Archivfoto: Ein Asylbewerber steht am Eingang der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung Mecklenburg-Vorpommerns in Horst bei Boizenburg. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Rund die Hälfte der Türken, die in Deutschland Asyl beantragen, werden hierzulande auch aufgenommen. Die Gesamtzahl der asylsuchenden Türken ist aber im letzten Jahr deutlich zurückgegangen.

Auch vier Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei erhält nach Recherchen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ noch fast jeder zweite Asylbewerber aus dem Land Schutz in Deutschland. 2020 bekamen 47,7 Prozent aller türkischen Asylbewerber hierzulande Schutz gewährt – in Form von Asyl, Flüchtlingsschutz, vorübergehendem (subsidiärem) Schutz und Abschiebungsverboten, berichtet die Zeitung.

Das gehe aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Frage der Linken-Abgeordneten Sevim Dağdelen hervor, die der Zeitung vorliege. 2019 habe die Quote kaum höher bei 52,7 Prozent gelegen, 2018 hatte sie 46,7 Prozent betragen. Ein Sprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg bestätigte, die Quote betrage „rund die Hälfte“.

„Säuberungen“ nach dem Putschversuch

„Die Türkei ist kein sicheres Herkunftsland und weit entfernt von Rechtsstaatlichkeit“, sagte Dağdelen der Zeitung. „Wenn fast jeder Zweite, der vor dem Autokraten flieht, Schutz in Deutschland bekommt, ist es einfach nur skrupellos, dass die Bundesregierung das Erdoğan-Regime weiter mit Waffen beliefert und mit Wirtschaftshilfen stützt.“ Dağdelen selbst gilt unter vielen Türken als umstritten, insbesondere wegen ihrer fehlenden Distanz zur PKK, die sie einst als „politische Organisation“ bezeichnete.

Die Zahl der Türken, die in Deutschland Asyl beantragen, hat sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr allerdings fast halbiert. Dies ist nach Ansicht der Linken vor allem auf die Reise- und damit Fluchtbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Nach dem gescheiterten Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan 2016 war die Zahl der Asylbewerber aus der Türkei schlagartig gestiegen und hatte sich von 2016 bis 2018 verdoppelt. Die türkische Regierung geht seit dem Putschversuch massiv gegen Bürger:innen und Staatsbedienstete vor, die in ihren Augen „Staatsfeinde“ sind. Angehörige und internationale Organisationen bemängeln dabei die oftmals intransparenten und sich in die Länge ziehenden Verfahren.

dpa/dtj