Im Prozess gegen mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz IS wegen eines Anschlags auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul ergeht nun doch noch kein Urteil. Der Richter vertagte die Verhandlung in Istanbul am Montag auf den 8. Januar. Vier Verdächtige, denen langjährige Haftstrafen drohen, bleiben nach einer Entscheidung des türkischen Gerichts wegen dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft. Ein fünfter inhaftierter Angeklagter wird bis zum Urteil auf freien Fuß gesetzt.

Bei dem Selbstmordanschlag am 12. Januar 2016 in der Istanbuler Altstadt hatte der Attentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen, 16 Menschen waren verletzt worden. Ursprünglich hatten Anwälte am Montag mit einem Urteil gerechnet. Nach Angaben von Verteidigern wurde das Verfahren vertagt, weil die inhaftierten Angeklagten aus logistischen Gründen am Montag nicht vom Gefängnis im Istanbuler Stadtteil Maltepe zum Gericht gebracht werden konnten. Insgesamt sind 26 Verdächtige angeklagt.

Hauptverdächtigen droht jeweils 13 mal lebenslange Haft

Für die drei syrischen Hauptverdächtigen fordert die Staatsanwaltschaft Medienberichten zufolge jeweils 13 mal lebenslange Haft. Ihnen wird neben dem Mord an zwölf Deutschen vorgeworfen, sie hätten die verfassungsmäßige Ordnung umstürzen wollen. Einem Iraker drohen wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS bis zu 15 Jahre Haft. Für die restlichen Angeklagten – die meisten davon Syrer – werden Freisprüche erwartet.

Die türkischen Behörden identifizierten den 1988 in Saudi-Arabien geborenen Syrer Nabil Fadli als Attentäter bei dem Anschlag vom Januar 2016. Fadli war laut Gerichtsunterlagen IS-Anhänger und ließ sich rund einen Monat vor dem Attentat von Syrien aus in die Türkei schmuggeln. Die türkische Regierung macht den IS für den Anschlag verantwortlich, der sich jedoch nie dazu bekannt hat. Das Gerichtsverfahren hatte im Juni 2016 begonnen.

[paypal_donation_button]

dpa/dtj