„Istanbul - Sehnsucht nach Heimat“ - Zurück ins Land der Eltern

Es gibt den Traum von einem besseren Leben im Herkunftsland von einstigen Gastarbeitern. Einst kamen die Eltern als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland – für ein besseres Leben. Heute wollen es gut ausgebildete Deutsch-Türken ihren Vätern und Müttern gleichtun und auswandern – in das Land ihrer Eltern. Auch sie träumen von einem besseren Leben, wenn auch mit anderen Voraussetzungen als ihre Eltern damals. Viele fasziniert dabei die Mega-City Istanbul am Bosporus. Der SWR-Dokumentarfilm „Istanbul – Sehnsucht nach Heimat“ von Mouhcine El Ghomri begleitet eine Familie und eine Frau, die es dorthin zieht. Was sie antreibt, wie sie planen und ob sich ihre Träume verwirklichen, zeigt das SWR-Fernsehen am Montag um 23.30 Uhr.

Die Eltern von Fatima Pepe stammen aus der Türkei. Ihr nicht mehr lebender Vater und ihre Mutter hatten sich eine Eigentumswohnung in Istanbul erarbeitet. Dort will die Bremerin, die in Stuttgart lebt, hin. „Bremen ist meine Heimat, Istanbul ist mein Zuhause“, sagt die 38-jährige Sozialpädagogin in der Doku. Sie fühlt sich als Bremerin, die verliebt ist in Istanbul. „Istanbul ist eine Sucht“, sagt Fatima, die sich dort um Stellen bewirbt. Denn ohne finanzielle und berufliche Sicherheit, will sie Deutschland nicht verlassen. Sie sei mit ihrer Arbeit in Stuttgart zufrieden, aber sie will die Erfahrung in Istanbul machen. Beide Kulturen und Sprachen trägt sie in sich.?

Bei Özcan Örkü aus Esslingen am Neckar ist die Situation anders. Seine Frau Tulay kam vor acht Jahren wegen der Heirat aus Istanbul zu ihm nach Deutschland. Aber richtig wohl gefühlt hat sie sich bisher nicht. „Ich denke nicht, dass ich hierher gehöre“, sagt Tulay in dem Film. Die Menschen in Deutschland empfindet sie als kalt. Dass Tulay nie richtig ankommen konnte, belastete auch die Beziehung zu ihrem 29 Jahre alten Mann Özcan. Der Schwabe entscheidet sich nach anfänglichen Zweifeln: Gemeinsam mit Tulay und der Tochter Mina soll es nach Istanbul gehen. „Ich sehe zukunftsmäßig sehr Positives für uns“, sagt Özcan. Der Großkundenbetreuer einer Esslinger Firma hat gute Chancen bei deutschen Firmen, die in der Türkei aktiv sind.?

Die Dokumentation von El Ghomri macht deutlich, dass es verschiedene Gründe gibt für Deutsch-Türken, ihre Zelte in Deutschland abzubrechen. Oftmals spielen Sehnsüchte, die Suche nach Wurzeln, bessere Berufsperspektiven, aber auch reine Neugier eine Rolle. Denn viele machen die Erfahrung, immer wieder mit dem Land der Eltern in Verbindung gebracht zu werden. Sie sind keine Rückkehrer, sie sind Entdecker. So mancher kam auch schon wieder zurück. (dtj/dpa)