Der Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour hat eine nationale Strategie für die Integration von Migranten gefordert. „Aus der aktuellen Integrationslotterie, einem diffusen Patchwork der Programme von Kommunen, Gemeinden und Ländern, NGOs, Organisationen und Initiativen, muss ein klares, bundesweites Konzept werden“, so Mansour in einem Gastbeitrag für die „Welt“ (Donnerstagsausgabe).

Dabei müsse es vor allem darum gehen, gezielt die im Grundgesetz verankerten, demokratischen Werte zu vermitteln. Es müsse klar kommuniziert werden, dass in Deutschland ein staatliches Gewaltmonopol herrsche. „Private Gewalt ist tabu und strafbar. Frauen und Kinder werden respektiert. Die Grundrechte gelten für alle. Ressentiments wie Antisemitismus werden nicht toleriert“, so Mansour. Ängste auf beiden Seiten müssten erkannt, ernst genommen und abgebaut werden. „Es gilt, verständlich zu machen, welch ein Geschenk die Freiheit in diesem Land darstellt.“ Dafür sei es elementar, dass alle eine gemeinsame Sprache sprechen.

„Politik muss heute endlich handeln“

Der Politik warf der Psychologe mit israelisch-arabischer Herkunft wenige Tage vor der Bundestagswahl Oberflächlichkeit, Naivität und Hilflosigkeit vor. Integration sei keine „Kurzzeitmaßnahme“, sondern werde die Gesellschaft auch noch 2020 und 2030 beschäftigen. „Aber das Handeln muss heute – endlich! – beginnen“, forderte er. Beim Blick in die programmatischen Aussagen der Parteien werde jedoch klar, dass es nach wie vor am politischen Willen fehle, langfristig angesetzte Konzepte und konkrete Pläne zu entwickeln, um Menschen, die neu in die Gesellschaft kämen, angemessen zu integrieren.

Integration müsse künftig über die Bereitstellung von Wohnraum, Spracherwerb und medizinische Versorgung hinausgehen, forderte Mansour. Die zum Schlagwort gewordene Willkommenkultur ende nicht „mit Teddybären auf Bahnhöfen und auch nicht bei der Beschaffung von Essen oder Kleidung für die erschöpften Menschen“. Zentral seien die Vermittlung von Werten, eine persönliche Begleitung und die Schaffung von Zugängen in die Mehrheitsgesellschaft.

KNA/iki

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