In Izmir hat die türkische Polizei einen schockierenden Fund gemacht: Bei einer Razzia hat sie eine Werkstatt ausgehoben, die gefälschte Rettungswesten für Flüchtlinge herstellt. Die über 1200 konfiszierten Rettungswesten waren nicht wie eigentlich nötig aus einem schwimmfähigen Material gefertigt, sondern mit Verpackungsmaterial gefüllt, das sich im Wasser vollsaugt und so sogar den gegenteiligen Effekt hat, die Träger herunterzuziehen. Zwei der vier Arbeiter, von denen die Westen produziert wurden, sind selbst minderjährige syrische Flüchtlingsmädchen.

Viele der Flüchtlinge, die die gefährliche Überfahrt von der türkischen Westküste auf die nahegelegenen griechischen Inseln riskieren, versuchen sich vorher Rettungswesten zu besorgen, um ihre Überlebenschancen im Falle eines Kenterns zu erhöhen. Wie der BBC-Korrespondent James Reynolds berichtet, müssen sie dabei für eine echte Rettungsweste bis zu 130 Euro aufbringen, während eine der gefälschten Westen nur ein Zehntel des Geldes kostet.

Erst am Dienstag gingen erschütternde Bilder durch türkische Medien und soziale Netzwerke, die zeigten, wie 34 Leichen an der westtürkischen Küste angespült wurden, viele davon Kinder. Viele von ihnen trugen ebenfalls Rettungswesten. Ob es sich um gefälschte handelte, ist nicht bekannt – genutzt haben sie aber ganz offensichtlich nicht.

Bereits letzten August hatte die BBC-Korrespondentin Manveen Rana vom florierenden Handel mit Rettungswesten in Izmir berichtet. Die westtürkische Küstenmetropole ist eigentlich ein beliebtes touristisches Zentrum, wurde jedoch letztes Jahr zu einem der Hauptumschlagplätze für Schlepperbanden; Flüchtlinge sind mittlerweile fester Teil des Stadtbildes. Was damit an Touristen wegbricht, kompensieren viele Händler mit dem Verkauf von Rettungswesten und anderen Utensilien an Flüchtlinge.