat. Das gleiche gilt für Moscheen. Es gab auch Bürgerinitiativen gegen den Bau von orthodoxen Kirchen, wie zum Beispiel in Bebra. Die Bevölkerung sieht es nicht und es wird ihr auch gar nicht vermittelt, dass Kirchen und Moscheen Orte der Integration sind. Je größer Moscheen sind, umso mehr Deutsch-Kurse, interreligiöse Begegnungen, Einladungen zu Iftar-Feiern etc. gibt es. Wir haben 2007 die Schrift „Moscheen als Orte der Spiritualität und Integration” herausgegeben. Wir wollten bewusst zeigen, welche positive Funktionen Moscheen haben. Es gibt 2500 Moscheen in Deutschland und der Verfassungsschutz sagt, dass davon etwa 30 problematisch sind. Über diese wenigen Moscheen wird sehr viel berichtet und das schürt Ängste. Gerade Moscheen mit Minaretten sind Moscheen, über die die Muslime sagen: „Wir leben hier und zeigen unsere Präsenz.” Das ist ein Zeichen von Integration. Je höher das Minarett, desto besser integriert.