Der Autor des Buches „Der Islam-Irrtum. Europas Angst vor der muslimischen Welt

HINTERGRUND Im Nahen Osten ändern sich die politischen Konstellationen nahezu täglich. Welcher Staat mit einem anderen ein Bündnis schmiedet und welche radikale Gruppe von wem unterstützt wird, ist selbst für Experten schwer zu entschlüsseln. In den letzten Monaten ist eine Annäherung zwischen dem Iran und der USA zu beobachten. Die Türkei hat in der Region an Einfluss verloren und die Kurden erhoffen sich mit der Unterstützung der USA einen eigenen Staat gründen zu können.

Der langjährige außenpolitische Korrespondent der ZEIT, Michael Thumann, beschreibt in seinem aktuellen Beitrag ein neues Bündnis, das auf den ersten Blick als unwahrscheinlich erscheint. Nach Einschätzung Thumanns arbeiten die Regierungen Israels, Saudi-Arabiens und Ägyptens eng zusammen. Was sie eint sind die gemeinsamen Gegner in der Region: Der Iran, die Muslimbrüder und die Terrororganisation „Islamischer Staats im Irak und in Syrien“ (ISIS, mittlerweile nur noch IS), die jüngst die nahöstliche Arena betreten hat.

„Die Hamas hat eine Allianz gegen sich: Israel, Ägypten und Saudi-Arabien“

Thumann schreibt in Bezug auf den aktuellen Konflikt in Gaza: „Hamas ist nicht nur Lieblingsfeind der israelischen Regierung, sondern auch Gegner der ägyptischen und saudischen Herrscher.“ Mit Verweis auf die harsche Vorgehensweise der ägyptischen Regierung gegen die Muslimbrüder und der strengen Sicherheitspolitik des saudischen Königshauses gegenüber radikalen Gruppen im eigenen Land schlussfolgert er: „Der politische Islam und die Hamas haben eine formidable Allianz gegen sich: Israel, Ägypten und Saudi-Arabien.“

Der Autor des Buches „Der Islam-Irrtum. Europas Angst vor der muslimischen Welt“ berichtet außerdem von einer nachrichtendienstlichen Kooperation Israels mit dem saudischen Königshaus und nennt dabei als Zentralfigur Turki al-Faisal (Bild), der von 1977 bis 2001 Chef des saudischen Auslandsgeheimdienstes war und momentan die königliche Stiftung „King Faisal Centre for Research and Islamic Studies“ leitet: „Obwohl Riad und Jerusalem keine offiziellen Beziehungen haben, treffen sich Saudis und Israelis laufend. Ihre Annäherung kehrt die alten nahöstlichen Gewissheiten um. Im Mai besprachen sich die Ex-Geheimdienstchefs beider Länder ausgiebig in Brüssel. (Der saudische Geheimdienstchef) Turki al-Faisal steht im Mittelpunkt dieser saudischen Volte. In München lobte der Ex-Geheimdienstchef jüngst die israelische Justizministerin Tzipi Livni. Israelische und saudische Diplomaten treffen sich in Marokko und Indien, in Wien und Genf. Kein Kaffeehaus, das zu eng für sie wäre.“