Das Hidiv Kasri in Istanbul

Über die deutschen Spuren in Istanbul berichteten wir bereits. Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschlug es viele Deutsche nach Istanbul. Aber wussten Sie, dass sich zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch viele Ägypter in dem damaligen Konstantinopel (heute Istanbul) heimisch fühlten? Auch sie hinterließen ihre Spuren in der Bosporus-Metropole in Form von verschiedenen Gebäuden.

Die türkisch-ägyptische Beziehungen gehen zurück ins 15. Jahrhundert. Die Osmanen hatten gerade Konstantinopel erobert, die Mamluken ihre Macht in Ägypten gefestigt.

Unter Selim I. richtete das Osmanische Reich seinen Blick gen Osten. Die Safawiden im Iran stellten eine Bedrohung dar, Selim hatte beschlossen, sie ein für alle Mal zu verbannen. 1514 wurde die safawidische Armee in die Flucht geschlagen, doch die Osmanen setzten ihren Kriegszug fort. Aus Ostanatolien ging es in den Süden. In Syrien kam es zu Auseinandersetzungen mit den Mamluken. 1517 schließlich wurde Ägypten osmanisches Reichsgebiet.

Von da an war es eine wechselvolle Beziehung, die sich bis zum 1. Weltkrieg erstreckte. Ist man heute in Istanbul unterwegs, so findet man viele Erinnerungsstücke an diese wechselvolle Zeit.

Sakıp Sabancı Museum (Atlı Köşkü, Prenses İffet Hasan Köşkü)

Besucher des Sakıp Sabancı Museums in Emirgan werden ein Gebäude vorfinden, das im Auftrag des Prinzen Mehmed Ali Hasan, Ismail Paşas Sohn, entstanden ist. Dieser beauftragte 1925 den italienischen Architekten Eduardo de Nari, aus seinem Elternhaus ein neues Haus zu bauen. Der Prinz selbst zog nie dort ein. Stattdessen erlaubte er seiner Schwester, Prinzessin İffet Hasan, mit ihren Kindern und Neffen dort einzuziehen. 1951 wurde es an Ömer Sabancı übergeben und seither als Museum genutzt.

Khedives Villa (Hidiv Kasrı)

Von der Terrasse des Sakıp Sabancı Museums aus betrachtet in Blickrichtung Bosporus wird man einen Turm erblicken. Dieser gehört der prächtigen Khedive Villa (Foto) an, die 1907 für Abbas Hilmi Paşa als Ersatz für seinen Palast erbaut worden war. Von außen ist es ein bedeutendes Exemplar im Stil der Neorenaissance und von innen im Jugendstil. Der Architekt ist unbekannt. Zuletzt wurde es in ein Restaurant umgewandelt.

Ägyptisches Konsulat (Valide Paşa Yalı, Hıdiva Sarayı)

Direkt neben dem Bosporus im Stadtteil Bebek und von der Khedive Villa aus gut sichtbar befindet sich eine große Villa, die für Abbas Hilmis Mutter, Emine Hanım, gebaut worden ist. Er war der letzte Khedive (Vizekönig) der nominell osmanischen Provinz Ägypten von 1892 bis 1914. Das Haus ist vor kurzem komplett restauriert worden. Es gehört zu Istanbuls herausragenden Exemplaren der Art Nouveau. Da es als Konsulat genutzt wird, können leider nur wenige Menschen das Innere dieses großartigen Werkes zu Gesicht bekommen. Besonders nachts kann man einen atemberaubenden Blick auf das Gebäude erhaschen, da die Lichter im Dunkeln der Villa ihr etwas Magisches verleihen. Zu den Architekten des Hauses gehören unter anderem die italienischen Designer Raimondi d’Aronco und Antonio Lasciac.

Ägyptischer Wohnblock (Mısır Apartmanı)

Täglich kommen Tausende von Besuchern an diesem Gebäude vorbei. Es ist ein Haus aus dem 19. Jahrhundert an der İstiklal Straße, das so genannte Mısır Apartmanı. 1910 wurde es vom armenischen Architekten Hovsep Aznavuryan für Abbas Hilmi Paşa entworfen, der dort während seiner Winteraufenthalte in Kostantinopel mit seiner Familie wohnen sollte. Nach seinem Tod wurde es in einzelne Appartements aufgeteilt. Im Laufe der Jahre hatten es zahlreiche Prominente bewohnt, unter anderem Mehmet Akif Ersoy, der die türkische Nationalhymne schrieb, Hollywood-Star Virginia Bruce, die mit einem Türken verheiratet war, und Atatürks Zahnarzt. Heute findet man dort ein modernes Restaurant namens „360“ sowie viele kleine Kunstgalerien und Ausstellungen.

Said Halim Paşa Yalısı (Aslan Yalı)

Ebenfalls am Bosporus in Yeniköy steht ein rekonstruiertes Yalı, eine Villa, die 1878 von dem Architekten Petraki Adamanti für Abdülhalim Paşa, den Sohn Ali Paşas, konstruiert worden ist. Dieses Gebäude wurde wahrscheinlich später von seinem Sohn Said Halim Paşa (1864-1921) bewohnt, der von 1913 bis 1917 ein Großwesir im Osmanischen Reich war. Die Villa wird nun für Hochzeiten und weitere Veranstaltungen gebucht.

Emirgan Korusu (Emirgan Wälder)

Sultan Abdülaziz hegte eine Hassliebe zu İsmail Paşa, doch er erlaubte ihm, sein Exil in Emigran zu beenden. Dort hatte er zahlreiche Villen am Wasser bauen lassen, die man seitdem allerdings alle aus den Augen verloren hatte. Stattdessen kann man den Khediven für die drei Pavillons danken, Pembe (Pink), Beyaz (Weiß) and Sarı (Gelb) Köşkleri, die in Form von Café-Restaurants in den Wäldern überlebt haben. Sie sind mittlerweile auch alle restauriert worden.

Heybeliada

Viele berühmte ägyptische Politiker und Staatsbedienstete verbrachten gerne Zeit auf Heybeliada, der zweitgrößten der Prinzeninseln. Zwischen 1897 und 1899 entwarf Aznavuryan ein Gebäude, das von der Kavalalı Dynastie durch Abbas Halim Paşa Köşkleri finanziert werden sollte. Die Selamlık (der Männerbereich) wurde 1945 zerstört und es blieben nur die Torpfosten übrig, die mit Lotus geschmückt sind. Das hölzerne Haremlik (Bereich für Frauen) ist aufrechterhalten worden und befindet sich in Privatbesitz. Dieser Bereich ist jedoch in einem etwas nüchternen Stil gestaltet worden. 1911 zahlte Abbas Hilmi Paşa für die Renovierung des Tores, das zum Muslimfriedhof der Insel führte, eine höhere Summe. Allerdings ist an dem Design nichts typisch Ägyptisches mehr zu finden.

Zeynep Kamil Hastanesi (Zeynep Kamil Krankenhaus)

Üsküdar, das Krankenhaus, das immer noch den Namen seiner Gründer trägt, ist die erste private gemeinnützige Einrichtung der Stadt. Es ist ebenfalls ein Erinnerungsstück an die Kavalalı Dynastie. Zeynep Hanım (1826-84) ist die Tochter von Mehmed Ali Paşa. Diese heiratete Yusuf Kamil Paşa, den Großwesir von Sultan Abdülaziz, im Jahr 1863. Zusammen gründeten sie das Krankenhaus im Jahre 1862. Allerdings war es erst 1882 vollständig. Das Mausoleum des Paares kann heute vor Ort besucht werden.