09.06.2011, Türkei, Marmarameer: Istanbul und die Umgebung im Nordwesten der Türkei, aufgenommen vom MERIS-Gerät vom Satelliten Envisat der European Space Agency (ESA). Im Norden liegt das Schwarze Meer, das über die Bosporusstraße mit dem Marmarameer (Mitte) verbunden ist. Die Dardanellenstraße verbindet die Marmara mit dem Ägäischen Meer (untere linke Ecke). Die größte Stadt der Türkei, Istanbul, liegt in der Nähe des Bildmittelpunktes an der Bosporusstraße. Istanbul erstreckt sich über zwei Kontinente (Europa und Asien) und ist damit ein echter Treffpunkt von Ost und West. Die Lage der Türkei macht sie anfällig für Erdbeben, denn die 1000 Kilometer lange nordanatolische Störung liegt nur 15 Kilometer südlich von Istanbul. Da Erdbeben plötzlich dazu führen können, dass aktuelle Karten veraltet sind, sind Satellitenbilder nützlich, um die Ansichten über die Auswirkungen der Landschaft zu aktualisieren und Referenzkarten für Notfallmaßnahmen zu erstellen. Darüber hinaus ermöglichen Satellitenbilder des Gebietes vor und nach der Aufnahme eine zuverlässige Schadensbewertung als Grundlage für die Planung von Sanierungsmaßnahmen.
09.06.2011, Türkei, Marmarameer: Istanbul und die Umgebung im Nordwesten der Türkei, aufgenommen vom MERIS-Gerät vom Satelliten Envisat der European Space Agency (ESA). Im Norden liegt das Schwarze Meer, das über die Bosporusstraße mit dem Marmarameer (Mitte) verbunden ist. Die Dardanellenstraße verbindet die Marmara mit dem Ägäischen Meer (untere linke Ecke). Die größte Stadt der Türkei, Istanbul, liegt in der Nähe des Bildmittelpunktes an der Bosporusstraße. Istanbul erstreckt sich über zwei Kontinente (Europa und Asien) und ist damit ein echter Treffpunkt von Ost und West. Die Lage der Türkei macht sie anfällig für Erdbeben, denn die 1000 Kilometer lange nordanatolische Störung liegt nur 15 Kilometer südlich von Istanbul. Da Erdbeben plötzlich dazu führen können, dass aktuelle Karten veraltet sind, sind Satellitenbilder nützlich, um die Ansichten über die Auswirkungen der Landschaft zu aktualisieren und Referenzkarten für Notfallmaßnahmen zu erstellen. Darüber hinaus ermöglichen Satellitenbilder des Gebietes vor und nach der Aufnahme eine zuverlässige Schadensbewertung als Grundlage für die Planung von Sanierungsmaßnahmen. Foto: Envisat/ESA/dpa

Menschen rennen aus Gebäuden, Schüler weinen. Zweimal innerhalb weniger Tage wackelt in Istanbul die Erde. Und die Menschen fragen sich: Sind das Vorzeichen eines großen Bebens?

Das zweite Mal innerhalb weniger Tage hat ein Erdbeben die Marmararegion vor der Millionenmetropole Istanbul erschüttert. Das Beben der Stärke 5,8 war am Donnerstag bis ins Zentrum Istanbuls zu spüren. Der Erdbebenherd lag im Marmarameer vor dem Bezirk Silivri und in rund sieben Kilometern Tiefe, wie die Katastrophenschutzbehörde Afad mitteilte. Bereits am Dienstag hatte ein Beben der Stärke 4,6 die Region erschüttert.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte nach seiner Rückkehr aus New York, acht Menschen seien verletzt worden. Einige Gebäude hätten leichte Schäden erlitten. Der Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoğlu verfolgte die Entwicklungen vom Istanbuler Katastrophen-Koordinationszentrum (Akom). Nach dessen Angaben stürzten zwei Minarette von Moscheen in den Bezirken Avcılar und Sarıyer ein.

Warnung vor Nachbeben

Der Staatssender TRT zeigte Menschen, die in Panik aus den Häusern rannten. Schüler wurden im Bezirk Silivri aus Sicherheitsgründen aus den Gebäuden gebracht. Einige Schüler weinten, wie auf Bildern zu sehen war.

Der Chef des türkischen Roten Halbmonds, Kerem Klinik, warnte via Twitter vor Nachbeben. Er rief die Menschen dazu auf, von Gebäuden fernzubleiben, die sichtbare Schäden erlitten hätten. Erdoğan sagte, es habe bereits 28 Nachbeben gegeben und weitere würden erwartet.

Istanbul gilt als erdbebengefährdet

Istanbul gilt als besonders erdbebengefährdet. Unter dem Marmarameer liegt ein Abschnitt der sogenannten Nordanatolischen Störung, die die Grenze zwischen der eurasischen und der anatolischen Erdplatte markiert.

Eines der tödlichsten Beben war eines der Stärke 7,6 im Jahr 1999 in der Nähe Istanbuls. Das Epizentrum lag damals in Gölcük südöstlich Istanbuls. Mehr als 17 000 Menschen kamen ums Leben.

Deutscher Forscher warnte vor großem Beben

Forscher erwarten ein weiteres starkes Beben in der Region, wann ist jedoch unklar. Erst im Juli haben Wissenschaftler um den Kieler Geophysiker Dietrich Lange vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung erhebliche tektonische Spannungen unter dem Marmarameer gemessen. Sie würden reichen, um ein Beben der Stärke 7,1 bis 7,4 auszulösen, wie die Wissenschaftler schrieben.

Erst zum 20. Jahrestag des Gölcük-Bebens im August hatte die Bauingenieurskammer von Istanbul gewarnt, dass geschätzt eine Million Gebäude in Istanbul nicht erdbebensicher seien.

dpa/dtj