Ein muslimische Hip-Hop-Musikerin geht ihren Weg.
Ein muslimische Hip-Hop-Musikerin geht ihren Weg.

Muneera Williams ist eine junge Jamaikanerin, die zusammen mit ihrer Freundin zum Islam konvertierte. Auch entschieden sich die beiden dazu, ein Kopftuch zu tragen. Das Interessante an ihrer Geschichte aber ist, dass sie Hip-Hop-Sängerinnen sind. Muneera erzählte gegenüber Al-Jazeera English, welche Erfahrungen sie in ihrer Gruppe „Poetic Pilgrimage“ gemacht hat und mit welchen Hindernissen sie zu kämpfen hat.

„Ich wuchs in einem jamaikanischen Haushalt auf und hätte mir damals jemand gesagt, dass ich eines Tages eine Muslimin sein würde, hätte ich gelacht. Der Islam in Großbritannien wirkte so asiatisch, so männlich und so zurückgeblieben. Aber wenn mich und meine Hip-Hop-Gruppe, Poetic Pilgrimage (Poetische Pilgerfahrt), heute jemand fragt, was mich dazu brachte, zum Islam zu konvertieren, kann ich den Gedankenprozess dieser Personen nachvollziehen. Ich kann auch verstehen, dass es für einige ein Gegensatz ist, ein weiblicher Rapper und gleichzeitig Muslimin zu sein.

Entweder liegt es daran, dass der Osten auf den Westen trifft oder es ist die Wahrnehmung von Frauen im Hip-Hop-Bereich, die in dieser Branche offen sexualisiert werden, während sie aus Sicht vieler in der Religion unterdrückt und desexualisiert werden. Dies beides ist der Grund, warum „Poetic Pilgrimage“ oft als etwas Merkwürdiges betrachtet wird.

„Hip-Hop und Islam sind miteinander vereinbar“

Sukina (mein Bandmitglied) und ich machen oft darüber Witze, wenn wir vor neuem Publikum performen und dass es dreier Lieder bedarf, bis sie über den Schock hinweg kommen, dass Frauen mit Kopftuch auf der Bühne stehen, die sie dazu auffordern, das Peacezeichen zu machen.

Für uns war es eine Reise mit vielen Erfahrungen und nun sind wir zu dem Punkt gekommen, dass wir mit unserer Identität zufrieden und glücklich sind. Letzten Endes sind wir Frauen aus Jamaika, die in Großbritannien geboren sind, und der Islam fordert uns nicht dazu auf, unsere Kultur aufzugeben. Es ist sogar ein Glaubenssystem und ein Weg, der uns dabei hilft, unseren Charakter zu veredeln.

Die Reaktionen auf „Poetic Pilgrimage“ sind extrem polarisiert: mutig, unterdrückt, frisch, blasphemisch, vielseitig, einer Gehirnwäsche unterzogen und arrogant sind nur einige der Worte, die benutzt wurden, um uns zu beschreiben.

Wenn wir erklären, warum wir zum Islam konvertiert sind, so ist die erste Vermutung direkt, dass es Männer in unserer Familie gibt, die uns dazu gezwungen haben. Die zweite Vermutung ist, dass wir für einen Mann, [den wir lieben] konvertiert sind und dieser uns dazu zwang, ein Kopftuch zu tragen. Warum sonst sollten zwei Frauen mit jamaikanischer Tradition sich dazu entscheiden, sich komplett zu verhüllen, zumal das Kopftuch von der Politik zum Symbol der Unterdrückung gemacht worden ist.

Eine selten erzählte Geschichte

Leider gibt es auch in muslimischen Kreisen viele Leute, die uns verurteilen. „Poetic Pilgrimage“ ist von Mix-Tapes entfernt worden, unsere Touren sind abgesagt worden und uns wurde an den Kopf geworfen, dass wir direkt in die Hölle gehen würden.

Wir haben gelernt, unsere Karriere mit einem dicken Fell zu beginnen. Von unserer karibischen Kultur sind wir es gewohnt, dafür gefeiert zu werden, Frauen zu sein und nun sind wir in einigen Kreisen ebenfalls gefeiert und in anderen verurteilt – von Muslimen und Nichtmuslimen.

Wir haben gelernt, damit umzugehen, und es inspiriert uns bei unserer Arbeit. Wir sind nicht hier, um andere davon zu überzeugen, dass Frauen das Recht haben, Hip-Hop zu machen und wir sind auch nicht hier, um „Feministen“ davon zu überzeugen, dass wir emanzipiert sind. Wir sind praktizierende Musliminnen und dies hindert uns nicht daran, Hip-Hop-Hijabis zu sein. Obwohl ich mir sicher bin, dass unsere Geschichte einzigartig ist, ist es eine, die nur selten erzählt wird. Unsere Geschichte zeigt die Herausforderungen in dieser Branche, denen sich schwarze muslimische Frauen täglich stellen müssen und die Schwierigkeiten, im Einklang mit unserer Identität zu sein, nämlich beides, als stolze westliche Musliminnen und als Musikmacher.“