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Am zweiten Jahrestag der Gezi-Park-Proteste am Taksim-Platz in Istanbul kam es zu einem Polizei-Übergriff auf einen Reporter. Um mögliche Proteste zum Jahrestag zu verhindern, begann die Istanbuler Polizei am Sonntagmorgen um 10 Uhr, den Gezi-Park zu räumen. Dabei traf sie auf den Reporter Emre Şencan von der Zeitung Zaman, der vor Ort die Ereignisse mit seinem Handy filmte. Der Polizeibeamte in Zivil schlug auf den Reporter ein und versuchte ihn dabei festzunehmen. Auf die Zurufe des Reporters, dass er Journalist sei, reagierte der Polizeibeamte nicht mehr.

Die Beamten warfen den Reporter zu Boden, dabei trat einer der Polizisten mehrmals in seinen Genitalbereich. Auf die Aufforderung des Reporters, seinen Namen zu nennen, wurde der Polizeibeamte noch wütender und beleidigte den Reporter. Şencan erstattete Anzeige gegen den Polizeibeamten. Die ganze Aktion des Polizisten wurde von einem anwesenden Kameramann gefilmt.

Die sogenannten Gezi-Proteste begannen am 28. Mai 2013 gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Gelände des Gezi-Parks, der unmittelbar an den Taksim-Platz angrenzt. Infolge eines Polizeieinsatzes am 31. Mai 2013 eskalierten die Proteste. Die Proteste verbreiteten sich landesweit. Nach offiziellen Angaben nahmen während der ersten drei Monate mehr als 3,5 Millionen Menschen an rund 5000 Protestaktionen teil. Bis zum 1. August 2013 kamen vier Zivilisten und ein Polizist ums Leben. Die Zahl der Verhafteten wird mit 5000, die der Verletzten mit 8100 angegeben. Vielerorts wurden die Proteste aber auch von regierungskritischen Gruppen für eigene Zwecke missbraucht.