Istanbul: Historischer Basar droht einzustürzen

Er gilt als das pulsierende Herz des historischen Istanbuls, für Touristen ist er ein Muss: Der Große Basar (Kapalı Çarşı). Mit seinen verschlungenen Ladenstraßen, den unzähligen Geschäften, in denen feilschende Händler von antiken Möbeln über Textilien und Gewürze bis hin zu Gold- und Silberschmuck alles anpreisen und die staunenden Touristen mit einem heißen Çay oder einem „Good price, good price“ zum Kauf überreden wollen, versprüht der Große Basar ein überwältigendes orientalisches Feeling.

Doch was viele Touristen und selbst viele Einheimische nicht wissen, ist, dass die schöne Fassade des Basars im wahrsten Sinne des Wortes bröckelt. Seit 2009 unterzieht die Istanbuler Stadtverwaltung den historischen Großen Bazar einer Generalrestauration. Dabei wurde nun festgestellt, dass viele Ladenbesitzer durch illegale, selbst durchgeführte Bauarbeiten die Stabilität der Baustruktur des Bazars massiv beeinträchtigt haben.

Ladenbesitzer unterhöhlen historisches Gemäuer

Trotz der 2009 vereinbarten Zusammenarbeit zwischen der Bazarverwaltung und der Stadtverwaltung bei der Renovierung der historischen Anlage kommen die Arbeiten nicht voran. Die türkische Tageszeitung „Today’s Zaman“ berichtete, dass von den Behörden bislang lediglich eine dreistufige Schadenserhebung durchgeführt wurde. Diese Schadenserhebung ergab nun, dass viele der Ladenbesitzer nicht genehmigte Bauarbeiten durchgeführt haben.

Insgesamt sollen 135 Läden durch Wanddurchbrüche im Basar illegal erweitert worden sein, in 242 Fällen wurden in teils tragende Wände Löcher gehauen, um Abstellkammern oder zusätzliche Arbeitsflächen zu schaffen. In 926 Geschäften wurde die Ladenfläche durch das Aushöhlen oder die Verdünnung der Wände vergrößert und in 52 Fällen wurden illegal Keller unter den Läden errichtet und Stahlbalken aufgestellt.

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Durch diese oft unprofessionellen illegalen Arbeiten droht der berühmte Basar der Zeitung zufolge in jedem Moment zusammenzubrechen.

Die ausgedünnten Wände und die Unterhöhlung durch selbstgegrabene Keller haben die Struktur des Gebäudekomplexes massiv geschwächt. An den alten Basardächern lasten außerdem hunderte Klimaanlagen, Satellitenschüsseln und Wassertanks. Die Basarverwaltung hat in ihrem Report nun angekündigt, rechtliche Schritte gegen diejenigen Ladenbesitzer zu unternehmen, die illegale Bauarbeiten im Basar durchgeführt haben.

Kein Termin für Beginn der dringend benötigten Restauration

Die Gesamtkosten der offiziellen Generalrestaurierung werden auf rund 200 Millionen türkische Lira geschätzt. Zwar werden die Ladenbesitzer für einen bislang noch nicht festgelegten Teil der Kosten aufkommen, doch ist bislang unklar, wer den Hauptteil der Kosten decken wird. Die offiziellen Stellen streiten sich außerdem darum, wann die Restaurierung des Basars beginnen soll.

Der Basar beherbergt rund 3600 Läden und etwa 25 000 Arbeitsstellen hängen direkt mit dem Basar zusammen. Die Anlage wurde von Sultan Mehmet dem Eroberer im Jahre 1461 errichtet und ist heute eines der berühmtesten Wahrzeichen Istanbuls. Täglich besuchen zwischen 300 000 und 500 000 Menschen den Basar, der dem amerikanischen Reisemagazin „Travel and Leisure“ zufolge zu den 50 meistbesuchten Touristenattraktionen der Welt gehört.