deutsche und israelische Fahne bei Pegida-Demonstration

Der israelische Historiker Moshe Zimmermann hat vor einer Zusammenarbeit der israelischen Regierung mit europäischen Rechtspopulisten gewarnt. Mit großer Verwunderung habe er registriert, dass sich im April der Obmann der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Heinz-Christian Strache, in Israel mit Regierungsvertretern getroffen habe, sagte Zimmermann am Donnerstagabend auf einer Podiumsdiskussion in der Katholischen Akademie Hamburg.

„Es entstehen Allianzen, die uns verwirren müssen, mit rechtsradikalen Kräften, die de facto antisemitisch eingestellt sind“, so der an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrende Wissenschaftler. Strache war den Angaben zufolge auf Einladung der Likud-Partei des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu Mitte April nach Jerusalem gekommen.

Bereits im Januar habe die Bundessprecherin der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, versucht, in Tel Aviv einen Vortrag zu halten, der jedoch abgesagt wurde. Zimmermann sprach von einer „paradoxen Situation“. Diese Politiker seien bei der israelischen Rechten offenbar „sehr willkommen“.

Die Solidarität der AfD mit Israel sei nicht echt, urteilte Anne Goldenbogen von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KiGa) in Berlin. Vielmehr sei dies der Versuch eines Schulterschlusses gegen Muslime als angenommenen „gemeinsamen Feind“. Tatsächlich sei Antisemitismus typisch für rechte Parteien und verbinde sich meist mit Rassismus, Homophobie und Sexismus.

Der katholische Sozialethiker Thomas Hoppe von der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Lage. „Der Ungeist des Antisemitismus zeigt in zunehmender Weise sein bedrohliches Gesicht.“ So scheuten Täter nicht mehr vor Angriffen auf Juden auf offener Straße zurück. In Schulen sei „Du Jude!“ zu einem Schimpfwort geworden.

Viele junge Israelis seien bereits aus Berlin weggezogen, weil sie sich dort nicht mehr sicher fühlten. Sie träfen in der deutschen Gesellschaft auf eine „irritierende Sprachlosigkeit und Kälte, wenn es um ihre Sorgen geht“. (kna/dtj)