Trotz seines totalitären Regimes galt Turkmenistan in den letzten Jahren dank seiner reichen Rohstoffvorkommen als ein zentralasiatisches Wirtschaftswunderland. Selbstgefällige Beurteilungen der eigenen Wirtschaftskraft aus der Hauptstadt Aşgabad sind bei angesehenen internationalen Institutionen auf offene Ohren gestoßen. Nach Angaben von EurasiaNet sollten aktuelle IWF-Studien wie die vom 10. November 2015 jedoch die Alarmglocken schrillen lassen. Der Einschätzung liegt eine Studie des IWF vor Ort zugrunde, die sich mit aktuellen ökonomischen Entwicklungen und Herausforderungen befasst. Wie für den IWF typisch, beginnt die Studie mit einer positiven Nachricht: „Turkmenistan hat im vergangenen Jahrzehnt ein starkes Produktionswachstum realisieren können. Die Verantwortlichen konnten in Zeiten von hohen Preisen bei Erdöl und Erdgas durch gezielte Maßnahmen auf dem Markt von fossilen Brennstoffen das Pro-Kopf-Einkommen mehr als verdoppeln“, so IWF-Missionsleiter Björn Rother.

Sinkende Rohstoffpreise verstärken hausgemachte Probleme

Durch den Energiereichtum konnte sich das Land Währungsreserven anlegen, die nach Einschätzungen der Studie den Einfuhrbedarf für die nächsten 30 Monate abdecken. Wenig überraschend mangele es der Wirtschaft allerdings an Diversität und sie leide an einem unterentwickelten privaten Sektor, der für die Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen unabdingbar ist.

Seit 2014 haben sich nun die äußeren Rahmenbedingungen für die turkmenische Wirtschaft speziell durch drei Entwicklungen deutlich verschlechtert, mit langfristigen Auswirkungen für alle zentrallasiatischen Länder. Die Preise für Erdöl und Erdgas sind eingebrochen, der wirtschaftliche Austausch mit Russland und China tritt auf der Stelle und der Druck auf die einheimische Währung habe zugenommen. So sei zum Beispiel der Wert des kasachischen Tenge gegenüber dem Dollar in den vergangenen 16 Monaten um rund 20 Prozent zurückgegangen und musste durch Intervention der Nationalbank gestützt werden.

Schwerer Abschied von Subventionen

Rother sagte weiter, dass durch diese Einflüsse das Wirtschaftswachstum von zehn Prozent in 2014, auf sieben Prozent 2015 gesunken ist und 2016 weiter auf sechs Prozent sinken werde.

Es deute sich jetzt an, dass die turkmenische Regierung die Bevölkerung langsam auf einen Abschied von ihrer Subventionskultur vorbereite, die der 2006 verstorbene Präsident Saparmyrat Nyazow am Ende seiner Amtszeit ins Leben gerufen hatte. Im Januar des vergangenen Jahres sprach Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow erstmals von der Notwendigkeit, Erdgas einzusparen und Gaszähler in den Haushalten zu installieren. Die kostenlose Belieferung der Bevölkerung koste dem Staat mehr als fünf Milliarden Dollar im Jahr.

Politische Veränderungen unerwünscht

Aus Sicht des IWF solle die Politik die Vergabe gelenkter Kredite einschränken. Da durch die Firmen mit Staatskrediten finanziert werden und keinen Bezug zu den echten Marktpreisen und realen Kosten hätten. Privatisierungen würden für das Land eine Öffnung bedeuten, die von der politischen Führung des Landes zurzeit nicht gewünscht ist. Sollten die niedrigen Rohstoffpreise in den nächsten 24 Monaten unverändert bleiben, geriete die Regierung in Aşgabad immer mehr unter Druck.