Die historische Vahdettin-Wohnung in Istanbuls Bezirk Üsküdar ist beinahe bezugsfertig für ihren neuen Gast. Dieser ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und nach Beendigung der Renovierungsarbeiten wird ihm die Wohnung als Büro dienen.

Im Zuge der Renovierung wurde das Holz, das in der Originalkonstruktion verwendet wurde, durch Beton aus der Siedlung Çengelköy im Bezirk Üsküdar ersetzt und der Platz in diesem Bezirk, an dem die Wohnstätte ursprünglich gestanden hatte, war zerstört und mit Betonbauten bebaut worden. Auch die Struktur des Bauwerks mit seiner auffälligen zwiebelförmigen Kuppel wurde verändert, was Kritiker zu der Einschätzung verleitete, die historische Textur des Gebäudes sei verlorengegangen.

Die Vahdettin-Wohnung, wo die letzten Sultane des osmanischen Reiches residierten, bevor sie den Thron bestiegen, blickt über den Bosporus. Im Jahre 1984 wurde das Gebäude, das in Mitten eines 50 723 Quadratmeter großen Hain liegt, als unverrückbares Kulturgut registriert worden, das geschützt werden müsse. Die Wohnstätten im Hain wurden während der Regierungszeit des Premierministers Turgut Özal unter Federführung des Religionsamtes (Diyanet) wiederhergestellt. Die jüngste Renovierung der Vahdettin-Wohnung wurde 2012 begonnen und wurde durch den Architekten Sinan Genim ausgeführt.

Vahdettin soll ohne Genehmigung des Präservationsrates renoviert worden sein

Medienberichten zufolge soll vor Beginn der Renovierungsarbeiten keine Genehmigung durch den Rat für die Erhaltung des kulturellen und natürlichen Erbes eingeholt worden sein. Im Zuge der Neugestaltungen wurden größere Strukturen, Parkplätze und ein Landeplatz für Helikopter auf dem Grundstück geschaffen, auf dem die Wohnung liegt. Diese soll zu Erdoğans Istanbuler Dienstzimmer werden.

Die Fertigstellung der Dienstwohnung erfolgt damit nur wenige Wochen nach dem Einzug des Präsidenten in den neu erbauten Präsidentenpalast im Westen Ankaras. Der neue Palast, Ak Saray (Weißer Palast), kostete 1,37 Mrd. TL (615 Mio. US-Dollar) und war im Atatürk-Forst (AOÇ) auf einem Areal von 300 000 m² erbaut worden. Dafür mussten 3000 Bäume abgeholzt und 13 000 umgepflanzt werden.

Kritik an vermeintlich zu hohem Repräsentationsaufwand wies Erdoğan indessen zurück. Er sei nicht daran interessiert, persönliche Domizile zu haben, äußerte er am Samstag in seinem Privatjet gegenüber Journalisten.

Kılıçdaroğlu: „Wir bewohnen keine Paläste“

Er bewohne für elf Jahre ein gemietetes Anwesen. Darüber hinaus betonte er, der Staat benötige zudem neue Dienstflugzeuge, da Minister wegen des Mangels an staatseigenen Flugzeugen oft Probleme hätten, Auslandsreisen durchzuführen.

Kritiker werfen Erdoğan vor, er hätte seinen Lebensstil, der ursprünglich sehr karg war, in einen luxuriösen umgewandelt und er soll illegal veröffentlichten Tonbandaufnahmen zufolge 2014 ausgesagt haben, im Bezirk Urla (İzmir) mehrere Villen zu besitzen und dort persönlich die Dekoration zu bestimmen. Der Präsident bestreitet diese Darstellung und betont, er sei dort lediglich Gast der Landhäuser seines seiner Familie nahe stehenden Freundes Mustafa Latif Topbaş.

Am Samstag kritisierte auch der Vorsitzende der Cumhuriyet Halk Partisi (Republikanische Volkspartei; CHP), Kemal Kılıçdaroğlu, die Höhe der Repräsentationsausgaben für Dienstimmobilien. „Wir leben in keinen Palästen“, äußerte der CHP-Chef während einer Veranstaltung in Ankara.